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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

— 120 —

Photographie angefertigt habe. Da Bernstein zur
Heanzerei gehört, gibt dieses Bild als Ansicht eines
Theiles eines Dorfes aus dem nördlichen Theile deı
Heanzerei ein Gegenstück zu dem aus der südlichen
Heanzerei Bd. XXV., S. 151, abgebildeten „Fingang
des Dorfes Tobaj“.
Aus dem Bilde (Fig. 111) ist ersichtlich, dass
Bernstein in Bezug auf die Dorfanlage bereits abweicht
 von den Dörfern um Oedenburg und auch von
denen der südlichen Heanzerei. Auch herrscht hieı
der Centralbau in der Anlage des Hauses vor. Das
erste Haus links im Bilde ist ein Vierkant mit einem
Einfahrtsthore in der Mitte der Vorderfront, eineı
Ausfahrt im hinteren, parallel liegenden Tracte
(Stadeltract) und einem dritten, seitlich angebrachten
Thore. Die anderen Häuser auf dem Bilde, welche
zum Theile ersehen lassen, dass sie nicht vollkommen
ausgebaut sind, d.h. keinen ganz geschlossenen Hof
aufweisen, lassen an ihren senkrechten Giebelmauern
erkennen, dass sie den Ausbau ermöglichen oder
erwarten (vgl. damit das Bd. XXV, ®. 108, in Bezug
auf das Haus Nr. 100 in Oberschützen Gesagte)
Auch die innere Ausgestaltung des Hauses, sowohl
der Wohn- als auch der Wirthschaftsräume, stimmt
in Bernstein im Wesentlichen mit dem überein, was
ich Bd. XXV über das Bauernhaus der nördlichen
Heanzerei gesagt liegen demnach rechts vom KEinfahrtsthore
 die Wohnräume, an die sich gewöhnlich
der Pferdestall angliedert, so schliesst sich vom Thore
nach links der Kitting an, an den sich nach rückwärts
 in der Regel der Kuhstall anreiht, und quergebaut
 schliesst nach rückwärts der Stadel, bestehend
aus Tenne, Heu- und Baustadel, den Hof ab
Der Dialect ist auch in Bernstein der heanzerische.
Von woher in Bernstein die Besiedelung geschah, ist
heute noch eben so unklar wie bei Oedenburg, Oberschützen
 und allen anderen Orten Westungarns, die
von Deutschen bewohnt werden. Von seiner Familie
und von den Bernsteiner Familien der Frühwirth und
Krug sagte mir Herr Mager, dass sie aus Kärnten, die
Familie der Baldauf aber aus Böhmen angesiedelt
worden seien. Die Ansiedelung dieser Familien geschah
zu Ende des XVI. Jahrhunderts während der Gegenreformation
 durch den _protestantenfreundlichen
Grafen Sigmund Batthyänyi v. Bernstein. Die aus
den erwähnten Ländern flüchtenden Familien wurden
als bergbaukundige Leute vom Grafen zum Betriebe
seiner Bergwerke!) angesiedelt und mit Ackerland
1) Spuren der aufgelassenen Bergwerke finden sich nock
heute südlich des Dorfes

jelehnt. Ich erwähne dies hauptsächlich mit Rücksicht
 auf das Nachfolgende. .
Wie mir Herr Mager mittheilte, wird damals je
3in Mager, Frühwirth, Krug und Baldauf angesiedelt
worden sein, und jeder der damals Neuangesiedelten
scheint eine ganze Session, nach heutigem Maasse
12 Katastraljoch, erhalten zu haben, die aus drei
zrösseren Stücken Ackerland („Tafeln“) bestanden
sein wird. Herr Mager, ein gewiegter Kenner der
Verhältnisse seiner Heimat, schliesst nämlich so.
Sowohl die Familie der Krug, als auch die der Frühwirth
 hat sich bis heute in vier Linien getheilt.
Wie bei den Frühwirth’schen, so haben auch bei den
Krug’schen Linien je zwei ihre Häuser im Markte
ınd zwei im oberen Theile der Ortschaft. Die Häuser
jegen also nicht beisammen, sondern sind zum Theile
:äumlich ziemlich weit von einander getrennt. Auf-’allend
 ist nun, dass dies in Bezug auf die Lage
ler Felder nicht ebenso ist. In den verschiedenen
Fluren liegen sowohl die Krug’schen, als auch die
Arühwirth’schen Felder in vier Streifen stets unmittelbar
 beisammen, wonach Herr Mager folgert,
dass diese vier und vier Streifen ehemals eine Tafel
zebildet, je einem Besitzer angehört haben und
arst durch Vererbung getrennt worden sein werden.
Wenn ich nun noch hervorhebe, dass die Mager’schen
und Baldauf’schen Gründe — wie Herr Mager mir
zagte — analog liegen wie die Krug’schen und Frühvirth’schen
 und auch diese sich auf das Ausmaass
»ıner ganzen Session zurückführen lassen, so lässt
‚ich die Folgerung des Herrn Mager um so eher als
ichtig annehmen, als in Bernstein, so lange Menschen
zedenken, keine Neuauftheilung der Gründe stattzefunden
 hat. Auch gelegentlich der Ablösung des
arundes von der gräfl. Herrschaft Bernstein, die so
wie in Oberschützen auch in Bernstein vor der allzemeinen
 Grundablösung (in Oberschützen 1840, in
Zernstein 1845) erfolgte, kamen keine Aenderungen
im Besitze der einzelnen Bauern vor. Während
nämlich im nahen Dorfe Holzschlag, das zur fürstlich
 Eszterkhäzy’schen Herrschaft Lockenhaus gehörte,
jel der Grundablösung nur die Hausgründe unzeschmälert
 in den Besitz der Bauern übergingen,
von allen anderen Gründen (Wald, Hutweide, Rottzründe)
 aber ein Drittel an die Grundherrschaft
Gel, blieb in Bernstein durch den Freikauf Alles
»eim Alten. Wald und Hutweide blieben bis 1875
Gemeingut, die Rottgründe aber gingen voll und
zanz in das KEigenthum der damaligen Besitzer
ıber.
            
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