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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

- 114 —

zu beginnen. Es sollte mir dabei Gelegenheit werden,
das Bauernhaus solcher Gegenden der Comitate
Oedenburg und Eisenburg kennen zu lernen, die ich
gelegentlich meiner Excursion zu Ostern des
Jahres 1894 nicht bereist habe. Dieser Theil
meiner Wanderung, der mich über Harkau, Neckenmarkt,
 Lakendorf, Lakenbach, Weppersdorf, Kobersdorf
 und Landsee durch das Oedenburger Comitat
und von Kalteneck, südlich von Kirchschlag an der
angarisch-niederösterreichischen Grenze gelegen, über
Bernstein und Mariasdorf nach Oberschützen durch
das Eisenburger Comitat führte, sollte die Verbindung
 herstellen zwischen den beiden Gebieten,
aus denen ich das Bauernhaus in diesen Mittheilungen
 (Gegend von Oedenburg: Bd. XXIV, und
Heanzerei: Bd. XXV) bereits beschrieben habe.
Ich unternahm ferner zu Ostern des Jahres 1895
ainen kleinen Ausflug in südöstlicher Richtung von
JDedenburg über Harkau, Neckenmarkt, Horitschon,
Raiding, Stoob, Dörfl, Piringsdorf und Hochstrass
nach Lockenhaus und im September desselben Jahres
eine Tour in südlicher Richtung von Oedenburg über
Harkau, Neckenmarkt, Horitschon, Gross-Warasdorf.
Langenthal, Unter-Pullendorf, Unter-Loisdorf und
Mannersdorf nach Güns. Ueber diese Wanderungen
werde ich zuerst zu berichten haben. _
Bei Landsee betrat ich auf meinem Wege von
Oedenburg nach Öberschützen niederösterreichisches
Gebiet und kam von dort über Blumau und Stang
nach Kirchschlag, bezw. Aigen, wo ich einige Tage
Aufenthalt nahm, um das Bauernhaus dieser Gegend
in eingehender Weise kennen zu lernen, und setzte
dann meinen Weg von Kirchschlag über Ungerbach
nach Kalteneck in der Richtung gegen Oberschützen
fort. Solchergestalt habe ich den südöstlichsten
Theil von Niederösterreich auf einem Wege von
etwa 15 km durchquert. Die Erfahrungen, welche
ich auf dieser kurzen Strecke gemacht, sollen in
zweiter Linie mitgetheilt werden.
Drittens berichte ich über den Weg, den ich in
der östlichen Mittelsteiermark zurückgelegt habe.
Viertens schreibe ich schliesslich über die Ergebnisse
 meiner im Jahre 1896 in der Gegend von
Vorau vorgenommenen Hausforschungen.

B. Wanderungen durch Theile der Comitate
Oedenburg und Eisenburg.
In meiner Arbeit: „Typen von Bauernhäusern
aus der Gegend von Oedenburg in Ungarn“ (Bd. XXIV
Jieser Mittheilungen) sagte ich S. 115 vermuthungsweise:

 „dass die Wohnverhältnisse der Landwirthschaft
 betreibenden Bevölkerung ım westlichen
Cheile Ungarns, zum Mindesten von dem Höhenzuge
ın, der sich südlich der Güns nach Osten erstreckt,
9is nördlich zur Donau und darüber hinaus, und
zwar so weit die Bevölkerung dieses Theiles von
Ungarn die deutsche Sprache ihre Muttersprache
1ennt, allenthalben dieselben seien“, und in meiner
zweiten Arbeit: „Das Bauernhaus in der Heanzerei
Westungarn)“ (Bd. XXV dieser Mittheilungen) fügte
ch, darauf Bezug nehmend, dem bei: „Meine An-1ahme
 kann ich für den Strich von Oedenburg
zegen Süden bis zu Güns nach all’ dem, was mir
iber die Form des Bauernhauses von Kemnnern dieser
xegend gesagt wurde, heute bereits als feststehende
Thatsache betrachten. Was demnach in Bezug auf
Zesiedelung, Besitz- und Wohnverhältnisse, Dorfınlage
 und Mundart der Landwirthschaft betreibenden
3Zevölkerung in der Gegend um Oedenburg in meiner
ben angeführten Arbeit gesapt ist, wird voll und
zanz auch für die deutschen Dörfer (vorerst
sind diese es ausschliesslich, welche den Gegenstand
neiner Untersuchungen in Bezug auf das Bauernhaus
oilden) südlich von Oedenburg bis zur Güns gelten.“
Ich vermochte mich nun mit dieser nur auf
\ussagen von Kennern dieser Gegend festgestellten
Zehauptung nicht zufrieden zu geben. Dies war die
Veranlassung zu meinem oben erwähnten Osterausflug
1ach Lockenhaus und zu meinem Ausflug im Sep-;‚ember
 1895 nach Güns. Ich kann nun aus eigener
Zrfahrung die eben aus Bd. XXV citirte Annahme
n Bezug auf die Form und Ausgestaltung des
3auernhauses, über die Anlage der Dörfer, die
Zesitzverhältnisse und den Dialect jenes Gebietes
les Oedenburger Comitates, das sich von Oedenburg
üdlich bis zur Güns erstreckt, voll und ganz be-‚tätigen.
 Alle Dörfer, die ich auf diesen Ausflügen
berührte, sind Gassendörfer, ganz in derselben Weise
ıngelegt, wie die Dörfer um Oedenburg, und überall
jegt das Bauernhaus auf schmalem Hausgrund, der
ine Parallelstellung des Hauses in seiner Länge
zur Strasse nicht erlaubt. Es sieht dasselbe also fast
ıhne Ausnahme mit seinem Giebel auf die Gasse,
während sich die Längenachse des Hauses senkrecht
zur Strasse stellt. Der schmale Hof ist gegen die
3asse in der Regel durch ein Thor und ein Eingangs-;hürchen
 abgeschlossen. Solcher Weise gleichen die
Dörfer südlich von Oedenburg nicht nur den Dörfern
ım Oedenburg, sondern auch jenen im südlichen
Theile der Heanzerei. und man kann sich von den-
            
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