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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

— 126

Ferner sei hier hingewiesen auf die Bd. XXV,
Fig. 141, gebrachte Abbildung des Hauses Nr. 42
aus Heiligenkreuz bei St. Gotthard und auf die Abbildung
 des Hauses Nr, 14 aus Rauchwarth bei
Stegersbach unter Fig. 148 ebendort. Beide Häuser
tragen an der Giebelseite zwischen den beiden Bodenfenstern
 Felder, das erste ein quadratisches, das
andere ein kreisrundes, ganz in derselben Weise,
wie die Häuser in Buchschachen, an denen ich die
oben mitgetheilten Sprüche fand. „Haussegen“ fand
ich in den Feldern keine mehr. Es mag sogar möglich
 sein, dass sie nie solche enthalten haben, doch
wird unbestreitbar sein, dass sie einen Hinweis
bilden, wonach man auch in der Gegend, in welcher
lie Häuser stehen, also in der südlichen Heanzerei,
ehemals an den Häusern Sprüche anzubringen pflegte,
In Vorstehendem schrieb ich also die Wahraehmungen
 nieder, die ich in Bezug auf das Bauernhaus
 auf den Wegen von Oedenburg über Gross-Warasdorf
 nach Güns, von Oedenburg über Stoob
nach Lockenhaus, von Oedenburg über Kobersdorf
nach Landsee, von Kalteneck über Bernstein nach
Oberschützen, von Oberschützen nach Schmiedraith
und von Oberschützen in westlicher Richtung bis
nahe an die steirische Grenze (Alhau) gemacht habe.
Diese Wahrnehmungen lassen sich der Hauptsache
 nach in folgende Punkte zusammenfassen:
I. Die Anordnung der Wohnräume, ihre Lage
zur Sonne, die Einrichtung der Stuben, die Kücheneinrichtung,
 dann weiterhin der Dialect, Sitten und
Gebräuche und das Arbeitsleben der Bewohner ist
allenthalben in den Dörfern, die ich auf diesem
Wege berührte, bei geringen unwesentlichen Abweichungen,
 die sich zum Theile aus dem Vergleiche
der vorstehenden Mittheilungen mit meinen Arbeiten
in den Bd. XXIV und XXV dieser Mittheilungen
ergeben, dieselben.
2, Wesentliche Unterschiede ergeben sich auf
diesem Gebiete, das durch die bezeichneten Wege
gekennzeichnet ist, in der Anlage der Dörfer und
der daraus sich ergebenden Anlage der Gehöfte, so
dass das Territorium durch diese Unterschiede in
zwei Theile getheilt, wird, deren Scheidelinie der
Lauf der Güns bildet... Südlich derselben tritt in
all’ den von mir berührten Orten das fränkische
Gehöfte auf, während es nördlich davon vollkommen
fehlt.
Schicke ich noch voraus, dass die Grenze des
Gebietes, über welches sich das fränkische Gehöfte
im westlichen Ungarn ausbreitet. nach Süd und Ost

‚ereits Bd. XXV, S. 110, von mir bestimmt wurde,
so geht aus dem bisher Gesagten und aus dem vorstehenden
 Punkte 2 nun hervor, dass das Verbrei-;ungsgebiet
 des fränkischen Gehöftes im westlichen
Ingarn nach Nordosten hin, was ich in meiner
Arbeit Bd, XXV nur als Annahme aussprach, thatzächlich
 nur bis zur Güns reicht und Güns und Lockenhaus
 die nordöstlichsten Punkte in diesem Theile
Ungarns sind, wo das fränkische Gehöfte noch constatirt
 werden kann. Nach Norden reicht das Gebiet,
wie aus den in Schmiedraith gemachten Erfahrungen
sich feststellen lässt, bis an die ungarisch-niedersterreichische
 Grenze und, wie aus dem im nachfolgenden
 Theile dieser Arbeit Mitzutheilenden zu
arsehen sein wird, auch darüber hinaus. Nach Westen
hin habe ich das Vorkommen des fränkischen Ge-‘1öftes
 bis an die ungarisch-steirische Grenze und
1ach dem, was ich im Abschnitte D' mittheilen
werde, auch darüber hinaus verfolgt. Ebenso erstreckt
 sich das Verbreitungsgebiet des fränkischen
Sehöftes, was der Abschnitt E beweisen wird, auch
in der Richtung nach Nordwest über die steirische
Grenze bis über Vorau hinaus. Demnach wird auch
neine Bd. XXV, S. 110, auf Aussage von Kennern
ler Gegend gethane Aeussserung, dass der Centralhau
 „gegen Norden in’s Oesterreichische hinein bis
Hochneukirchen und Kirchschlag — wenn nicht
weiter —“ und „nach Westen über Hartberg hinaus
bis tief in’s Steirische hinein verfolgt werden könne“,
als feststehende Thatsache angenommen werden
können.
In der Gegend von Oberschützen habe ich bei
meinem zweiten Besuche noch einige weitere Er-'ahrungen
 gesammelt, die ich um so mehr hier, bevor
ch auf den dritten Theil meiner Arbeit übergehe,
'ür nöthig erachte, mitzutheilen, als sie in einiger
Zeziehung Manches von dem, was ich Bd, XXV aus
lieser Gegend sagte, ergänzen, Anderes berichtigen.
Bd. XXV erging ich mich auf Seite 95 ff, über
lie Art und Weise der Ausführung eines Blockbaues
;n der südlichen Heanzerei und über den Vorgang
ei der Ausführung eines gestampften (g’satzt’n)
Tauses. Zur Ergänzung des dort Mitgetheilten habe
ch nun noch Einiges, was ich erst bei meinem
zweiten Besuche der Heanzerei in Erfahrung gebracht,
in Bezug auf Bauten, die aus Ziegeln aufgeführt
werden, zu berichten.
Ziegel bilden das Material, aus welchem heute
in der Heanzerei die meisten Bauernhäuser aufyveführt
 werden. Es liegt dies in den dortigen Ver-
            
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