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Vorzimmers, dessen mangelhafte Ausstattung — ich
sah darin nichts als eine Bank, auf der einige Wassergefässe
standen — auf den ersten Blick errathen liess.
dass dieser Raum ehedem einem anderen Zwecke
gedient haben musste. Von diesem Raume aus betritt
man den einzigen Wohnraum des Hauses, denn der
Iritte Raum kann, streng genommen, nicht als Wohnraum
betrachtet werden, da es eine Vorrathskammer
ist, die nicht mit dem Wohnraume in Verbindung
steht, sondern eine gesonderte Eingangsthüre hat,
die vom Gange aus betreten wird, der sich vor allen
Jrei Räumen des Hauses hinzieht. .
Ich nannte den mittleren Raum den „einzigen“
Wohnraum des Hauses, denn schlechterdings kann der
erste, der dem Wohnraume heute als Vorzimmer vorgelagert
ist, auch nicht als Wohnraum betrachtet werden.
Dafür spricht nicht nur seine heutige primitive
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Fig. 96. Plan des ruthenischen Hauses aus Vereczke.
Ausstattung, sondern noch mehr die Bestimmung, die
er noch in der Jüngsten Vergangenheit hatte. Damals
war es wohl ein Wohnraum, jedoch nicht für den
Menschen, sondern für das liebe Vieh; es war ein
Stall bis vor acht Jahren, bis der Stuhlrichter, wie
mir der Hüter des Hauses sagte, den Befehl ergehen
liess, dass diese Ställe aus Gesundheitsrücksichten
aus dem Wohnhause, aus der unmittelbaren Nachbarschaft
der Wohnstube in besondere Gebäude verlegt
werden müssen.
Nehmen wir das ruthenische Haus aus Vereczke,
wie es noch vor acht Jahren war, so haben wir das
primitivste Haus nicht nur aus dem Budapester Ausstellungsdorfe,
sondern überhaupt die primitivste
Form des oberdeutschen Hauses vor uns.
Primitiv wie das Haus selbst, ist auch die Ausstattung
des einzigen Wohnraumes. Er hat, wie der
ehemalige Stall und die Vorrathskammer, einen Lehmfussboden.
An zwei Wänden entlang laufen stabile
Sitzbänke, In der Ecke, welche durch die beiden
3Zänke gebildet wird, steht ein primitiver Tisch mit
verschränkten Beinen. Ein Bett steht an der dem
dofe zugewandten Bank und-davor eine Bank ohne
‚ehne. Ein zweites Bett steht an der hinteren Wand.
Jas ist das Ehebett, denn darüber hängt von der
Decke herab, an Stricken befestigt, eine aus der
Tälfte eines Baumstammes gefertigte muldenförmige
Wiege. Die Stube ist Koch-, Wohn- und Arbeits-‚aum
zugleich. In der Ecke links von der Eingangs-"hüre
steht der Ofen. Er ist von einer Ofenbank
ımgeben und dient nicht nur zum Erwärmen der
Stube, sondern auch zum Kochen.!) Der Rauch
strömt aus dem OÖfenloche, durch das geheizt wird,
1ervor und wird durch einen darüber hängenden
Zauchfang aufgefangen und kurzen Weges nur durch
die Stubenwand in das Vorhaus, den ehemaligen
Stall, abgeleitet. Von diesem Raume ist nur die
vordere und die linke hintere Hälfte gedeckt. Die
ıintere rechte Hälfte ist offen gelassen, damit dort
der Rauch in den Dachraum des Hauses entweichen
kann.
Bemerkenswerth ist ferner, dass dieses Haus das
einzige im Ausstellungsdorfe war, welches Fenster
in zwei sich gegenüberliegenden Wänden hatte. Sie
hatten die Form liegender Rechtecke und waren zu
schieben. Die Hausthüre war durch ein hölzernes
Schloss zu schliessen von der Form, wie sie Professor
Dr. Kaınpr. Bd. XXVI der „Mittheilungen der Anthropologischen
Gesellschaft in Wien“, S. 151, Fig. 221
ınd 222, aus dem Hause der Huzulen, der Gebirgsuthenen
der Bukowina, bekanntgemacht hat und
vie ich sie, ganz gleich, vor zwei Jahren in mehreren
ler Altersberger Sennhütten im Lieserthale Oherzärntens
gefunden habe,
Ein hölzernes Schloss, das in seiner Form dem
in Rede stehenden ähnlich ist und im Principe für
zleich gehalten werden kann, hat noch früher Herr
7rofessor Dr. MerıxererR aus Ober-Lupitsch bei Alt-Aussee
im Bd. XXI der „Mittheilungen der Anthropologischen
Gesellschaft in Wien“. S. 125. Fig. 144
and 145, abgebildet.
Dieselbe Dreitheilung im Grundrisse der Wohn-"äume
zeigen elf” weitere Häuser, ‘doch weisen sie
aıne nicht unwesentliche Weiterentwicklung auf, die
darin besteht, dass der Mittelraum in zwei Theile
veschieden ist. wovon der eine, der durch die Haus-1)
Die Abbildung siehe in meiner Arbeit „Herde und
Jefen ete.“ in der „Zeitschrift des Vereines für Volkskunde“,
1897. Taf. I. Fig. 8