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Die Anordnung der Möbel in den Wohnstuben
des grössten Theiles des ungarischen
Bauernhauses, die namentlich durch den
charakteristischen Standort des Tisches,
den dieser in den meisten Häusern des
ethnographischen Dorfes in jener Ecke
einnahm, in der die stabilen Sitzbänke
im rechten Winkel zusammenstiessen, gekennzeichnet
ist, ist der üblichen Anordnung
der Zimmergeräthe im oberdeutschen
Hause gleich. Eine Abweichung in
der typischen Zimmerausstattung liess sich unter
ıll’ den Häusern, die im ethnographischen Dorfe
tanden, nur bei jenen Häusern feststellen, die aus
lem südlichsten Theile Ungarns stammten. Ob hiebei
ıicht etwa nationale Einflüsse vorwalten, müsste
arst durch weitere Untersuchungen festgestellt werden.
Hoffentlich löst diese eine Frage und mit ihr
ı1och zahlreiche andere, die in Bezug auf die
3Zauernhäuser vieler Gegenden Ungarns noch in
ındurchsichtbares Dunkel gehüllt sind, die Haus-‘orschung,
welche gerade in letzterer Zeit in Ungarn
ıäufigere und gute Früchte gezeitigt hat, recht
1ald!
Literaturberichte.
I.
Trojanovic, Sima: Starinska srpska jela i pica.
K. serb. Akad. d. Wissensch. Serb. ethnogr. Sammlung.
HI. Buch. Belgrad 1896. 8°. 124 Seiten.
Der Autor der vorgenannten Abhandlung zählt zu den
strebsamsten jüngeren serbischen Forschern, Im Mai 1896
veröffentlichte er eine interessante anthropologische Mittheilung
‚Delo, I1T, 252 ff.) über das in Albanien und Montenegro bei
gewissen Krankheiten des Gehirns von ganz einfachen Leuten
mit kleinen Sägen geübte, allerdings der Mehrzahl der Patienten
das Leben kostende „Saronjanje“ (Trepaniren) und
wieder verpflichtet er uns zu Dank durch seine auf eigene
Studien, auf die Mittheilungen Vcx’s und anderer zuverlässiger
Beobachter gestützte Arbeit über „Alterthümliche Speisen
und Getränke bei den Serben“,
Im einleitenden Worte: „Vergangenheit des serbischen
Volkes“ betont Trosanovic, dass nach den alten
Liedern und Traditionen die schon frühzeitig mit Vorliebe
den Ackerbau treibenden Südslaven weit weniger als die
Griechen, Kelten und Germanen vom Fleische des erlegten
Wildes sich nährten. Der folgende Abschnitt II: „Töpferej
und Hauseinrichtung“ bietet einen übersichtlichen Abriss
der Entwicklung der Keramik bei den Südslaven. Ausgehend
vom getrockneten Kürbis, dem „Urmodell des Topfes“,
und den einfachen Holzgeräthen, welche heute noch im UZicer
„Zlatibor“ im Haushalte vorwiegen, glaubt der Autor, dass
die Töpferkunst durch Fremde auf serbischem Boden eingeführt
und lange Zeit auch betrieben wurde. Noch gegenwärtig gelte
sie im Umkreise des altserbischen Budimlje als entehrend,
deshalb werden dort Töpfe, Schüsseln u. s. w. ohne Anwendung
der Drehscheibe, ausschliesslich von Frauen mit der Hand
hergestellt; trotzdem zweifle er aber, dass die im bosnischen
Budmir ausgegrabenen prähistorischen ÖObjecte, mit an
griechisches Flechtwerk, Mäander u. s. w. mahnenden Verzierungen,
direct aus dem fernen Oriente importirt wurden:
dagegen sprächen ausser ihrer Fragilität die damals noch
schlechten Strassen u A. Trosanovic erinnert an die noch
heute üblichen Wanderungen von Meistern einzelner, in
manchen Gegenden mit hesonderem Geschicke hbetriehener
Handwerke in entfernte Länder; beispielsweise der Piroter
Töpfer nach Bosnien, der tüchtigen Häuserbauer und Zimmer-'eute
mit eigener Geheimsprache des bosnischen Osat (bei
Srebrnica) bis Constantinopel; ferner an die Berufung südlavischer
Filigranarbeiter durch Peter d. Gr. nach Russland
ınd schliesst daraus, dass derartige Beeinflussung der heimischen
Production durch fremde Lehrmeister auch auf
geute südslavischem Boden schon in Dprähistorischer Zeit
stattfand.
Wie in diesem Abschnitte liegt auch der Hauptwerth der
"olgenden: Haus und Herd; Aussaat, Ernte und Einbringen
des Getreides; Braten, Rösten und Mahlen
ler Cerealien; wovon und wie backen die Serben
JasBrot; welche Speisenwerdengebackenund wie;
7]leischrösten; Fleisch-Conservirung; Dämpfen
ınd Kochen mit erhitzten Steinen; verschiedene
Verwendung erhitzter Steine, grösstentheils im gut
»eobachteten und klar geschilderten Detail, das sich leider
hier, des uns zugetheilten knappen Raumes wegen, der brei-‚eren
Anführung entzieht. — Sehr interessant ist: XII. „Das
Zochen der Skythen, Serben und Zigeuner im
”"hiermagen (burag)“, Lıirrerr und auch andere Forscher
jezweifelten die von Hzronor berichtete Uebung der Skythen,
ıhre Nahrung, ohne Anwendung glühender Steine, im Magen
zeschlachteter Thiere zu bereiten; TvuoJAnovıc erhärtet aber
Jurch viele unanfechtbare Beweise, dass dieser Brauch sich
»is in die Gegenwart bei den macedonischen Haiduken und
selbst bei den im Felde stehenden Montenegrinern und Serjen,
wenn es an Kochgeschirr fehlt, erhalten hat. Sie kochen
auf diese Weise nicht nur eine sehr schmackhafte Suppe,
sondern auch Fleisch und Gemüse, und die Zigeuner bedienen
ich sogar eines und desselben Thiermagens durch mehrere
[age ohne jeden Nachtheil für die bereiteten Speisen. Sehr
ausführlich beschreibt der Autor auch das Kochen in rasch
selbstverfertigten Töpfen aus Baumrinde, das gleichfalls noch
heute von den serbischen Haiduken geübt wird.
In den Abschnitten „Bacije“ und „Beli smok“ schildert
Trosanovic auf 34 Seiten eingehend Sitte und Brauch
der seit altersher auf der Balkanhalbinsel eingebürgerten,
Milch und Käse produecirenden .Molkerei-Genossenschaften“