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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

— 125

In Buchschachen fand ich noch, was ich nicht
anerwähnt lassen will, dass die Gepflogenheit geherrscht
 hat, die Häuser mit Inschriften, sogenannten
„Haussegen“, zu zieren. Ich sage „geherrscht hat“.
weil diese schöne Sitte wohl nicht mehr geübt wird.
Auf dem Hause des Johann Kurz, das ich eben beschrieben
 habe, stand in dem Kreisrund, das auf
der Abbildung des Hauses zwischen den beiden
Bodenfenstern ersichtlich ist, wie mir mein Freund,
Bürgerschullehrer JonAann GaLı, ein geborener Kitzladener,
 der mich in meinen Bestrebungen in seiner
Heimat unterstützt hat, mittheilte, ein Spruch
folgenden Wortlautes:
‚Ich hab mich geplagt und baut das Haus
Und pflanze mir auch mein Brot;
‘ch danke für meinen Stand
Dem lieben, guten Gott.“
Der Spruch ist verweisst und nicht mehr erneuert
 worden.
Die Sprüche stehen stets an der Giebelwand des
Hauses in einem runden oder viereckigen Felde an
der Stelle, die auch der citirte Spruch seinerzeit
eingenommen hat. Ich theile aus Buchschachen noch
iolgende Sprüche in derselben Schreibweise mit, wie
sie sich noch heute an den betreffenden Häusern
Definden,
Am Hause Nr. 112 des Johann Reisner steht in
einer Kreisform in fünf Zeilen folgender Spruch:

„Wer Gott
Verdraut: hat
Wohl gebaut im
Himmel und
auf Erden.“

Das Haus Nr. 42 des Johann Benedek ziert in
Rechteckform ein Spruch, der folgendermassen lautet:

„Wir Bauhen Hie
Gar feste: Und sind
Nur fremde geste:
und Wo wir sollen
Ewig sein : da Bauhen
 Wir gar Wennig
 drein: = | Mid
Gottes Hilf Erbaud
im Jahr anno 1.8.2.0.

Lorenz Benedek.“

Der gleiche Spruch befindet sich, abgerechnet
das, was sich auf den Erbauer bezieht, auf dem
Hause Nr. 63 des Ludwig Kurz.
Ein weiterer Spruch, der auf dem Hause Nr. 58
des weiland Tobias Kurz steht, heisst:

„Wo Gott nicht
Wacht: und baut das Haus
Dräg unser Wach und Müh
nichts aus : Behüt uns freindlich
und beschehr : Brod Leibes
Frucht und anders
Mehr. 1815,
T K*

An dem Hause Nr. 23 des Johann Sander steht
[olgender Spruch zu lesen:
„Dieses Haus ist mein und nicht mein
Und nach mir wird’s auch so sein.“
Dies ist jedenfalls nur das Bruchstück eines
ınderen Spruches, den ich in Kirchschlag an dem
Hause Nr. 76 fand. Er lautet:
„Dieses Haus gehört mein und auch nicht mein,
Und meinem Vorwirth war's auch nicht sein;
Denn er musst hinaus und ich herein,
Und nach meinem Todt wird es auch so seyn.
Jakob Schlögl. Schneider-Meister.“

Ich bemerke hier noch, dass in Oberschützen
seinerzeit die Sitte, Häuser mit solchen Sprüchen
zu zieren, auch bestanden hat. Das von mir Bd. XXV,
Fig. 159, abgebildete Haus wird in dem kreisrunden
Felde zwischen den beiden Bodenfenstern auch einen
Spruch getragen haben. An der Stelle, wo heute in
Jberschützen das neue Haus des Herrn Privaten
Mathias Polster steht, stand noch vor etwa 15 Jahren
in kleines Bauernhaus, das folgenden Haussegen,
Jessen Mittheilung ich dem Herrn Seminarvorstande
Jonanyzs EBENSPANGER verdanke, trug:
„Friede sei in diesem Haus,
Alles Böse weich’ hinaus,
Und es wohne immerhin
Nur, was recht und gut ist, drinn.
Dann ist Gott mit seinem Segen
Allzeit gnädig Dir zugegen.
Alles steht in Gottes Hand,
Haus und Dorf und Stadt und Land.
Drum, Herr, auch dies Haus bewahr’
Vor jeder drohenden Getahr.
Lasst auch uns merken dies Sprüchlein fein:
Dies Haus ist mein und doch nicht mein,
Der nach mir kommt, wird’s auch so sein.“
Nachträglich theilte mir Herr Seminarvorstand
EBENsrANGER noch einen Spruch mit, der sich auch
1eute noch auf dem Hause Nr. 6 in Oberschützen
befindet, Er lautet:
„Demuth ist die schönste Tugend.
Aller Christen Ruhm und Ehr’,
Denn sie zieret uns’re Jugend
Und das Alter noch viel mehr.‘
            
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