Streifen des Zeuges bei Seite, um die Beschaffenheit
kennen zu lernen. Im Kreise aneinandergereiht lagen
da eine Anzahl mit Perlen geschmückter Schädel.
Es waren die Schädel von Häuptlingen und Brüdern
des Herrschers, die sich gegen ihn empört hatten,
aber besiegt und getödtet wurden.!) Der‘ Schädel
eines weisen Häuptlings in derselben Gegend *) ward
von seinem Bruder in einem Topfe aufbewahrt und
bei öffentlichen Angelegenheiten hervorgeholt.®) Die
Wapare sorgen vor Allem dafür, dass der Kopf eines
Todten bestattet wird. Zunächst wird der Körper in
aıner Grube inmitten der Hütte versenkt. Nach einem
7reien, in hohlen Bäumen, unter überhängenden
3äumen oder an unheimlichen Orten.) Die Bube
bestatten die Todten auf einigen Stellen der Insel
lerart, dass der Kopf aus der Erde hervorragt.”)
STUHLMANN fand vor der Hütte eines angeblichen
Wambuba-Zauberers den einstigen Bewohner derart bestattet,
dass die Hälfte des Schädels aus der Krde
sah. ?)
Die Kopfjagden der Indonesier und Nordwestımerikaner
sind allgemein bekannt, weniger die der
\frikaner. Die alten Jaga glaubten, erst dann
muthig in die Schlacht ziehen zu können. wenn die
LG
Stammbaumbildungen aus Afrik»
Jahre wird das Grab geöffnet, der Schädel der Grube
antnommen und in einem Thontopfe in der Hütte
aufbewahrt. Während das Skelet in der Tiefe bleibt,
gilt es als unglückbringend, wenn der Unterkiefer
fehlt.‘) Das ziche Krankheiten nach sich, heisst es
im Volksmund, und um das womöglich doch noch
zu verhindern, wird eine Ziege geschlachtet und der
Unterkiefer mit dem Schädel in den Topf gelegt,
damit „der Todte kauen könne“. In der Landschaft
Pan hängen die Töpfe statt in der Hütte im
— 1) Cammrox, „Quer durch Afrika“, Bd. II, S. 58.
2) Fr. Rartzer, „Völkerkunde“, 2, Aufl., II. Bd., S. 312.
3) H. Frosexius, „Der Heidenneger im ägyptischen Sudan“.
S, 434.
4) Ueber Kinnladen und deren Bedeutung für den Schädel,
siehe Hzronp, a. a. O., 1893, S. 65. Arrkıss in Allg. Hist. d.
R.. Bd. ITIL. S. 483. StuHLMANN. 8a. a. 0. S. 186
ırsten Gefangenen als Sühnopfer für die von den
Soldaten des Heeres begangenen Verbrechen getödtet
waren.‘) Im Otschigebiete darf an den Festtagen nur
ler mittanzen, der einen Schädel heimgebracht hat, *)
ınd ebenso wurden die Jünglinge der Jaga nicht
aher unter die Zahl der Männer aufgenommen, als
bis sie dem Heeresführer zum Zeichen ihres Muthes
len Kopf eines Feindes gebracht hatten.) Um den
1) Oskar Baumann, „Usambara und seine Nachbarländer“.
5. 238—239,
2) Oskar BAUMANN, „Fernando Po und die Bube“, S, 97.
A, Basrtıan, „Ein Besuch in San Salvador“, S. 320,
3) SrUuHLMANN, a. a, O., S. 638.
4) A. Bastian, San Salvador, S. 205.
5) HeroLp, a. a. 0., 1892, S. 148.
6) Allg. Hist. d. R.. Bd. V. S. 104. siehe anch ehenda.
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