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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

L8

Achtel Land, doch besitzen die meisten der Bauern
sogenannte „Ueberländgründe“, die auf den Gemarkungen
 benachbarter Dörfer liegen und an Ausmaass
die Hausgründe oft um das Dreifache übertreffen.
Trotzdem ist aber ein grosser Theil auch der
Piringsdorfer Bauern auf Verdienst durch Nebenbeschäftigung
 angewiesen. Diese besteht in Hausindustrie,
 als welche das Korbflechten gepflegt wird.
Angefertigt werden die im Bauernhause am meisten
verwendeten Korbarten: der Ruckkorb und die
„Schwinge“. Diese Producte des Hausfleisses, an
welchen sich ein Mann während der Wintertage, zu
welcher Zeit die Arbeit in Hof und Feld ruht,
wöchentlich oft fi. 6 —8 verdient, werden nach Oedenburg
 und Güns auf die Wochenmärkte und sonst
auf Jahrmärkte der Nachbarschaft gebracht.
Ich gehe nun über auf meine Wanderung, die
mich von Oedenburg nach Oberschützen führte. Von
der Strecke Oedenburg —Kirchschlag war der Weg bis

ich davon nirgends, Im südöstlichen Theile von
Niederösterreich scheint sie weit verbreitet zu sein.
Die Giebelverzierung, von der ich spreche, findet
ich stets nur an Gebäuden mit senkrechter Giebeland
 ohne Abwalmung („Schopf“). Die beiden
iussersten Dachsparren reichen, in der Firsthöhe sich
kreuzend, über den First empor. Die emporragenlen
 Stücke sind nun mannigfaltig gestaltet. Ich
ringe solche Giebelverzierungen im Bilde in den
Fig. 107—109 aus Jormannsdorf, Bernstein und Landsee,
 Aus den Bildern 107 und 108 wäre für einen
"Jneingeweihten wohl kaum zu errathen, was die
Inden der Dachsparren vorzustellen haben. Fig. 109
ässt schon unschwer den Kopf eines Thieres erzennen.
 Die Form, welche ich in Landsee skizzirte,
ist aber, da sie mit dem Kopfe eines Vogels Aehnlichkeit
 zeigt, eher angethan, zu verwirren, als. aufzuklären,
 Die althergebrachte Form erscheint hier
ın allen drei Fällen als verkümmert.

Fig, 107—109. Giebelverzierungen

Horitschon derselbe, den ich auf den eben besprochenen
Ausflügen zurückgelegt habe. Von Horitschon aus
nahm ich meinen Weg nach Westen durch Ortschaften,
 die mir bisher fremd waren, bis an die
angarisch-niederösterreichische Grenze zwischen Landsee
 und Blumau. Die Orte, die ich da berührte,
boten in ihrer Anlage nichts Neues. Das Bauernhaus
und seine Ausgestaltung ist hier gleich wie um
Oedenburg und südlich davon. Das Einzige, was mir
hier als erwähnenswerth aufgefallen, ist eine Art
von Giebelverzierung, die ich in dieser Gegend noch
nicht gesehen. Das erste Haus mit solch’ einer Giebelverzierung
 traf ich in Weppersdorf. Im südöstlich
davon gelegenen Dorfe Stoob, das ich zu Ostern berührte,
 fand ich die in Rede stehende Giebelverzierung
 nicht, wohl aber westlich von Weppersdorf
in allen Dörfern, die ich bis Oberschützen berührte,
Es wird also die Grenze des Gebietes, über die
sich die auffallende Giebelverzierung verbreitet, gegen
Osten und Süden durch die Dörfer Weppersdorf
Landsee, Bernstein. und Jormannsdorf (bei Oberschützen)
 gehen. In OÖbersehützen fand ich sie an
xeinem einzigen Hause mehr. auch östlich und süd-Der

 Zimmermann von heute. weiss nicht mehr,
welche Bedeutung diese Giebelverzierung seinerzeit
gehabt hat. Er formt einfach nach Vorbildern, die
antweder schlecht oder die er unrichtig auffasst,
der nach seinem Gutdünken und Geschmack, weil
as nun einmal Gebrauch ist, den Giebel auf solche
Art zu verzieren. Die Urform der Giebelverzierung,
wie ich sie hier fand, ist jedenfalls der Pferdekopf.
 In der Gegend, von welcher hier die Rede
‘st, sind Formen der Giebelverzierung, in denen sich
ler Pferdekopf erkennen lässt, aus der Ursache, die
ch angedeutet, jedenfalls schon selten, da mir nur
3äÜın einziges Mal eine Form, und zwar in Wepperslorf,
 unterkam, die Aehnlichkeit mit dem Kopfe des
Pferdes zeigt. Fig. 110 gibt sie wieder.
In Landsee machte ich die Erfahrung, dass die
Abwalmung (der „Schopf“) jedenfalls neuerer Zeit
st, als die senkrechte Giebelwand (ohne Abwalmung).
Die Dorfgasse in Landsee entlang gehend, gewahrte
ıch nämlich nur zwei oder drei Häuser, die den oben
besprochenen Giebelschmuck trugen. Es waren jene
wenigen Häuser, die eine senkrechte Giebelwand
zegen die Strasse wandten. Alle anderen hatten
            
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