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Bild“ sammelte, so erweiterten sich seine Kenntnisse über
den Festkalender der Huzulen wesentlich. Er beschloss daher,
dieses Material mit dem einschlägigen über die Rusnaken
(Ruthenen des Flach- und Hügellandes) zusammen zu veröffentlichen,
was bei der engen Verwandtschaft der beiden
Zweige desselben Volksstammes nur zu billigen ist. Wir haben
also einen kurzgefassten, aber an Material äusserst reichen
Festkalender der Ruthenen der Bukowina und auch Galiziens
vor uns, der um so werthvoller ist, als er sich unter dem
Einflusse der orthodoxen Kirche und der Cultur von Byzanz
gebildet hat. Ausserdem ist in Betracht zu ziehen, dass dir
Kuthenen nur ein kleiner Bruchtheil des ganzen kleinrussi.
schen Stammes (mehr als drei Viertel wohnen in Russland
sind, so dass dieses nun den Forschern in deutscher Sprache
leicht zugängliche Material zum Theile die meist unbekannten
russischen und polnischen Arbeiten über die Kleinrussen ersetzen,
ja in vielen Punkten sogar für die Grossrussen gelten
kann. Mich hat die grosse Verwandtschaft des ganzen Festkalenders
der russischen Stämme bis zu einem gewissen
Grade überrascht, Für Aberglauben und Zauber jeder Art
können sich die Forscher viele Belege aus diesem Büchlein
holen, aber im Grossen und Ganzen werden sie doch weniger
Neues finden, als sie vielleicht erwarten, mag auch der Verfasser
mit Recht hervorheben, dass sich wohl in keinem
anderen Theile der Volksüberlieferung der Ruthenen so viele
alterthümliche Elemente erhalten haben, als in dem Festkalender.
Das Völkchen der Rusnaken und Huzulen befindet
sich in der That erst auf einer sehr primitiven Entwicklungsstufe,
so dass bei ihnen so mancher Brauch, der anderswo
schon zur blossen Gewohnheit oder zu Scherz herabgesunken
ist, noch sehr ernst genommen wird. So lassen sich am
Österdienstag in der Bukowina die Mädchen gerne von den
Burschen begiessen, bringen ihnen sogar Wasser herbei und
beschenken sie mit Ostereiern, da der Volksglaube noch
lebendig ist, dass dieser Wasserguss.belebend und verschönernd
wirke. Staunen muss man über die grosse Zahl der Tage.
an denen nicht gearbeitet werden dürfe.
Der Verfasser beschränkt sich meist auf Mittheilungen,
die aber hie und da etwas zu hypothetisch klingen; auch
eine bestimmtere Localisirung wäre manchmal am Platze.
Zu loben ist es, dass der Verfasser die ruthenischen Ausdrücke
häufig verzeichnet und sie in der dialectischen Form
(der Narıe Chlib für russ. Glöb ist wohl nicht richtig wiedergegeben,
S. 438) bringt, aber daneben wäre doch auch die
literarische Form nnd die deutsche Erklärung so manchen
Namens angezeigt: die Namen sollen immer im Nominativ ve-’racht
werden (vgl. dagegen Pokrowa 440, ponedilnycznemi 444).
Bemerken möchte ich, dass die an den Bächen und Flüssen
wohnenden Rachmanen (423), die halb Mensch und halb Fisch
sind und sogar ihr eigenes Fest haben, aus den aus der
\lexandersage den Russen bekannten — Brahmanen hervorzegangen
sind, Dem entspricht auch die Tradition, dass sie
‚weit unten“ an den Flüssen oder am Meeresgestade wohnen
ınd als Zwerge gelten (430). M. Murko.
8.
Munro, Robert M. A., M, D. ete.: Prehistorie
Problems being a selection of essays on the evolution
of man and other controverted problems in
Anthropology and Archaeology. Edinburgh and
London, Wınıriam BLAacKwoond & Soxs 1897.
XIX +371, pp. 8°.
Der bewährte Verfasser, sehr bekannt durch seinen gehalt-7ollen
Band über die Pfahlbauten Europas („The Lake-Dwellings
»£ Europe“), welchem ein Werk über die Crannogs seiner
Heimat („Ancient Scottish Lake-Dwellings or Crannogs“)
vorausgegangen und ein anziehendes Buch über seine Reisen
n Bosnien, der Herzegowina und Dalmatien („Rambles and
Studies in Bosnia“ u. s. w.) gefolgt ist, gibt in dem gegenvärtigen
Sammelband acht. grössere Aufsätze über verschiedene
aınthropologische und prähistorische Probleme, Diese Artikel
waren grösstentheils früher in Zeitschriften, von welchen den
Lesern auf dem Continente manche nicht leicht zugänglich
ind, gedruckt, erscheinen jedoch hier mit einer Ausnahme
;ämmtlich in erweiterter Form. Der erste Theil umfasst folgende
aınthropologische Capitel: Beginn und Fortschritt der anthropo-‚ogischen
Forschung, Beziehung zwischen der aufrechten Haltung
ınd der physischen und geistigen Entwicklung des Menschen,
jemerkungen über den fossilen Menschen, Zwischenglieder
zwischen dem Menschen und den tieferstehenden Lebewesen. Der
zweite Theil enthält vier archäologische Aufsätze über präılstorische
Trepanation und Schädelamulette, über Otter- und
3iberfallen, über Schlittknochen und über prähistorische Sensen
ınd Sicheln. 8 Tafeln und 150 Textfiguren erläutern die Aus-‘ührungen
des Verfassers, welcher im archäologischen Theile
lie Methode und die Ergebnisse der vergleichenden Alterthums-‘orschung
an einigen Beispielen zu zeigen wünscht, während
ar in den mehr zusammenhängenden Capiteln des ersten
l’heiles die Beziehungen zwischen der Umgebung des Menschen
und seiner körperlichen und geistigen Erscheinung darzulegen
versucht, M. Hoernes.