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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

— 107

werden, abgebildet haben. In Szt. Gaäl vertritt der
Rost die Stelle des Dreifusses. Es werden Reinen
auf ihn gestellt. Er führt auch den Namen, der dem
Dreifusse häufig beigelegt wird. nnd heisst „vasläb“
— Kisenfuss.
Der Hüter des serbischen Hauses, Mathias Persich,
sagte mir, dass diese Art von Rosten auch bei den
Serben des Torontaler Comitates im Gebrauche stehe,
Der Rost wird bei ihnen jedoch nicht als Dreifuss,
sondern wie in Oedenburg zum Braten von Fleisch
verwendet. Das Braten von Fleisch auf dem Roste
geschieht jedoch, wie mir Persich erzählte, auf eigene
Art. Man hat in seiner Gegend grosse, halbkugelförmige
 Topf- und Reinendeckel. Sie heissen „Zaklopacz“.
 Einer dieser Art war im serbischen Hause
des Ausstellungsdorfes vorhanden. Diese Deckel sind
aus Thon gefertigt und haben an der Basis einen
Durchmesser von 30—60 cm. Da sie eine Wandstärke
von 1‘, —2 cm haben, sind namentlich die grossen
Deckel sehr schwer und schwer zu handhaben. Die
grössten Deckel haben im Mantel daher zwei Löcher,
die sich gegenüberliegen. Durch diese zwei Löcher
kann eine Stange gesteckt werden und an dieser
Stange wird der Deckel durch zwei Personen von
links und rechts gehoben. Diese Deckel werden nun
auch zum Braten von Fleisch verwendet. Man stellt
einen derselben schräg auf und stützt ihn mit einem
Stabe. Nun wird unter dem Deckel ein Feuer angefacht
 und so lange geheizt, bis der Deckel heiss
wird Hierauf nimmt man die Gluth heraus und stellt
unter den Deckel den Rost, auf den das gesalzte
und gewürzte Fleisch gelegt wird. Der Stab wird
dann entfernt, so dass der Deckel jetzt vollkommen
auf der Herdsohle oder auch im Freien, im Hofe,
auf der Erde aufliegt. Die Gluth kommt nun auf
den Deckel. In seinem obersten Theil hat der Decke]
ain Loch, das mit. einem Stöpsel aus Lehm. zugestopft
 ist. Hebt man den Lehmpfropfen ab und es
strömt aus dem Loche weisser Dampf hervor, so ist
der Braten noch nicht gut. Erst wenn der Dampf
schön dunkelbraun kommt, so ist dies ein Zeichen
dafür, dass der Braten gar ist. Auf dieselbe Weise
werden unter dem „Zaklopacz“ auch einzelne Brote
gebacken. Sie werden aber nicht auf Roste gelegt.
Ich könnte nun noch lange von verschiedenen
interessanten Geräthen des Hauses, insbesondere
auch von solchen, die in der Landwirthschaft gebraucht
 werden, erzählen; dies würde aber zu weit
führen. Unerwähnt kann ich aber nicht lassen, dass
"ch den Gangelwagen. den ich aus Öberschützen

3d. XXV der „Mittheilungen der Anthropologischen
Gesellschaft in Wien“, S. 139, Fig. 218, abbildete,
in ganz gleicher Gestalt auch ım Palöczen-Hause
aus Kis-Hartyän antraf. Der Palöcze ist, wie es
scheint, von sehr findiger Natur. Im Gangelwagen
erleichtert er seinen Kindern die Kunst des Gehenernens.
 Dann verwendet er früher noch zwei andere
Geräthe, um den Kindern zuerst das Sitzen, dann
das Stehen zu lehren. Mir waren sie bis dahin
fremd. Die Vorrichtung, in der das Kind das Sitzen
lernt, nennt er „ülcsik“, wohl eine Verunstaltung
des Wortes „ülszek“ — Sitzstuhl.
Das andere Möbel, in dem das Kind das Stehen
‚ernt, nennt er „Iyukas sz6k“, zu deutsch: lochiger
Stuhl oder Lochstuhl. Es ist ein schemelartiges
eräth mit einem Loche in der Mitte, Vor dem
Kinde befindet sich in diesem Geräthe, das für das
Kind eigentlich mehr Tisch als Stuhl ist, eine ausyehöhlte
 Mulde, in die ihm Leckereien gegeben
werden, um ihm den Aufenthalt im „lyukas szek“
angenehm zu machen.
Ich will jetzt mit der kurzen Besprechung der
Lage, welche die Wirthschaftsgebäude in den verschiedenen
 Gegenden Ungarns zum Hause einnehmen,
zum Schlusse trachten. Hiebei kann ich leider kein
vollkommenes Bild bieten, da mehrere Häuser im
Dorfe standen, bei denen die Wirthschaftsgebäude
zänzlich fehlten, so bei den Häusern aus Metzenseifen,
 Schellenberg, Hetfalu, Czrepälya und Vinga.
und viele Häuser da waren, bei denen die Wirthschaftsgebäude
 nur zum Theile vorhanden gewesen.
Der Mangel an Raum liess die Ausstellungs-Jirection
 das Dorf leider nicht in der Vollkommenheit
 errichten, wie sie es wohl geplant haben mag
and in der es besonders dem Hausforscher zu sehen
arwünscht gewesen wäre. Der Raummangel verleitete
Jie massgebenden Faetoren bei der Aufstellung der
Wirthschaftsgebäude sogar zu Fehlern, die danach
ıngethan waren, einen wenig vorsichtigen Hausforscher
 eher zu Irrthümern als zur Wahrheit zu
°ühren. Auf einen solchen Fehler, der durch den
Mangel an Raum herbeigeführt wurde, habe ich bei
Jer Scheune des Szekler-Hauses schon hingewiesen.
(ch bin genöthigt, noch zwei solche Fehler aufzudecken.
 In der Hofstätte des Hauses aus Büd-Szt.
Mihäly lag das Wohnhaus in der linken vorderen
Ecke unmittelbar an der Strasse. Im Bretterzaune,
welcher den Hof gegen die Strasse abspeırte, öffnete
sich ein Pförtchen und das grosse KEinfahrtsthor
Zechts vom Thore lag innerhalb des Zaunes ein

gu
            
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