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„Schopfdächer“. Als ich mich nach den ältesten
Häusern des Dorfes erkundigte, wurden mir gerade
Jie, welche den Giebelschmuck trugen, also senkrechte
Giebel aufwiesen, als die ältesten Bauten des
Dorfes bezeichnet. Auch der Bauer trägt das Neue.
Fig. 110. Giebelverzierung aus Weppersdorf.
Moderne, wenn er es einmal angenommen hat, gerne
zur Schau. Neuerungen am Hause, besonders wenn
sie einen Schmuck desselben bilden sollen, bringt
er natürlich am liebsten dort an, wo sie am besten
In die Augen fallen. Der Ort. der dazu am geelgnetsten
Wie ich eingangs hervorgehoben, gebieten :die
Verhältnisse, die ich im südöstlichsten Theile Niederjsterreichs
vorfand, da sie von westungarischen Verıältnissen,
soweit sie in diesen Mittheilungen bereits
jekannt gemacht worden sind, abweichen, eine abzesonderte
Behandlung für sich. Ich überspringe
Jarum vorläufig dieses Gebiet und knüpfe in meiner
Schilderung der Erfahrungen, die ich auf meiner
Wanderung von Oedenburg nach ÖOberschützen durch
ıngarisches Gebiet gemacht, Bekanntes mit Gleichırtigem
zusammenstellend, mıt Beschreibungen von
Resultaten meiner Forschungen auf dem weiteren
Wege, der mich bei Kalteneck, südlich von Kirchschlag
an der Öösterreichisch-ungarischen Grenze geegen,
wieder auf ungarischen Boden brachte, an.
Der nächste grössere Ort, den ich nach dem
Jeberschreiten der Grenze bei Kalteneck berührte.
war Bernstein. Was ich von Bernstein mitzutheilen
ba 4.
Fie, 111. Gasse in Bernstein
ist, ist die Stirnseite des Hauses, In Landsee trägt
aun den neueren Giebelschmuck, die Abwalmung
oder den „Schopf“, der grösste Theil der Häuser
an sich. Der alte Giebelschmuck wurde dabei aber
keineswegs verworfen, sondern nur zurückgedrängt.
Der Stadel, welcher nach rückwärts den Hofraum
querliegend absperrt, steht ziemlich weit von der
Strasse ab, fällt also nicht in’s Auge. Er ist nun
der Träger der alten Giebelverzierung geworden. Da
der Stadel wie in der Gegend von Oedenburg und
im südlichen Theile der Heanzerei, so auch in Landsee
frei steht, also nicht mit dem Wohntracte verbaut
ist, hat er zwei freie Giebelwände, Beide haben
keine Abwalmung, sind also senkrecht und tragen
den althergebrachten Giebelschmuck. Mir ist in
Landsee kein Stadel aufgefallen, der diese Giehelverzierung
nicht aufgewiesen hätte.
Sonst habe ich auf dem Wege bis Landsee, also
bis zum Uebertritte auf österreichisches Gebiet, nichts
FErwähnenswerthes verzeichnet
habe, verdanke ich den freundlichen Aufklärungen
des dortigen Gastwirthes Johann Mager.
Bernstein besteht aus 175 Häusern mit ungefähr
300 Einwohnern. Die ältesten Häuser liegen im
Jentrum des Ortes. Sie bilden den „Markt“. Die
Jäuser liegen hier ziemlich eng aneinander. Die
7olge davon ist, dass viele derselben den Giebel zur
Strasse kehren. Ausserhalb des Marktes liegen die
Täuser auf breiterem Hausgrunde. Fränkische Geıöfte
und Vierkante wechseln hier ab, Ein grosser
"heil des Dorfes wurde im Jahre 1876 durch eine
Teuersbrunst verheert. Man findet darum in Bernstein
ine grosse Anzahl neuerer Bauten mit Ziegeldächern.
Jie Anlage dieser Häuser ist jedoch ganz die der
alten, da die Häuser nach dem Brande alle wieder
auf den alten Grundmauern errichtet worden sind
ch habe eine Gasse des Dorfes, und zwar jene, aus
Jer die Strasse in nordöstlicher Richtung nach
Kirchschlag und Lockenhaus führt, photographirt.
Fig. 111 bietet eine Zeichnung, die ich nach der