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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

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Während man nun in der Gegend von Oedenburg
den neueren Stackettenzaun, die Bretterwand oder
Mauerwerk, in der Heanzerei aber den geflochtenen
„Spältenzaun“, von welch’ letzterem ich Bd. XXV,
Fig. 240, ein Stück abbildete, zur Einfriedung der
Hofstätte benützt, fand ich in den Dörfern von
Stoob bezw. Gross-Warasdorf südwärts bis zur Güns
eine Zaunart, die mir sonst noch nicht untergekommen
ist. An je zwei Zaunsäulen, die in gewissen Abständen
 stehen, sind in gleicher Entfernung von
einander drei starke Latten wagrecht über einander
befestigt. 1‘/,—2 m lange Aeste von Nadelhölzern
oder auch von einzelnen Laubholzarten (Birken,
Buchen, Erlen) werden in einer Weise zwischen die
drei Latten verflochten, die sich leichter abbilden,
als beschreiben: lässt (s. Fig. 105). Ich muss hier
erwähnen. dass einzelne der Dörfer. die ich auf dem

In Stoob fand ich den Dachraum an der Giebelseite
 eines kleinen Häusehens in eben derselben
Weise zugeflochten, in der der besprochene Zaun
zemacht wird. In dieser geflochtenen Wand beand
 sich ein ebenfalls geflochtenes Thürchen
zum Verladen des Heues auf den Dachboden. Die
Sache schien mir interessant genug, ein Bild davon
zu nehmen. Ich gebe es in Fig. 106 wieder. In
>iringsdorf und in Langenthal an der Strasse von
Jedenburg nach Güns traf ich weitere Beispiele
Jieser Art der Abschliessung des Dachraumes und
— eigenthümlich genug — fiel mir diese Flechtart
in derselben Anwendung in Weinberg bei Hartberg
s. die Fig. 130) und tief im Steirischen, in Schrems
pei Fladnitz, östlich von Passeil, bei Häusern wieder
ıuf, auf die ich weiter unten noch zurückkommen werde.
In Rücksicht auf die beiden Endpunkte der Aus-Jüge.
 von denen ich gerade spreche, habe ich, bevor

Fig. 106. Geflochtener Giebel aus Stoob.

Fig. 105. Zaun aus der Gegend von Güns.

Wege von Oedenburg bis Güns berührte, von Croaten
bewohnt werden, so Gross-Warasdorf und Unter-Pullendorf.
 Dörfl soll ehemals ebenfalls croatisch
gewesen sein, vielleicht auch das benachbarte Piringsdorf.
 Die Mundart der Piringsdorfer ist zwar reines
Heanzisch, gerade so wie bei den Bewohnern von
Dörfl, doch sprechen die Piringsdorfer das sonst so
weiche und breite Heanzische womöglich noch härter,
als die Dörfler. Ich erwähne die nationale Abstammung
der Bewohner dieser Dörfer deshalb, weil ich den
oben beschriebenen Zaun in einer Gegend mit eroatischen
 Spracheninseln gefunden habe. Ich sah diesen
eigenartigen Zaun, der bei gut schliessenden Thüren
und Thoren ein geradezu ausgezeichnetes Absperrmittel
 der Hofstätte bildet, bei meiner Wanderung
über Kirchschlag nach Oberschützen, über Lackendorf,
 Lackenbach, Weppersdorf, Kobersdorf und Landsee
 hinaus bis in’s Oesterreichische hinein, bis Blumau
angewendet.

ch weiter gehe, noch etwas zu sagen. Diese beiden
Irte an der Güns, aber an ihrem südlichen Ufer
zelegen, werden schon zur Heanzerei gerechnet. Es
st geradezu auffallend, dass, während in den ihnen
zegen Norden vorliegenden Dörfern — ich nenne die
aächstliegenden, hier Mannersdorf und Unter-Loislorf,
 dort Hochstrass und Piringsdorf, die nur durch
äinen verhältnissmässig niederen Bergrücken von den
Irten Güns und Lockenhaus getrennt sind — keine
Spur vom Centralbau zu entdecken iet, so tritt er
sowohl in Güns als auch in Lockenhaus bereits verynzelnt
 auf, obwohl diese beiden Orte mit den
aördlich liegenden Ortschaften in engerem Verkehre
‚stehen, als mit der eigentlichen Heanzerei, von der
sie durch die Rechnitzer Bergkette, deren höchste
Punkte 500—540 m über der Thalsohle der Güns
liegen, getrennt sind. Die Güns bildet also in der
That, wie ich vermuthungsweise angenommen hatte,
Jie nördliche Grenze des in der Heanzerei mit Vorliebe
 gepflegten Centralisationssystems in der Anlage
            
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