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geklagt über den Mangel an Arbeitskräften, weil die
Tagelöhner und Arbeiter beim Strassenbau und sonstwie
so hohe Arbeitslöhne erhalten, wie sie die Bauern
nicht mehr zahlen können, weil sie zu wenig verdienen.
Die gesammte Wirthschaft, hier das Lehen, hat
18 Tagewerk, dazu in derselben Breite Wald, den
Wald die Berge hinauf in breitem Streifen bis an’s
steile Hochgebirge ‘); doch ist der Waldbesitz bei den
einzelnen Bauern verschieden. 12 Tagewerk sind
Ackergrund, die übrigen 6 Tagewerk Gschnoad,
d. h. bestehen aus oamadigen (einmadigen) Wiesen,
Die 12 Tagewerk nun bestehen aus Wiesen und einem
Theil Acker. Es wird nämlich alle Jahre ein Stück
von den Wiesen umgepflügt, darauf gesäet und geeggt.
Dann ist das Landstück ein Jahr Acker und bleibt
danach zwei Jahre als Wiese liegen?). Nach dem
Pflügen werden jedesmal die Steine abgesucht, die
immer von Neuem zum Vorschein kommen, „weil sie
der Regen auswühlt“. Man baut Weizen, Haber,
Winta-®) und Summakorn (Roggen) *), wenig
Kartoffeln, ferner saures Kraut (Weisskohl), Hor
(Har = Flachs) und weisse wie rothe Ruben;
die Ruben theils zum Essen, theils als Futter für
Sau und Rindyvieh.
Das Korn wird mit der Sichl geschnitten —
früher hatte man Sicheln mit Zähnen —, gleich in
Garben gebunden und dann Schober macht, d. h.
die Korngarben (Bunde) werden auf Hüfen, „Hifön“,
mannshohen Fichtenstangen mit abgekürzten Quer-1)
In gewöhnlichem Sinne zu reden,
2) Dreifelderwirthschaft mit brachliegenden Acker
flächen war in der Mark Brandenburg noch bis zur „Separation“
üblich. Tacitus Germ. 26: arva per annos mutant et
zuperest ager (Ackerland liegt brach, Vgl. meine „Dreifelderwirthschaft“
in der Brandenburgia, 1896.
8) Man sagt hier: Frühling (Auswärts unbekannt!) und
Herbst, anderwärts in Oberbaiern Hürgscht, Hirschf.
Wochentage am Hintersee: „Motog, Justog, Miucha, Pfinstog,
Freitog, Somstog, Suntog“, anderwärts in Oberbaiern gehört:
Moda, Irta, Irte — vereinzelt im Volke erklärt als Erde
— Aftamente (Dienstag); Miga, Micka, Mickta, Mickte,
Mickti, Pfinsta, Pfingsta (auch Pfennesda?); Freita;
Samsta; Sunta; in Mähren (Urspitz, Gegend von Brünn)
Iri, Pfinsti. Tacitus sagt: Germania II: nec dierum numerum,
ut nos, sed noctium computant (zählen nach Nächten).
Eine Art Zeitbestimmung nach der Nacht findet sich noch in
Oberbaiern (z. B. Dachau). Man sagt nacht für gestern, vOornacht
statt vorgestern, gleichgiltig, um welche Tageszeit es
sich handelt. Volksreim: „Das Bier ist so theier, das Brot
ist so kloan, nacht hobe ma a Fleisch kauft. is a lauta
Boa“ (Bein, Knochen).
4) Korn hier wie in Norddeutschland schlechthin gesagt
für Roggen.
isten (ähnlich wie in Norwegen), gelegt zum Trocknen,
xeil die Berge regenreich sind, und dann in das
Droatkor bracht. Das Korn wird auf Wassermühlen
ausgemahlen, Handmühlen im Hause gibt es
aicht. Das Heu, nachdem es gemäht und trocken
zeworden, ebenso wie Grumet, wird entweder
mit Pferd und Wagen nach der Scheune gefahren
der von den Buam, Buabn (Buben) in einem
waabtuch, „Labtua“ (Laubtuch), oder auch in
aabnetzen, als grosses Bund, Foascht (69),
jergab nach Hause getragen. ;
Weil zwischen dem Hoa Unkraut, besonders viel
Kleeseide oder Grind (Cuscuta epilinum?) ')
wächst, muss er gäden werden. Bei der Ernte
wird der Hor ausgezogen und Schober macht.
Jann wird der Har gedroschen, zum Bloachn auf
jen Acker gebreitet, dann in der Bodstum brochn,
lJann kachelt, „ghachöt“ (gehechelt), mit der
Iechel (32) und das Wer (Werch) daneben
schmissen., Nun wird gesponnen. Früher gingen
lie Diandl in D’roas, die Roas”) (Reise), hier
‚usammen, zum Theil auch jetzt noch. Da, in den
Spinngesellschaften, werden Lieder gesungen und
Spiele gespielt, z. B. Schneider leih ma „d’Scha“
Scheere); Nachbarn vertauschen, dabei
schlägt einer dem anderen mit einer Plue, „Ploö“,
änem zum Knoten an einem Ende gebundenen Sackuch;
blinde Nodeln fanga; Katzl und
Mausl fanga; Sternguckn; Hobar verkafn
a. A. Dann kommt der Weber. Aus der Leinwand
macht man die Pfoad (Hemdn) ®), Hand- und Tischsücher,
Leilach (Bettlaken). Beiläufig bemerkt,
rauchen die Weber Gamskrukn, Gemsenhörner,
ım die Schutz (Weberschiffchen) aufzuheben, wenn
sie ihnen auf den Boden fällt. Dazu stecken sie die
zusgehöhlte Gamskruck“*) auf einen Stock und
langen damit herauf. Reibbein (vergl. Zeitschr. f.
Ethn. Verh. 1893, 281) nennen die Schuster in
Berchtesgaden einen Rehknochen vom Bein, Lauf,
mit zwei Gelenkenden, um die Sohle am Stiefel glatt
zu reiben, Glättbein eine grosse Rıppe, vom Rind
oder derlei, um das Oherleder von der Sohle ahzudrücken.
ı) ScheLLER: Der Grind, Grint ... die cuscuta europaea.
2) D’Roas ist ein feststehender Ausdruck für Spinnbesuch.
Spinngesellschaft, Spinnte.
3) SonmeLLER: Die Pfait (Pfaik), Rock, Mannsrock, Rock
von Loden. — In der Lausitz heisst wendisch koSula Frauenrock
und — anderwärts ebenda — Hemde.
4) Ueber Bockhörndl als Tuten zum Blasen am Sonnwendstag
vergl. Zeitschr. f. Ethn. Verh, 1893, 22.