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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

— 17 —

von Bauernhäusern. In Lockenhaus fand ich einzelne
Gebäude, die ganz in derselben Weise angelegt sind,
als die, welche ich Bd. XXV aus der nördlichen
Heanzerei beschrieb. In Güns ist die Mehrzahl der
Bauernhäuser („Hauer-Häuser“ werden sie genannt,
da ihre Besitzer nicht nur Ackerbauer, sondern auch
Weingärtner, d. i. Hauer, sind) zwar nicht vollkommen
geschlossen, die hufeisenförmige Anlage der Häuser
kennzeichnet aber schon das Streben nach Centralisation.
 Um den Hof vollkommen geschlossen zu
erhalten, ist der Ausbau der dritten Seite übrigens
hier auch nicht erforderlich, da er nach dieser Seite
durch das Nachbarhaus abgegrenzt ist. Die Bauernhäuser
 in Güns, soferne sie nicht kleine Häuschen
sind, die ihren Giebel wie die Bauernhäuser deı
nördlich von Güns gelegenen Dörfer der Gasse zukehren,
 sind in städtischer Manier an einander angebaut.
 Der Grundriss dieser Häuser zeigt demnach
dasselbe Bild, wie der Grundriss des Hauses Nr. 125
in Stegersbach (vgl. Fig. 153, Bd. XXV). Die Stelle,
lie in diesem Plane der Kitting innehat, nimmt im
Günser Bauernhause häufig das Presshaus ein. Deı
Kitting ist dann durch eine Kammer ersetzt, die
sich nach rückwärts an den Wohntract angliedert.
Oft findet sich im grösseren Günser Bauernhause
an der Stelle, wo im heanzischen Bauernhause neben
der grossen gassenseitigen Stube das einfensterige
schmale „Stüb’l“ sich befindet (vgl. z. B. den Plan
Fig. 160 in Bd. XXV), zwischen Einfahrt und Stube
noch ein zweites Zimmer eingeschoben, das aber
zwei Fenster aufweist. Dieses Zimmer im Günser
Bauernhause ist jedenfalls eine Erweiterung, die aus
den herrschenden städtischen Verhälinissen hervorgewachsen
 ist. So wie im Bauernhause der Stadt
Oedenburg, hat auch im Günser Bauernhause der
Sparherd. den offenen Herd schon stark verdrängt,
und an der Stelle des alten massigen Kachelofens
steht ein neuerer modernerer oder ein eiserner Öfen,
Mit den modernen Feuerstellen sind auch modernere
Geräthe und Geschirre eingezogen, über die sich
nichts Besonderes berichten lässt.
In Lockenhaus herrschen die ländlichen Verhältnisse
 noch stark vor. Der offene Herd steht noch
in vielen Häusern in Gebrauch. Auch der grosse
Kachelofen, umgeben vom „Ouf’ngäding“,‘) macht
sich in der. Stube noch breit. Die Gewandstange
nächst dem Ofen, hier Eis’n?) genannt, findet sich

ı) Vgl. Bd. XXY, 8. 134.
2) Vgl. Munınoee, „Studien zur germanischen Volkskunde,
 I.“ in Bd. XXI dieser Mittheilungen. S. 107, Anm, 1.

‚benfalls noch vor. Der Ofenwagen war auch in
"‚ockenhaus nicht in Gebrauch. Im Allgemeinen
schliesst sich Lockenhaus, obwohl es bereits im Eisenyurger
 Comitate liegt und auch sporadisch schon
lie geschlossene Hausform der Heanzerei aufweist,
n Bezug auf Geräth und Geschirr mehr den Verhältnissen
 im Oedenburger Comitate als denen der
Jeanzerei an. So wird es auch sein in Bezug auf
Jie familiären und socialen Verhältnisse und die der
Moral (vgl. Bd. XXV, S. 115 ff).
Es sei mir gestattet, noch Einiges über die Besitz-‚erhältnisse
 der Bauern in dem Strich von Oedenyurg
 südlich bis zur Güns zu sagen, So wie überall,
so ist es auch hier, dass dort, wo der Grossgrund-„esitz
 vorherrscht, der Besitz des Bauern an Auslehnung
 zurückgeht. Aus der Gegend von Oedenurg
 habe ich die Besitzverhältnisse bereits Bd. XXIV
bekannt gemacht. Von Oedenburg südwärts nimmt
ıun der Grossgrundbesitz zu und der Besitz des
xinzelnen Bauern so weit ab, dass in Lockenhaus
lie Hälfte von etwa 200 Besitzern nicht mehr als
iber ein Achtel = 2'/, Joch Ackerland mit 8 Metzen
‘1 Metzen == 0:615 hl) Aussaat, 1 Joch Wiese und
/, Joch Hutweide, welch’ letztere erst vor 16 Jahren
zus einem ehemaligen Waldgrunde aufgetheilt wurde,
zerfügt. Die zweite Hälfte der Bauern besitzt gar
ur ein Sechzehntel. Dafür aber umfasst das fürstl.
Zszterhäzy’sche Gut Lockenhaus an 8000 Joch Wald
ınd an 1800 Joch Ackerland, Wiesen und Hutweide
auf Lockenhauser Gemarkung.
Es ist darum in Lockenhaus auch kein Landmann,
 der sich mit dem Betriebe seiner Wirthschaft
ıllein fortbringen könnte. Der grösste Theil der
Wirthschaftsbesitzer treibt nebenbei ein Handwerk.
Yiele beschäftigen sich auch mit Handel, andere
nit Fuhrwerk von Holz aus den herrschaftlichen
WNaldungen. Dazu wird das einzige Paar Kühe oder
IJchsen — einen grösseren Viehstand besitzt, wie
mir gesagt wurde, in Lockenhaus unter der ackerbau-“reibenden
 Bevölkerung Niemand — verwendet.
Schon etwas besser steht es in Hinsicht auf die
Besitzverhältnisse im nördlich von Lockenhaus, von
Jiesem über eine Wegstunde entfernt liegenden
>iringsdorf, Das Ausmaass der Hausgründe, das sind
lie Gründe, die ehemals unzertrennlich zum Hause
zehörten, übertrifft zwar die Lockenhauser Bauernbesitzthümer
 an Grösse nicht, denn von 166 Haushesitzern
 haben etwa 40 Besitzer nur ein Sechzehntel,
ain einziger ein Viertel, zu 24 Metzen Aussaat ge-‚ecehnet.
 und der Rest der Besitzer verfügt über ein
            
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