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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

— 111

und jene der macedo-vlachischen Wanderhirten (Cincaren).
Auch hier bekundet der Autor seine Vertrautheit mit der
einschlägigen Literatur; er zeigt, dass schon Plinius den
„caseus Diocleas“ aus der heutigen montenegrinischen Landschaft
 Podgorica und den „caseus Dardanicus“ aus dem
Alpengebiete von Skopje gekannt habe und dass die altserbischen
 Käsefabrikate unter dem Despoten Stefan Lazarevic
(1404—1427) einen bedeutenden Ausfuhrartikel bildeten.
Interessant erscheint, dass es im serbischen Krivi vir- und
Rtanjgebiete, ebenso bei den macedonischen Vlachen — ganz
so wie bei den Zulukaffern — als Schande gilt, wenn das
Melken der Thiere durch das weibliche Geschlecht besorgt
wird; alle Verrichtungen, welche mit der Molkerei und Käsefabrikation
 zusammenhängen, sind ausschliesslich Sache der
Männer und werden bis in die kleinsten Details durch traditionell
 vererbte Gesetze geregelt. Troyanovıic’ sehr lehrreiche
Mittheilungen in dieser Richtung verdienen vollstes Lob,
[ch selbst begegnete den nomadisirenden Macedovlachen
während meiner 18maligen Passagen der Balkankette zuerst
1870 unter ihren höchsten Gipfeln (2380 m), auf den grasreichen.
 Triften bei Kalofer; später konnte ich einen höchst
interessanten Zweig derselben, die „Crnovunci“, im Sommer
1889 auf dem RakoSplateau der Suva planina eingehender
studiren, was mir demnächst Gelegenheit bieten wird, namentlich
 TroJanovıc’ den „Kackaval“ berührende Daten in manchen
Punkten zu ergänzen.
Die letzten Abschnitte der inhaltsreichen Arbeit behandeln
das „Trinken von Menschenblut“ bei gewissen Anlässen,
z. B. beim Schlusse der „Wahlbruder- oder Schwesterschaft“ :
ferner: das Würzen der Speisen; das Löschen des
Hungers und Durstes; die altherkömmlichen Getränke;
 die Verbreitung des Tisches und Speiseveräthes,
 wobei angeführt wird, dass der Clerus noch im
12. Jahrhundert den Gebrauch von Gabeln als sündhaft streng
verpönte. Derartige vielfache Anziehung von Cultus, Sitte
und Brauch bei alten und neuen Cultur- und Naturvölkern,
sowie häufig eingestreute ethnographische Parallelen verleihen
Dr. Trosanovıc” Publication erhöhten Reiz und Werth.
NW Kanitz.

6.
Götze, Dr. Alfred: Die Vorgeschichte der Neumark.
 Nach den Funden dargestellt. Mit 126 Abbildungen.
 (Sonderabdruck aus den Schriften des
Vereines für die Geschichte der Neumark. Heft V.)
In Commission bei A. StusEr’s Verlag (C. Kazıtzsca),
Würzburg 1897. 63 pp. 8°.
Diese kleine Schrift hat doppelten Werth. Erstlich gibt
sie eine Zusammenstellung und Erläuterung der vorgeschichtlichen
 Funde aus der Neumark, wofür die Prähistoriker und
Localinteressenten dem Verfasser dankbar sein müssen. Zugleich
 aber liefert sie an der Hand dieser Funde und mit
speciellem Bezug auf dieses Gebiet einen Ueberblick der vorgeschichtlichen
 Denkmäler Norddeutschlands überhaupt, der
von weiteren Kreisen mit Vertrauen benützt werden kann
da er aus der Feder eines in eigenen Untersuchungen geschulten
 Fachmannes stammt und getreu den heutigen Stand
der prähistorischen Forschung auf jenem Boden wiedergibt
So ist das Büchlein Görzk’'s ein Zeugniss des Fleisses und

