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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

— 100 —

Gegen die Strasse zu liegt die „gute Stub’“ Z,,
dann folgen Küche KX und Vorhaus V, welch? letzteres
durch einen wagrechten Balken von der Küche abgetrennt
 ist. Dann folgt die „hintere Stub’“ Z,. Die
vordere Stube hat selten einen Lehmboden, dagegen
haben die hintere Stube, Küche und Vorhaus selten
Bretterböden.
Die beiden Stuben sind fast ganz gleich einzerichtet.
 Da wie dort sehen wir in den beiden
innersten Ecken die Betten stehen. Zwischen den
Betten steht der Tisch, hinter dem Tische an der
Wand eine Commode und darüber Hausaltäre. Nahe
der Thüre, an der hofseitigen Wand, erblicken wir
in beiden Zimmern eine Truhe. Gegenüber der Truhe
steht im vorderen Zimmer ein Schränkchen mit einer
Stellage für Gläser. Dieses fehlt im hinteren Zimmer.
Ferner vertreten im hinteren Zimmer die Stelle deı
vier Stühle, die im vorderen Zimmer an beiden
Seiten des Tisches vertheilt stehen, zwei Lehnbänke
und den eisernen Kanonenofen des vorderen Zimmers
ersetzt im hinteren Zimmer ein Kachelofen.
In Bezug auf die Küche sagte mir Jakob Gutekunst,
 dass er sie in seinem Dorfe nie so ausgestattet
traf, wie er sie im Hause des Ausstellungsdorfes
eingerichtet vorfand. Hier stand nämlich in deı
linken vorderen Ecke der Küche ein eingemauerter
Kessel K und an diesen schloss eine gemauerte
Bank H, B an. Der Herd H aber stand von drei
Seiten frei an der rückwärtigen Wand der Küche.
So sah er es nie.
Gewöhnlich steht der Herd (H,) dort, wo sich
der Kessel eingemauert fand. (S. Fig. 103 links
oben.) In der vorderen rechten Ecke steht oft ein
zweiter Herd (H,) und immer dann, wenn zwei
Familien im Hause leben. An der hinteren Wand
steht eine lange Stellage S für das Küchengeschirr
und über derselben hängen zum Schmucke der Küche
Teller an der Wand.
Im Vorhause stehen links vom Eingange in der
Ecke eine Wasserbank W. B und rechts ein Küchenkasten
 K. K.
An die Wohnräume schliessen sich die Wirthschaftsräume
 an. Neben dem Fenster der hinteren
Stube öffneten sich zwei eng aneinander liegende
Thüren. Die eine führte in eine Speisekammer, die
andere über eine Stiege hinab in den Keller. Gutekunst
 gab mir diese Anordnung auch als unrichtig
an. Es sei, theilte er mir mit, an dieser Stelle stets
nur eine Thüre, die in die Speisekammer führe.
Aus der Speisekammer selbst leite dann die Keller.

stiege hinab. An die Speisekammer reiht sich noch
ler Stall für die Pferde an.
Bei älteren Häusern, sagte mir Gutekunst, laufe
der Säulengang stets durch, so wie es der Plan
Fig. 103 zeigt; bei neueren Häusern dagegen trete
der Pferdestall in der Breite des Ganges vor.
Nicht unerwähnt darf bleiben, dass alle Räume
von der guten Stube bis in den Pferdestall im
Inneren des Hauses durch Thüren in Verbindung
stehen.
Abgesondert vom Hause lag quer gebaut noch
ein Gebäude, das einen Kuhstall und einen Wagenschuppen
 enthielt.
Zu einem grösseren schwäbischen Bauernhause
gehört nun noch ein „Kleinhaus“. Es besteht aus
ainer Stube, aus Vorhaus und Küche und einer
Kammer. Vorhaus, Küche und Stube sind in ganz
zleicher Weise eingerichtet, wie die entsprechenden
zäume des Wohnhauses, nur vertritt die Stelle des
Kachel- resp. Kanonenofens ein aus kleinen Ziegelstücken
 und Lehm aufgebauter kegelstumpfförmiger
fon, wie ich einen solchen in meiner Arbeit über
‚Herde und Oefen“, S. 28 ff., beschrieben habe. Dieser
Ofen war mit einer Ofenbank umgeben. Gutekunst
bezeichnete mir auch dies als‘ einen Fehler. Die
Jfenbank fehlt nämlich im schwäbischen Hause
Jöcsas stets. Es sei dies serbischer Brauch.
Die beiden Fenster in der Giebelwand des Klein-1auses
 lagen sehr eng beisammen, wie dies aus dem
Grundrisse ersichtlich ist. Auch dies sei falsch, sagte
mir Gutekunst, denn zwischen den Fenstern hätte
ja kein Altar Platz, der in keinem Zimmer fehlt.
Im Kleinhause leben die Alten im „Ausbehalt“,
Nun bliebe mir noch übrig, über das vierte im
Ausstellungsdorfe vertreten gewesene deutsche Haus,
über das siebenbürgisch-sächsische, zu sprechen. Ich
kann mich dessen jedoch entheben, da in einem
kleinen, 40 Seiten umfassenden Werkchen: „Der
siebenbürgisch-sächsische Bauernhof und seine Bewohner“
 (erschienen bei Jos. DrorLerr in Hermannstadt
 1896) ein gleiches Haus wie das, welches im
sthnographischen Dorfe stand, von Professor Gusrav
SCHULLERUS besser beschrieben ist, als ich es nach
lem einen Objecte und bei dem wenig freundlichen
Entgegenkommen, das mir der Hüter des sächsischen
 Hauses bewies, zu beschreiben im Stande gewesen
 wäre.
Ich will nun das einzige noch übrige Haus des
\usstellungsdorfes, von dessen Plan noch nicht die
Rede war, der mir aber der interessanteste gewesen.
            
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