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früherer thierischer Vorfahren wiederholen. Wir
scheinen also berechtigt zu sein, SchHurrtz’ Hypothese
durchaus zu verwerfen.
Aller Wahrscheinlichkeit nach war der Urmensch
omnivor und seine Begierde nach Fleischnahrung eine
nicht geringe. .
Mucke!) sagt über unsere Frage ganz einfach,
dass der Urmensch keine Werkzeuge zur Tödtung
grösserer Thiere besass und daher wohl „der leichter
zu erlangenden Pflanzenkost den Vorzug einräumte“;
das heisst, sich die Sache leicht machen. Als ob
der Urmensch auch ohne Waffen nicht fähig gewesen
wäre, sich junger Vögel, Weichthiere, überraschter
oder verstümmelter kleinerer Säugethiere, wie Ratten
und Mäuse, Hasen, Kaninchen u. s. w., zu bemächtigen
und dieselben zu verzehren; im Uebergangsstadium
zwischen Affe und Mensch muss ihm schon
seine wachsende Intelligenz den Gebrauch von
Steinen zum Werfen, von Knüppeln zum Schlagen
ermöglicht haben; wurden ihm damit schon nicht
ganze Reihen von Thieren als Beute zugänglich gemacht?
Wenn v. Schwarz?) aus dem Bau des Gebisses
und der Länge der Gedärme des Menschen
auf ursprünglichen Vegetarismus schliesst, so vergisst
er doch merkwürdigerweise, dass der heutige
Mensch mit eben diesem Gebisse und eben dieser
Gedärmelänge dennoch meistens Omnivor und mitunter
fast Carnivor ist®). Wenn auch er die Waffenlosig
keit des Urmenschen herbeiziceht, so übertreibt er
dies einerseits und verwechselt andererseits Carnivor
mit Raubthier nach Löwenart; sogar ganz ohne
Waffen, wie er nie gewesen zu sein braucht, kann
der Urmensch gar manches Thier erlegen mit hinreichender
Geduld, grosser Kenntniss der Lebensweise
der Thiere, einem den meisten Thieren weit
überlegenem Verstande, den er von Anfang an
besass, und dadurch ermöglichter Cooperation und
endlich mit Hilfe seiner wahrscheinlich derben
Fäuste *).
1) Mvcxz: „Horde und Familie“ (1895), S. 249.
?) „Sintfluth und Völkerwanderungen“ (1894), S. 267.
5) Wie manche Jägervölker. Viehzüchter und reiche
Europäer,
4) Die Fäuste, Zähne und Kräfte der Anthropoiden, ja
aller grösseren Affen sind gar nicht gering..Man denke auch
einmal an die Hügelstämme Chihuahua’s, athletisch gebaut,
welche zu Fuss auf Hirsche jagen, bis dieselben todt hinstürzen,
und dabei manchmal dreissig und mehr Stunden
laufen, ohne ihre Schritte zu mässigen. Nach Howarte in
„Tijdschrift v, h. Nederlandsch Aardriikskundig Genootschap“
‘1895), S. 804
Auch die Argumente der Vegetarier scheinen mir
nicht sehr stark zu sein. Kınasrorp') z. B. beruft
sich auf Zeichnungen Broca’s, welche die Gleichheit
des Menschenmagens und des Magens der Anthro-9oiden
darthun sollen, aber wir sahen ja, dass
Schimpansen und Gorillas nach Kräften Omnivoren
ind; dasselbe gilt für manche andere Bemerkungen
lieser tapferen Vertheidigerin ihrer Ideen. Auch sie
rergisst, dass ein Omnivor noch kein reissendes
Raubthier zu sein braucht, und deshalb die mächtigen
Zähne u. s. w. derselben auch gar nicht
»raucht. Was aber die Vegetarier hauptsächlich zu
ırklären vergessen, ist, dass der Mensch, so viel wir
vorläufig darüber wissen, anatomisch nicht vom Urnenschen
verschieden, thatsächlich jetzt ein Omniror
ist; wenn das, nehmen wir einmal an, im Widerspruch
mit seinem Organismus wäre (!), so sind auch
alle Schlüsse aus dem Organismus des Urmenschen
auf dessen Nahrungsweise werthlos, da wir dann Ja
sogar aus unserem eigenen, vollständig bekannten
Xörper doch nur falsch schliessen können. Wenn
Jie Vegetarier für uns Recht haben (dass unser Orzaniısmus
eigentlich nicht zur Fleischnahrung geeignet
st), so dürfen sie vom Organismus keinen Aufschluss
iber die Urmenschen erwarten: diese könnten ja auch
"Jeischesser mit einer frugivoren Constitution gevesen
sein, wie wir es angeblich sind. Kochen und
sonstige Zubereitung des Fleisches ist dem Menschen
ekanntlich nicht nöthig; ich erinnere an die uns gar
ıicht schwierige Verzehrung eines kaum gebratenen
3Zeefsteaks (oder roh ä la Tatare) oder einiger Dutzend
\ustern und an das rohe Fleisch- und Fischessen
nancher Naturvölker *). Mit diesem Organismus sind
vir Europäer, Australier, Fuegier Omnivoren; mir
ıichts dir nichts beweisen die Vegetarier, dass die Urnenschen
es mit demselben Organismus nicht sein
konnten, und versuchen nicht einmal, einen Unterschied
zwischen dem heutigen und dem Urorganismus
zu beweisen.
Vernehmen wir endlich noch einen überaus competenten
Forscher, R. WızpersaEiIM, welcher den Vormenschen
als frugivor betrachtet. „Das Darmrohr
natte eine grössere Ausdehnung, und da er so der
Pflanzenkost besser angepasst war, als heute (man
denke auch an die meist grössere Zahl der Mahlzähne),
1) Dr. AnyvAa Kınasrorp: „De ware Voeding“ (1895).
S. 1—12.
2) Von den Negern im Allgemeinen sagt RaTtzeL, dass
Rohessen auf der Jagd sehr gewöhnlich sei. „Völkerkunde“.
Il S. 212.