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Den Indianern der Prairien sind die Eingeweide
der Vögel und Säugethiere ein besonderer
Leckerbissen ; kleinere Thiere werden roh und noch bei
Lebenswärme verspeist. Die Eingeweide eines eben
geschlachteten Ochsen werden nach oberflächlicher
Entleerung mit grösstem Behagen genossen. Leidei
der Indianer Hunger, so verspeisst er Alles —
Schlangen, Eidechsen, Kröten und bisweilen sogaı
Aasvögel. Ein Stinkthier ist ungeachtet seines ent
setzlichen Saftes eine grosse Delicatesse. Warmes
oder geronnenes Blut wird gierig verschlungen.
„Nichts kann so schmutzig und ekelhaft sein, dass
der alles: verschlingende Appetit des Indianers es
verschmähen würde, Nur einige wenige Säugethiere
oder Vögel‘ werden in Folge von Aberglauben vor
der Verfolgung des Indianers geschützt, obwohl auch
dieser Wahn nicht stark genug ist, um sich auf ein
Verbot auszudehnen“ '). Und diese Speiseverbote sind
meist sehr begreiflich, z. B. ein feiges Thier wird nicht
gegessen, weil der Genuss feige machen würde, —
ein dem Ethnologen sehr bekannter Analogieschluss.
Wie auffallend wenig stimmt dies Alles mit der
Theorie von. ScHurtz!
Manche Indianerstämme geniessen das Fleisch roh ?).
Bei den Oyampi und Rukuyennes werden
Eier von den jüngeren Männern nicht gegessen, weil
deren Genuss der Zeugung schädlich wäre. Bebrütete
Iguanen-Kier aber gelten als Leckerbissen *). Den
Kindern der Chippeway wird das warme Blut der
Feinde zu trinken gegeben, um sie zu Helden zu
machen *).
Aus .blosser Faulheit ernähren sich die Tlinket-Indianer
von den todten Thierkörpern u. s. w., welche
das Meer.an’s Land wirft %).
Die Mandan essen alle Thiere °).
Die Tupi verzehren bekanntlich ihr Ungeziefer
aus Rachsucht und die alten Weiber ziehen die
Häute der ermordeten und verzehrten Feinde an”)
Die Fuegier (Yahganen) verspeisen einen an der
1) R. J. Dooax: „Die heutigen Indianer des fernen Westens‘
(1884), S. 188—192.
2) Warrtz, II, S. 82,
3) Rarzee, II, S. 607, nach Crevavz.
4) Lone: „Voyages and Travels of an Indian Interpreter“
(1791), S. 77.
5) Perrorr: „Report on Popul. etc. of Alaska“ (1884)
S. 167. ;
6) Zu Wıep: „Reise in ‚das Innere Nordamerikas“, II
S. 125.
7) Sourmey: „History of Brasil“ (1822), I, S. 233; Lery:
„Hist, d’un Voyage ä la Terre de Bresil“, 8. 232.
Strand geworfenen todten Walfisch!) und’ Warnıs
sah einen Fuegier einen zappelnden lebenden Fisch
vollständig verschlingen wie ein Seehund ”). - Die
Botokuden fressen absolut alles Mögliche ®). Die
Warrau essen Würmer, Käfer u. s. w.‘). Die Tuski
verzehren ihre Läuse und das Ungeziefer der Renthiere.‘);
im Winter befriedigen sie ihre Nothdurft
öfter im Schlafzimmer °) ; die Weiber benützen ihren
Urin als Toilettewasser ’). In einer Grube verfaulte
Fische geniessen die Itälmenen Kamtschatkas sehr
gerne °)! Wınren betrachtet es fast als selbstverständlich,
dass die niedrigsten umherziehenden Völker
Indonesiens, wie die Lubu, die Kubu, die Olo Ot
u. s. w. alles eklige Gethier, wie Schlangen, Frösche
u. s. w., verschlingen °).
Die älteren Weiber verzehren auf den Tamembarund
Timorlao-Inseln die in Streifen geschnittenen
und getrockneten Leichen ihrer Feinde als Mittel
yzegen impotentia sexualis. Und beim Abschluss eines
Bündnisses wird ein Sclave von einer Partei von
beiden Parteien zusammen roh verschlungen ?°).
Die Battak verschmähen krankes und verdorbenes
Fleisch keineswegs und verzehren Mäuse und Kriech-;hiere,
Ratten, Hunde und Larven; wenn man den Tod
aines Hausthieres voraussieht, wird es schnell geschlachtet
und verzehrt; aber auch schon umgestandene
T’hiere werden gegessen, Ein holländischer Beamter
versichert, dass einmal crepirte Regierungspferde,
welche, mit Petroleum übergossen, bestattet worden
waren. des Nachts ausgegraben und verzehrt wurden 11.
1) Hranss: „La chasse et la Peche chez les Fu6giens de
l’Archipel du Cap Horn“, Revue d’Ethnographie, IV (1885).
S, 536.
2) LetourRNKAU: „Sociol.“, S. 33.
3) Zu Wızp: „Reise in Brasilien“ (1819), II, S. 26, 32;
KuAng: „The Botocudos“, J. Anthr. Inst... XI, S. 207;
Tscavpr: IT, S. 278.
4) R. ScnomsuraGK: „Reisen in Britisch - Guvana“ (1847).
5. 164.
5) v. NorpdensKiöLD: „Die Umsegelung Asiens und Furopnas
uf der Vega“ (1882), II, S. 128,
8) Eodem, S. 90.
7) Eodem, S. 103 seq.
8) K.v. Dırmar: „Reisen und Aufenthalt in Kamtschatka“
1890), S. 376.
%) „Vergelijkende Volkenkunde van Nederlandsch - Indiä“
1893), S. 1. .
10) RızprL: „Sluik en Kroesharige Rassen“, S. 279.
u) P. A, L. E. van Dyx: „Het Eten van Menschenvleesch
)y de Bataks“, Tijdschrift voor Indische Taal-, Land- en
Volkenkunde, XXXVIII (1895), S. 305; J. H. MesrwanDt:
„Aanteekeningen betreffende de Bataklanden“, in derselben
Zeitschrift, XXXYIL (1894), S. 5927.