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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

— 105 —

Jieselbe Andreas Varga, der Hüter des Hauses aus
Szegvär, geschildert hat. Man mischt dort in den
Lehmteig Pferdemist, der vorher fein verrieben
werden muss. Der Zusatz des Pferdemistes, versicherte
 mir mein Gewährsmann, bewirke, dass der
Lehm zäh werde, sich, nachdem er festgestampft
worden ist, schön glatt reiben lasse und nicht reisse,
d. h. Sprünge erhalte,
Hier will ich auch eine interessante Mittheilung
des Hüters aus dem Hause von Jäsz-Apäthi einschalten,
 die mich lebhaft an die eben mitgetheilte
Klarstellung erinnerte und die mit dieser erkennen
lässt, wie wenig mancherorts das Gefühl für Reinlichkeit
 oder die Scheu vor Ekelerregendem im
Volke ausgebildet ist. Blasius Nagy, der nicht selbst
aus Jäsz-Apäthi, sondern aus Jäsz-Ärokszälläs war,
sagte mir nämlich, dass man die Küche in seiner
Heimat gewöhnlich nicht einfach weiss tünche,
sondern sie entweder blau, gelb oder sehr häufig
zrün färbe. Will man nun die Küche grün haben,
30 mischt man einfach unter den weissen Thonbrei
etwas Kuhmist (marhaganaj) und bestreicht dann
Jamit die Wände der Küche. Lächelnd meinte er,
das sehe so gut aus, dass man gar nicht glauben
würde, dass die grüne Farbe vom Kuhmist komme.
Der einfachen Ausstattung des Hauses gleicht
nun an Einfachheit fast durchwegs auch die Einrichtung
 der Zimmer, War in der Regel schon das
vordere Zimmer, das mir häufig als „Visitzimmer“
oder „parädi-szoba“ bezeichnet wurde, höchst einfach
ausgestattet, so war das zweite Zimmer, die eigentliche
Wohnstube, oft geradezu ärmlich eingerichtet und
glich, wie im Palöczen-Hause aus Kis-Hartyän, eher
einer Gerümpelkammer als einem Wohnraume.
Den grössten Schmuck des vorderen Zimmers
oilden in der Regel die Betten. Je höher gethürmt
mit Polstern und Tuchenten sie sind, desto stolzer
blickt die Hausfrau auf sie. Von den vielen Betten,
die in der That bis zum Plafond gethürmt waren,
nabe ich leider nur eines, das aus dem Matyo-Hause,
skizzirt. Im Jäsz-Apäthier Hause stand ein Himmelvett,
 das ebenfalls bis an den „Himmel“ hinan vollgethürmt
 war.
Einen eigenartigen Zimmerschmuck fand ich in
Häusern aus Gegenden, in denen die Weberei als
Hausindustrie betrieben wird. Man hängt dort, wie
dies z. B. im Csängö-Hause aus Hetfalu der Fall war,
die selbstgewebten Tücher und Teppiche an die
Wände.
Mittheilungen d. Anthrop. Gesellsch. in Wien. Bd. XXVI. 1897.

Der gebräuchlichste und fast in keinem Hause
“"ehlende Schmuck der Wände waren die vielen bunten
Teller, die oft zu Dutzenden entweder, wie dies in
Küchen und Vorhäusern zumeist zu sehen war, frei
an der Wand hingen oder in den Stuben in Tellergestellen
 standen.
Die Tellergestelle hatten fast durchwegs die Form
Jer heanzischen „Schüsselrem“, in der Gegend von
Oedenburg und auch anderwärts „Zinnas’n“ genannt,
wie ich sie Bd. XXV der „Mittheilungen der
Anthropologischen Gesellschaft in Wien“, S. 138,
zus Überschützen abgebildet habe. Dieses Möbelstück
ist, soweit ich nach dem im Ausstellungsdorfe Gesehenen
 schliessen kann, in ganz Ungarn, wie schon
zesagt, in gleicher Form vertreten.
Neben der „Tellerrem“ tritt auch der von
Prof. Merıneer Bd. XXIII der „Mittheilungen der
Anthropologischen Gesellschaft in Wien“, S. 152,
us Schloss Röthelstein bei Admont abgebildete
„Schüsselkorb“ in vielen Gegenden auf. Ich übersah
as leider, mir die Häuser zu notiren, in denen ich
'hn antraf, obwohl ich einzelne interessante Formen
lieses Geräthes skizzirt habe.
Angebracht ist nun die Rem in den verschiedenen
Täusern aber nicht nur an verschiedenen Orten,
sondern auch in verschiedener Weise. Zumeist fand
ch sie wohl in den Stuben, oft aber auch in den
Vorhäusern und selbst in einzelnen Küchen.
In den Wohnstuben der Häuser aus Schellenberg
ınd Hetfalu zogen sich die Tellergestelle an allen
vier Wänden rund herum. In den Häusern aus
Kalotaszeg und Toroczkö sah ich sie an jenen zwei
Wänden, welche die Ecke bilden, in der nach
>berdeutscher Art gewöhnlich der Tisch steht. Im
Jetzenseifener Hause war sie über den beiden
Tenstern angebracht, die gegen den Hof schauen.
\n der hofseitigen Wand war sie auch im vorderen
Zimmer des Hauses aus Szegvär angebracht. Im
ılnteren Zimmer desselben Hauses hing sie an der
Wand, die der Küche zugekehrt war. Im Hause aus
Szököly war sie über den Fenstern der vassenseitigen
Wand befestigt.
In Bezug auf die Anordnung der anderen Möbel
N den Stuben fiel mir auf, dass in den Häusern,
lie aus dem südlichsten Theile Ungarns stammten,
ler Tisch nicht jene Ecke einnahm, welche die
yassenseitige Wand mit der hofseitigen bildete. Er
stand vor der Mitte der gassenseitigen Wand. Hinter
lem Tische stand dann an der Wand eine Bank
ınd rechts und links daran auch Bänke oder Stühle.
            
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