les strengen Ernstes, mit welchem in Norddeutschland,
ı1amentlich von Berlin aus, durch Vırecnow, Voss, den Verfasser
selbst, OLsnAusen und viele Andere die ältesten einheimischen
Denkmäler studirt worden sind und noch fortwährend studirt
werden, Namentlich solche mit dem Getriebe der prähistorischen
 Forschung noch nicht vertraute Leser, welche sich in
len bunt angehäuften Stoffmassen der „Verhandlungen“ der
3erliner Anthropologischen Gesellschaft nur schwer zurechtinden,
 dürften in Görze’s „Vorgeschichte der Neumark“ einen
rzielfach brauchbaren Leitfaden erkennen. Die Darstellung
‚eicht, durch zahlreiche kleine, aber saubere und correcte
ıbbildungen unterstützt, vom „ersten Auftreten des Menschen“
»is tief in’s Mittelalter hinein und gliedert sich in folgende
\bschnitte: Die jüngere Steinzeit; das erste Auftreten der
Metalle; die Periode der grossen Urnenfelder (nach sonstiger
lerminologie Bronzezeit und Hallstatt-Periode, werthvoll durch
lie Beschreibung der jüngeren Urnenfelder vom „Göritzer“
ınd vom „Aurither Typus“); die La Tene-Zeit, die römische
Caiserzeit und die slavische Zeit. Wir im südlichen Mittelxuropa
 pflegen die Betrachtung prüähistorischer Zeitläufte viel
rüher abzuschliessen, da sich mit dem Beginn der christichen
 Zeitrechnung in den Alpen- und Donauländern, ganz
ınders als in Norddeutschland, antik-classische Lebensformen
an die Stelle der prähistorischen setzen. Indessen geht dieser
Wechsel doch nicht tief genug und ist nicht anhaltend genug,
ım für die Jüngeren Zeiträume das völlige Aufgeben der
aaturwissenschaftlichen Arhbeitsmethode zu rechtfertigen und
ın Stelle der ergrabenen einfach die literarischen Zeugnisse
reten zu lassen. Wenn also bei uns neben den archäologichen
 Funden auch noch andere Quellen zu berücksichtigen
ind, so muss die Art und Weise, wie die ersteren in Nordleutschland
 erschlossen werden, für uns doch als Muster
‚elten, dem wir nachzustreben haben. Der römischen und der
ilavischen Zeit ist fast ein Drittel der Darstellung Görzmz’s
r‚ewidmet, und mit Kecht bemerkt dieser, dass es — wenn
ich auch manche von Händlern oder Gefangenen herrührende
Votiz über die Cultur der römischen Kaiserzeit bei den
Jistorikern finde — doch sicherer sei, das Culturbild dieser
Zeit aus den Funden, als aus den Angaben der Classiker zu
zewinnen. Sehr exact und sorgfältig ist das jedem Abschnitte
angehängte Verzeichniss der Fundstellen und der darauf
zezüglicehen Literatur. M Hoernes.

7.
Kaindl, Dr, Raimund Friedrich : Der Festkalender
der Rusnaken und Huzulen. Czernowitz 1896.
Commissionsverlag der Universitätsbuchhandlung
H. Parpısyı. Separatabdruck aus den Mittheilungen
der k. k. geographischen Gesellschaft in Wien 1896.
Heft VI und VIIL
Der Verfasser, der sich durch seine gediegenen Beiträge
zur Volkskunde der Ruthenen bekanntgemacht hat, gab schon
in eigenes Werk über die Huzulen (Gebirgsruthenen) mit
Jnterstützung der Anthropologischen Gesellschaft (1894) herıus.
 Da er unterdessen im Auftrage der Anthropologischen
Jesellschaft den Hausbau der Huzulen studirte, für das
z. k. naturhistorische Museum in Wien huzulische Objecte
ınkaufte und Material für einen Artikel über die Huzulen
‘ir „Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und
            
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