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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 16=26.1896

30]
9. Herr L. v. Campi in Cles übersendet eine Mit-‚heilung

Ein Bogenspannring aus Achat.
Ein äusserst interessanter Artikel (Bd. XXV., Heft II
und III, S. 51) dieser Mittheilungen „über“ die zum
mongolischen Bogen gehörigen Spannringe von Dr. S.
WEISSENBERG leitete meine Aufmerksamkeit auf zwei
Ringe meiner Sammlung, der eine zungenförmig aus
Achat, der zweite rund aus Knochen, Ich würde überhaupt
 des letzteren kaum erwähnen, wenn nicht beide
angeblich gleicher Provenienz wären.
Zu Anfang der Achtziger-Jahre kamen beide Ringe
durch einen hiesigen Eisenbahnarbeiter in meinen Besitz,
 Spätere und wohl erst vor kurzer Zeit gepflogene
Nachforschungen gestatten mir, den Fundort in Makedonien
 festzusetzen, und zwar längs der damals, vornehmlich
 durch italienische Arbeiter eröffneten Eisenbahnlinie
 Uesküb-Saloniki. Angeblich kamen die beiden
fraglichen Ringe aus einem der vielen damals zu Tage
gekommenen Gräber. Weitere verlässliche Fundumstände
könnte ich nicht anführen, Betreffs des Zweckes, Rarität,
Provenienz und genauer Form dieser bis jetzt wenig
beachteten Ringe verweise ich auf die obenerwähnte
Studie des Herrn Dr. WEISSsENBERG und begnüge mich
mit einer kurzen Beschreibung meiner zwei Exemplare.
1. Prachtring aus schön gestreiftem, rosa-gelbbraunem,
 glatt- und reingeschliffenem Achat. Die Form
zeigt an der einen Seite eine zungenförmige, abschüssige
Verlängerung; in Folge dessen bildet die Aushöhlung
einen mit ungleichen Lichtweiten schiefen Canal, bei
welchem die Schnittflächen nicht parallel sind. Man
bemerkt an dem Ringe keine Abnützung; die Kanten
sind überall noch ziemlich scharf. Form und Grösse
entspricht vollkommen dem aus Sarai stammenden
Bogenspannring Nr, 88 der mehrmals citirten Schrift,
2, Ein hübsch geglätteter Knochenring, der in Folge
seiner Rundung und ksinerlei zungenförmigen Verlängerung
 kaum zu den Spannringen zu rechnen ist;
scheint eher ein Fingerring zu sein, der lange und
‚on wohlgepflegter Hand gebraucht wurde (Fig. 92).
10. Herr Universitäts-Professor Dr. W. Gurlitt in
Graz übersendet einen
Archäologischen Bericht aus Steiermark (1895).
Die Ausgrabungen im Gräberfelde der Römerstadt
Poetovio, auf die das Anutikencabinet am steiermärkischen
Landesmuseum unter meiner Leitung seit vier Jahren
seine Mittel fast ausschliesslich verwendet hat, sind
jetzt zu einem vorläufigen Abschlusse gelangt. Das
Gräberfeld kann als im Wesentlichen erschöpft gelten
and wird das Antikencabinet im nächsten Jahre sich
anderen Aufgaben zuwenden können.
Dieser Umstand mag einen kurzen Bericht in den
Mittheilungen rechtfertigen, obgleich der Gegenstand
dieser Ausgrabungen schon ausserhalb des Bereiches
der vorgeschichtlichen Forschung liegt. Im Mittelpunkte
 des Ausgrabungsterrains liegt das Dorf Unter-Haidin
 am hohen Uferrande eines alten Drauarmes.
dessen Grundwasser unterhalb des Dorfes in einem

Teiche zu Tage tritt, Ein noch älterer Uferrand,
auf dessen Erhebung das Dorf Ober-Haidin liegt, bildet
im Westen einen deutlichen Terrainabschnitt. Das
Gräberfeld erstreckt sich in dichtester Anordnung auf
dem Terrain zwischen diesen alten Uferrändern, zu
beiden Seiten des nach Westen ziehenden Weges nach
Schikola, der, wie Durchschnitte durch den Strassen-<örper
 erwiesen haben, über einer römischen Strasse liegt.
Joch wurden Gräber auch nördlich und südlich von Unter-Jaidin
 gefunden, Endlich liess sich die Römerstrasse
auch östlich von Unter-Haidin verfolgen; sie hielt sich
an dem Uferrande des oben erwähnten Drauarmes und
war von villenartigen Hausanlagen begleitet, zwischen
denen Gräber eingestreut sind. Dieser letzte Abschnitt
liegt in der Flur des Dorfes Ober-Rann, von dem jetzt
lie Brücke auf das linke Ufer nach Pettau führt. Der
7lussübergang in römischer Zeit muss, nördlich von
Ober-Rann, weiter flussaufwärts gelegen haben. Aufgedeckt
 wurden im Ganzen bisher 1789 Gräber, von
denen 1716 Brand- und 73 Skeletgräber waren,
Monumentale Grabbauten sind selten, dagegen zeigt
der ausgedehnte Begräbnissplatz eine regelmässige Anırdnung,
 indem Reihen von Steinen, die als Sockel für
nschriftplatten dienten, parallel zur Strasse gefunden
ınd schmale, senkrecht auf die Strassenrichtung anzelegte
 Gassen, sowie Mauerzüge beobachtet wurden,
die den Friedhof eintheilten.
Die einfachste Art der Brandgräber besteht aus
einer Erdgrube, in die der Leichenbrand, dem selten
ein Ziegel als Unterlage dient, geschüttet wurde, Die
3pärlichen Beigaben: Münze, Salbfläschchen, Fibel u. s. w.
3ind auf die Asche gelegt. Sonst ist die Asche von
einem besonderen Behälter umschlossen, meist von einem
zewöhnlichen Topf oder gelegentlich von dem Unter-;heil
 einer zerbrochenen Amphora, die dann von einer
Schale oder Topfscherbe oder dem Obertheile einer
Amphora überdeckt sind. Daneben kommen Steinurnen
vor — in Form von Mörsern oder henkellosen Amphoren
 — mit steinernem Deckelverschluss, Steinkisten
— in der Form kleiner Särge — und sehr selten Glasurnen,
 Entweder ist. das Gefäss — mit Ausnahme der
letzterwähnten Glasurnen — einfach in die Erde gestellt
 oder es ist von einer Ziegel- oder Steinsetzung
umgeben. Die Ziegelgräber zeigen quadratischen oder
rechteckigen Grundriss: der obere Abschluss ist entweder
 durch die sich zusammenneigenden Ziegel oder
Jurch horizontal übergelegte Ziegel oder Steinplatten
zebildet, Selten zeigt sich eine regelrechte steinerne
Immauerung, quadratisch oder kreisrund; der Boden
des Grabes ist in diesen Fällen mit Ziegeln oder Steinplatten
 ausgelegt, das Grab mit einer Steinplatte zuzedeckt.
 Die Beigaben: Münze, Lampe, mehrere Salbläschchen,
 Fibeln und sonstiger Schmuck aus Metall,
3ein, Bernstein oder Glas befinden sich in der Urne;
Beigefässe, meist paarweise, sind um die Urnen anyeordnet.

Auch bei den Skeletgräbern kommt es vor, dass,
wenigstens nach dem jetzigen Befunde, die Leichen
einfach in die Erde gebettet erscheinen; einmal wurde
ein Skelett in hockender Stellung beobachtet. Sonst
            
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