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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

106 —

Die Betten waren in die Ecken rechts und links
vom Tische gerückt... Diese Anordnung, welche von
der herkömmlichen Anordnung der Möbel im oberdeutschen
 Bauernhause abweicht, fand ich im
serbischen Hause aus Czrepälya, im bulgarischen
aus Vinga, in den rumänischen Häusern aus
Kornyere&va und Felsö-Szälläspatak und auch im
schwäbischen Hause aus Jecsa. In den Plan dieses
Hauses in Fig. 103 habe ich diese Anordnung der
Möbel eingezeichnet.
Bezüglich der Küchengeräthe kann ich nur sagen,
dass sie sich den offenen Herden, wie ich sie in
den meisten Häusern noch antraf, anbequemen. Sie
sind jedoch in spärlicherer Zahl vorhanden, als sonst
im oberdeutschen Hause. Die Bäuerinnen der verschiedenen
 Volksstämme Ungarns scheinen auch mit
weniger Behelfen, und zwar gut, wie man allgemein
weiss, kochen zu können.
Hängende Kessel fand ich über den Herden
nur in drei Häusern. Im rumänischen Hause aus
Kornyereva hing er an einer Kette von der Decke
der Küche. Im Hause aus Toroczkö schwebte er an
einem hölzernen Kesselträger, der mit Zähnen wie
eine Säge versehen war, an denen der Kessel höher
oder tiefer gehängt werden kann. Im Csäng6-Hause
aus Hetfalu war er an einem eisernen drehbaren
Kesselhälter von der Art angebracht, wie man ihn
in den Bauernhäusern der Alnenländer häufig begegnet.

Dreifüsse waren in allen Häusern auch nuı
drei vertreten, und zwar in der einfachsten drei:
eckigen Form in den Häusern aus Jäsz-Apäthi,
Szegvär und Kornyereva., Dass ich den Dreifuss nur
in diesen drei Häusern vorfand, hat seinen Grund
wohl darin, dass in Ungarn auch die Thongeschirre
— die, nebenbei bemerkt, auch heute noch eine bedeutendere
 Rolle spielen, als Geschirre aus Blech
oder Eisen — sehr häufig mit Beinen versehen sind.
die den Dreifuss überflüssig machen. ;
Feuerrösser sah ich nur zwei, und zwar eines
im Hause aus Toroczkö und das andere im Hause
aus Zebeczke, Das Feuerross aus Zebeczke hatte
eine häufig vorkommende Gestalt, dagegen ist mir
die Form des Feuerrosses aus Toroczkö sonst noch
nicht untergekommen. Es war 48 cm lang und 18 cm
hoch und hatte nur einen Bügel. Dieser endete in
eine wellenförmige Ausbiegung, welche zum Einlegen
des Bratspiesses diente, Ein solcher von ebenfalls
eigenartiger Form — es fehlt an demselben eine

Kurbel zum Drehen — war in der Küche des Hauses
aus Toroczkö ebenfalls vorhanden.
Bratpfannen waren in der Küche des Toroczköer
 Hauses zwei vorhanden, eine aus Eisen, die
ındere aus Thon. Wie mir der Hüter des Hauses,
Johann Klocza, sagte, wird in Toroczkö auch jetzt
ıoch häufig, besonders im Winter, am Spiess gebraten.
 Man bratet daran aber nicht nur Spannferkel
and Geflügel, sondern auch Schweinefleisch und
Würste.
Durch Umfragen bei den Hütern habe ich er-’ahren,
 dass das Feuerross über ganz Ungarn unter
‚erschiedenen Namen verbreitet gewesen sein muss.
n Toroczkö nennt man es „vasmacska“, zu deutsch
‚Eisenkatze“ oder „eiserne Katze“, Bei den Csängö
sommt es unter dem Namen „macska“ — „Katze“
noch vor, doch schon seltener. „Im Arader und
Torontaler Comitat kam es vor 45 Jahren noch
1äufig vor“, sagte mir der Hüter des serbischen
Tauses, Mathias Persich. Der Hüter des Maty6-Tauses
 kannte das Geräth unter dem Namen „vasläb“
= Eisenfuss. In der Gegend von Szegvär trifft man es
ı1och auf entlegenen Dörfern. Der Hüter des sächsischen
 Hauses erklärte mir, dass die Siebenbürger
Sachsen das Geräth noch gebrauchen. Es weise
verschiedene Formen auf. Die am häufigsten vorzommende
 Form sei jedoch jene ohne Bügel. Man
aenne das Geräth einfach das „Eisen zum Holz aufiegen“,
 In Metzenseifen heisst das Geräth „Feueraund“,

Bratspiesse fand ich in den Häusern des
sthnographischen Dorfes nur zwei vor, und zwar,
wie schon erwähnt, im deutschen Hause aus Metzenseifen
 und im magyarischen Hause aus Toroczkö6.
In Metzenseifen steht der Bratspiess nicht mehr in
Verwendung. Hölzerne Bratspiesse werden gebraucht
von den Matyö zum Braten des Speckes und in
Szt. Gaäl von den Hirten zum Braten von Fleisch.
Die hölzernen Spiesse erhalten keine Unterlage. Sie
werden mit der Hand frei über das Feuer gehalten.
Im Hause aus Szt. Gaäl sah ich einen Rost,
ler in seiner Form ähnlich war jenen Rosten, von
ienen einen Professor Dr. Merıneer in den „Mit-‘:heilungen
 der Anthropologischen Gesellschaft in
Wien“, Bd. XXI, S. 137, Fig. 161, aus Broderslorf
 und einen gleichen ich in den „Mittheilungen
ler Anthropologischen Gesellschaft in Wien“, Bd. XXV,
5. 131, Fig. 199, aus Wandorf, die dort und in
den um Oedenburg liegenden Dörfern „Pöllas’nrost“,
in Oedenburg selhst aber „Rostbratenrost“ genannt
            
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