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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

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hier in zwei Theile getheilt, den rückwärtigen Theil
nimmt jedoch eine Kammer ein, während den vorderen
Theil ein nach vorne offener Vorraum ausfüllt. Eı
heisst „eresz“, zu deutsch: Traufe. An den mittleren
Theil schliessen sich nach vorne und nach rückwärts
je ein Raum an. Ich sage, je ein Raum, da im
vorderen Theile die Untertheilung wie im siebenbürgisch-sächsischen
 Hause wieder keine vollkommen
durchgeführte ist. Die offene, durch keine Thüre zu
schliessende Verbindung ist hier noch grösser als dort.
Von besonderer Wichtigkeit ist nun wieder deı
Name, der diesen beiden Räumen beigelegt‘ wird
Der Sz6kler benennt die Stuben nicht, wie es sonst
im ganzen Lande bei den Magyaren üblich ist,
mit szoba = Zimmer oder Stube, sondern mit
„häz“ — Haus. Die vordere Stube nennt er „nagy
häiz“ = grosses Haus, die rückwärts liegende dagegen
 „kis häz“ — kleines Haus.
Die vordere Stube wird nur benützt, wenn Gäste
in’s Haus kommen. Die rückwärtige Stube ist die
Wohnstube.
Ich habe vorher erwähnt, dass das dritte Gebäude
auf der Szekler-Hofstätte den Namen „Sommerküche“
 führt. Aus dem Namen geht hervor, dass
im Winter dortselbst nicht gekocht wird. So ist es
nun auch. Da nun im Hause selbst eine Küche fehlt,
so ist der Sz6kler gezwungen, im Winter in der
Wohnstube zu kochen. Wir treffen also im äussersten
Osten von Siebenbürgen wieder dieselben primitiven
Verhältnisse, wie in unseren Alpenländern. Trotzdem
sinkt die Wohnstube des Sz6klers nicht zur russigen
und qualmenden Rauchstube herab, wie die Wohnstube
 des Bauern in den Österreichischen Alpenländern.
 Dies dankt er seinem Herd, der, wenn in
demselben das Feuer auch offen lodert, doch um
Vieles praktischer ist, als der primitive Herd
beispielsweise des Bauern in der Gegend von Vorau,
wo ich ihn im verflossenen Sommer fast in jedem
Bauernhause antraf.
Ich habe den Herd aus dem Szekler-Hause in
meiner Arbeit: über „Herde und Oefen“ besprochen
und in Fig. 5 abgebildet. Der Sz6kler verdankt
es in der That seinem Herd, dass seine Stube keine
Rauchstube ist, Der Rauch wird nämlich durch
einen Kachelaufbau über der Feuerstelle aufgefangen
und dann durch einen Schlot abgeleitet. Vor Zeiten
wird freilich auch das Szekler-Haus ein Rauchhaus
gewesen sein, Damals wird das Haus des Szeklers
auch noch nicht aus einem „nagy häz“ und einem
„kis häz“ bestanden sein. sondern die einzige Stube

nit dem vorgelegten „eresz“ wird sein ganzes Umınd-Auf,
 in der That also sein häz, sein Haus gebildet
 haben.
Ich glaube, das Szekler-Haus in der Ausgestaltung,
wie ich es im Ausstellungsdorfe gefunden und wie
ich es beschrieben, bietet einen werthvollen Beitrag
zur Klarstellung der Entwicklungsgeschichte des
oberdeutschen Hauses,
Was nämlich der Szekler „eresz“ — Traufe nennt,
ist offenbar die Laube des oberdeutschen Hauses.
Der „eresz“ bildet doch am Szekler-Hause auch heute
noch eine offene freie Laube. Ehemals dürfte sie
Jurch das ganze Haus gegangen, resp. wenn dasselbe
 nur aus einer Stube bestanden ist, dem ganzen
Tause vorgelegt gewesen sein, ähnlich wie der
;hemalige Stall im Vereczkeer ruthenischen Hause
lem einzigen Wohnraume jenes Hauses, der zugleich
Koch- und Schlafraum, vorgelegt ist. Dort ist dieser
Raum bereits geschlossen und diente, wie gesagt,
ıoch vor ganz kurzer Zeit als Stall. Zu Anfang
Jürfte er nur überdacht und nur theilweise geschlossen
 gewesen sein und wahrscheinlich dem Vieh
als Unterstandsort gedient haben, wie dies in meiner
>berkärntnerischen Heimat bei Sennhütten in ganz
analoger Weise auch heute noch der Fall ist
Ich hoffe, es werden sich diese Annahmen durch
lie eingehende Erforschung des Sz6kler-Hauses, wenn
dabei auch die primitivsten Wohnverhältnisse, Hirtenund
 Holzfällerwohnungen, mit in Betracht gezogen
werden, als Thatsachen bewahrheiten und dann in
der That neue Lichtstrahlen in die Entwicklungsgeschichte
 des oherdeutschen Hauses werfen.

Nachdem ich über das Wesentlichste aller Häuser
des ethnographischen Dorfes, nämlich vor Allem über
hre Grundrisse gesprochen habe, will ich zum Schlusse
in nur ganz skizzenhafter Weise noch Einiges im
\llgemeinen über das Aeussere der Häuser, über die
innere Ausstattung derselben, über einzelne Hausgeräthe
 und schliesslich über die Wirthschaftsgebäude,
lie ich bei den einzelnen Häusern antraf, sagen,
Es werden sich daraus Schlüsse von nicht geringer
Zedeutung ziehen lassen,
In Bezug auf das Material, aus denen die Häuser
m Ausstellungsdorfe errichtet waren, habe ich bei
äUnzelnen Häusern bereits Erwähnung gethan. Ich
stelle nun vorerst alle Häuser des ethnographischen
Dorfes nach dem Material, aus dem sie erbaut waren.
in Gruppen zusammen.
            
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