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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 16=26.1896

MITTHEILUNGEN

Anthropologischen Gesellschaft in Wien.
(Band XXVI. Der neuen Folge XVl1. Band.)

Nr. 4. November u. December, Sitzungsberichte. 1896.
EEE“ ZZ
INHALT: Monats -Versammlung am 10. November 1896. 1. Begrüssung und Nachrufe; S. [63]. — 2. Heger, Vorlage neuer Werke; S. [68]. —
8. Paulitschke, Die Zwergvölker Afrikas; 8. [63]. — 4. Nowotny, Nachbildung von Körpertheilen als Grabbeigaben; S. [64].
Ausschuss-Sitzung am 15. December 1896, 1, Verstorbene Mitglieder; S. [65]. — 2. Dank an Dr. Huberlandt und Dr. Hein; S. [65]. — 3. Neue
Mitglieder; S. [65]. — 4. Sitzungen im Jahre 1897; S. [65]. — 5. Ergebniss einer Sammlung; S. [65]. — 6. Subventionen; S. [65].
Monats -Versammlung am 15, December 1896. 1. Szombathy, Bemalte neolithische Thongefässreste :; S. [65]. — 2. Masner. Mumienbilder und
Masken aus der Sammlung Graf: S. [66]. — 3. Geschenke für die RBihlinothek: S. 1661.

Monats-Versammlung am 10. November 1896.
Vorsitzender: Herr Ausschussrath Dr. KARL ToLDrT,
1. Der Vorsitzende begrüsst die Versammlung an-(ässlich
 der ersten Zusammenkunft in der neuen Saison
and hält den verstorbenen Mitgliedern: Joser Haas,
k. u. k. Generalconsul in Shanghai, Sr. königl. Hoheit
WıinneLM HErzoc von WÜRTTEMBERG und Dr. AnoLr
DURRNBERGER, Hof- und Gerichtsadvocat in Linz, ehrende
Nachrufe,
92. Secretär HEGER legt folgende im Laufe der letzten
Monate erschienene Werke vor und charakterisirt in
kurzen Zügen die Bedeutung derselben:
I. Ernest CHANTRE: Recherches anthropologiques
dans l’Asie occidentale. Missions scientifiques en Transcaucasie,
 Asie mineure et Syrie 1890—1894.
II. CHARLES DE UsFAaLvwy: Les Aryens au Nord et
zu Sud de L’Hindou-Kouch. Paris 1896.
II. LEOPOLD v. SCHRENUK: Reisen und Forschungen
im Amur-Lande in den Jahren 1854—1856. Band II.
Dritte Lieferung. St. Petersburg 1895. (Siehe die Anzeige
Jarüber in diesen Mittheilungen, Bd. XXVI, S. 194.)
IV. Festschrift für ADoLF BAsTIAN zu seinem
siebzigsten Geburtstage, 26. Juni 1896. Berlin 1896.
Die beiden ersten Werke sind ein Geschenk der
Autoren, das dritte ein solches von dem Bearbeiter der
Schlusslieferung, Herrn FrıenrıcH Russow in St. Petersburg,
 und das letzte endlich eine Widmung der Gesellschaft
 für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte
in Berlin. Der Vortragende drückt den Spendern den
Dank für die werthvollen Widmungen aus.
3. Herr kaiserlicher Rath und Professor Dr. Philipp
Paulitschke hält einen Vortrag über
Die Zwergvölker Afrikas.
Der Vortragende geht von der Definition des Begriffes
 der sogenannten Zwergvölker oder Pygmäenvölker
aus und berührt den Umstand, dass nunmehr wissenzchaftlich
 vollkommen sichergestellt sei, dass es sich
bei den Pygmäen nicht um einen pathologischen Zustand
der Individuen handle, sondern um die nicht genug zu
wiederholende Thatsache, „dass ganze Stämme von wohlausgebildetem
 Körperbau die gewöhnliche menschliche
Mittheilungen dA. Anthron. Gesellsch. in Wien. Ba. XXYVI. 1896. Sitzungshe-Durchschnittsgrösse

 nicht erreichen“. Er schildert dann
Jas allmälige Anwachsen der Kenntniss von den Zwergen
Afrikas vom Jahre 1661 n. Chr. ab bis auf die 1895
arfolgte Entdeckung der Dume durch Dr, DOnALDSON
Imıra, Längere Zeit verweilt der Sprecher bei der
7rage der sogenannten Atlaszwerge (Adusal, Ayusa,
Auläd Sidi Hamed) und erwägt die Möglichkeit, nähere
Daten über diese Gruppe der afrikanischen Pygmäen
der Wissenschaft liefern zu können, als dies HALIBURTON
und seine Gewährsmänner zu thun vermochten, An
diese Darlegungen schliesst sich eine Schilderung der
Physis und Psyche in allen interessanten Einzelheiten,
3owie der materiellen und geistigen Cultur der einzelnen
nunmehr nach Dr. Smrrm’s Entdeckung der Dume in
allen Theilen Afrikas nachgewiesenen Pygmäen. Nach
Entwerfung dieser einander ergänzenden oder bestätigenden
 Bilder bespricht PAULITSCHKE die Ansichten
iber die Herkunft der Zwergvölker und bekennt sich
zu der Anschauung, dass die afrikanischen Zwergvölker
nicht allein vom anthropologischen, sondern nach den
heutigen Verbreitungsbezirken derselben auch vom geographischen
 Standpunkte als Reste einer ehemals offenbar
weit über Afrika verbreitet gewesenen Rasse zu betrachten
seien. Welches der heutige Process des Verfalles und
ler allgemeinen Decadenz dieser Elemente sei, ob er
'ortschreite oder stationär sei, darüber sind trotz des
ebhaften Interesses der Afrikaforscher für die Pygmäen
zeinerlei wissenschaftliche Materialien aufgespeichert
worden, Der Stand der Culturarbeit und Colonisations-‘hätigkeit
 in Afrika böte allerdings der völkerkundlichen
Forschung die Möglichkeit, einerseits systematische
wissenschaftliche Arbeit an den Pygmäen in Angriff
zu nehmen und mit Erfolg durchzuführen, andererseits
würde man nach und nach auch in die Lage kommen,
die interessanten Reste dieser Spielart von Homo sapiens
vor dem gänzlichen Untergange zu retten, und dies
nit aller Berechtigung, denn schon seien während des
iaufenden Jahrhunderts einige Siedelbezirke (Madagaskar,
Westsudan) von afrikanischen Pygmäen völlig verschwunden,
 ohne dass gerade verderbliche Agentien
wie in Südafrika auf dieselben eingewirkt hatten. Ein
zorwurfsvolles Wort trifft zum Schlusse den amerikaıischen
 Forscher Dr. DonALDsoN SMITH, der in seiner
Zigenschaft als Arzt bei seiner Anwesenheit unter den
            
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