38
ebensolchen, grünen gerippten Kacheln, wie sie der
Kachelofen zeigt, bekleidet ist. Er wurde mir „Kochofen“
genannt. Auf meine Frage, ob solche Kochöfen
in den Häusern noch vorkommen oder noch im
Gebrauche stehen, antwortete mir der Hüter, der
27 Jahre alt war: „Ich weiss mich schon gar nicht
mehr daran zu erinnern.“
Ich halte dafür, dass dieser kleine Kamin wohl
nie als Ofen zum Kochen, sondern wahrscheinlich
als „Kienleuchte“ gedient haben wird.
In der neben dem Visitzimmer liegenden „Schlafkammer“
sah ich sonst gar nichts untergebracht. als
zwei Betten.
Auch die hintere Stube zeigte nur eine spärliche
Einrichtung. Ausser den stabilen Bänken und dem
Tisch finden wir hier ein Bett, eine Kleidertruhe
and einen kleinen Sparherd.,
Ich fragte den Hüter des Hauses, ob denn sonst
nichts in den Zimmern zu sein pflege?
Seine Antwort war die: „Nach altfränkischem
Gebrauch ist sonst nichts:in den Zimmern.“
Der Sparherd ist natürlich ein neuerer Eindringling.
Früher wurde in der Küche, und zwar
Dei offenem Herdfeuer gekocht. Von einem offenen
Herde der landläufigen Formen findet man jedoch
keine Spur in der Küche, dafür aber gewahrte ich
neben dem grossen, ja unförmlichen Backofen ein
Arrangement von Küchengeräthen, von denen eines,
ein Bratspiess, unzweifelhaft auf das ehemalige Vorhandensein
eines offenen Herdes schliessen liess.
Ich holte den Hüter zu Rathe. Er erklärte mir
nun die Construction des Backofens. Der Backofen
ist aus gebrannten Ziegeln erbaut. Er bestand aus
einem Sockel, dessen Länge 2:03 m, dessen Tiefe
2:01 m und dessen Höhe 0:76 m betrug. Auf diesem
Sockel erhob sich nun das prismatische Mittelstück
von 0°98 m Höhe und dieses schloss ab mit einem
pyramiden - stumpfförmigen Obertheil von 0:42 m
Höhe. Der eigentliche Ofen ist so auf den Sockel
aufgesetzt, dass links ein schmälerer, vorne ein
breiterer flacher Rand des Sockels vorsprang. Der
vordere Rand mass 039 m in der Breite. Er wird
„Vorriss“ genannt. „Auf diesem Vorriss wird vor dem
Ofenloch in Häusern, wo man keine Sparherde hat,
gekocht.“ So erklärte mir der Hüter. Das war also
der offene Herd. Er erinnerte lebhaft an den Herd
aus dem ruthenischen Hause.
In der Ecke neben dem Backofen fehlte, wie mir
der Hüter sagte, die „Kesselmauer“ mit dem Kessel.
welcher stets zur Ausstattung der Küche gehört. In
ler hintersten Ecke der Küche war eine niedere,
ıur 0°20 m hohe, schemelartige Wasserbank, auf der
kannenförmige Wassergefässe aus Holz standen.
Das Arrangement der Küchengeräthe, von dem
‘ch oben sprach und das an eine analoge Zusammenstellung
ähnlicher Geräthe aus Wandorf bei Oedenyurg
gemahnt, die ich Bd. XXV der „Mittheilungen .
Jer Anthropologischen Gesellschaft in Wien“, S. 181,
Fig. 199, abgebildet habe, will ich nun auch noch
vesprechen.
Oben hängen vier „Kuchenbleche“ mit ganz
ılederen gewellten Rändern. Dann sah ich da zwei
‚Hackbeile zum Hacken von Saufutter“, dann zwei
„Schaumlöffel zum Abheben des Schaumes, wenn
z. B. Fleisch gesotten wird“, weiter eine „Fleischzabel“,
ferner einen „Schöpflöffel“ und schliesslich
ainen „Siedlöffel zum Abseihen der Nockerle“, Die
Siedlöffel, der Schöpflöffel und die Schaumlöffel waren
jeder aus einem einzigen Stück Eisen geschmicdet,
Unten war noch ein Bratspiess von 1:4 m Länge an
ler Wand befestigt, hinter dem zwei „Blechstürze“
und ein eigenartig geformtes „Hackmesser zum Zer-1acken
von Fleisch und Leber“ steckten.
In Metzenseifen kommt, wie mir der Hüter sagte,
las Feuerross auch vor. Es führt dort den Namen
„Feuerhund“. Man trifft es aber nur mehr selten,
weil die offenen Herde schwinden, und nur in ein-'acher
Form mit Bügeln ohne die charakteristischen
Hörner und ohne Haken,
In der Kammer, die neben der hinteren Stube
iegt und die kein Fenster hat, weil an sie doch die
‚Hofkammer“ sich anschliesst, fand ich zwei Kleiderruhen
und eine viertheilige Mehltruhe. Oberhalb a
waren Nägel zum Aufhängen von Kleidern in die
Wand geschlagen. Bei b war ein Verschlag für Erdipfel
aus Brettern errichtet, Auch stand in der Kammer
3in „Knetstuhl“ und darauf lag ein Backtrog. Beide
Geräthe glichen vollkommen dem Backtrog und
Schragen, den ich Bd. XXV der „Mittheilungen der
Anthropologischen Gesellschaft in Wien“, S. 144,
Fig. 229, aus Oberschützen abgebildet habe. In der
Kammer sah ich schliesslich auch noch einige nicht
ıninteressante Geräthe. Es waren dies eine eigenartige
„Brotwiege für sechs Laibe“, die von der
Decke der Kammer herabhing, und mehrere „Brottrög’1“
oder „Simperle“, von denen besonders die
interessant waren, von denen zwei durch einen Stiel
mit einander verbunden und aus einem Stück Holz
gefertigt waren. Der verbindende Stiel diene als