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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 16=26.1896

Die beiden Jahre haben uns leider empfindliche Verluste
durch den Tod gebracht. Ausser den bereits im Jahresberichte
 1894 Genannten sind von unseren Mitgliedern
verstorben: die unterstützenden Mitglieder Fürst EDMUND
ÜLARY ZU ÄLDRINGEN, der die praktischen Arbeiten der
Gesellschaft grossmüthig gefördert hat, ferner Frau
BARONIN SormiE Tonzsco. Das stets opferwillige Walten
dieser edlen Dame ist auch unseren Bestrebungen vielfach
 zugute gekommen, Wir schliessen uns aus vollem
Herzen den Trauerkundgebungen an, welche ihr Hinscheiden
 bei allen Schichten der Wiener Bevölkerung
hervorgerufen hat. Vor einigen Wochen traf die Kunde
von dem Hinscheiden unseres unterstützenden Mitgliedes
Herrn Dr. ALEXANDER SCHADENBERG ein, Der Verblichene
hat sich um die Ethnographie der Philippinen, namentlich
 jener Nord-Luzons, grosse Verdienste erworben
und betrauern wir in ihm einen der rührigsten Sammler
und Beobachter auf ethnographischem Gebiete über
diese Gegenden, die ihm zur zweiten Heimat geworden
sind. Von wirklichen Mitgliedern haben wir verloren: Dr.
Wins, R. v. FrueTE, k. u. k, Oberstabsarzt i. P. (Wien).
Herrn Universitäts-Professor Dr. LUDw. MAUTHNER (Wien),
Herrn J, A. SpzchT (Wien), Regierungsrath Dr. Morız
GAUsTER, Director der Landesirrenanstalt in Wien, E. G
LANFRANCONI (Pressburg), Bergrath Prof. Fr. Posernt
(Wien), kaiserl. Rath und Fabriksbesitzer KaArı Sarc
(Liesing), Berghauptmann Waenzer RADIMSKY (Sarajevo),
Prof. PELLEGRINO STROBEL (Parma), Custos Morız Trarı
(Brünn), Stabsarzt Dr. Karı WeszeLy (Wien) und
Statthaltereirath Prof. Dr, PıssLine in Prag.
Prof. PELLEGRINO STROBEL war unser wirkliches
Mitglied seit Gründung unserer Gesellschaft, welche
ihn später zum correspondirenden Mitglied erwählte,
Mit ChmEericı, der ihm im Tode vorangegangen ist
und PıGorıNnı war er einer der ersten und unermüdlich:
sten Nachfolger des Bahnbrechers BARTOLOMEO GASTALDI.
Diesen Männern dankt Italien die Begründung seiner
Urgeschichtsforschung, eines Faches, das gerade auf
altclassischem Boden vielfachen Anfechtungen ausgesetzt
sein musste und mit einer Art von Nothwendigkeii
zuerst in Oberitalien, dem Nachbarlande der pfahlbau
reichen Schweiz und anderer mitteleuropäischer Fundgebiete
 aufblühte, CurErıcı, PrGorını und SrTRoBEL
waren die engverbündeten Begründer des gehaltvollen
Bulletino di paletnologia italiana, das 1875 in’s Leben
trat und alljährlich schätzbare Beiträge aus der Feder
STROBEL’S brachte. Seine ersten Arbeiten erschienen
1861 und 1862 über die berühmte Terramara von
Castioni dei Marchesi in der Provinz Parma. 1863 gab
er mit Pıcorını den „1. Bericht über die Terramaralager
 der Emilia“ im XIV. Band der Mittheilungen deı
Antiquarischen Gesellschaft in Zürich, 1864 den 2. Bericht
im VI. Band der Atti della Societä Italiana di scienze
naturali. Seit jener Zeit galt er als hervorragende
Autorität auf dem Gebiete der Landpfahlbauten Italiens,
deren systematische Erforschung er zuerst anregte,
Eine Specialität STRoBEL’S war die exacte Untersuchung
der in den prähistorischen Culturschichten eingeschlossenen
 Thier- und Pflanzenreste, worüber seine erste Abhandlung
 (le valve degli Unio ete.) 1872 im Archivio

per P’Antr. e la Etnol., Bd. II), erschien, Schon hier
zog er neben italienischen auch südamerikanische Funde,
die er sehr genau kannte und worüber er später neben
einzelnen Aufsätzen auch eine grössere Monographie
‘Materiali di Paletnologia comparata recolti in Süd-Amerika)
 verfasste, in Betracht. Im III. Bande unserer
Mittheilungen veröffentlichte er 1873 eine Zurückweisung
der haltlosen Ansichten Coppı’s über die Terramaren.
Auch prähistorische Funde aus Südtirol studirte er.
Von 1875 an ist, wie erwähnt, das Bulletino die Fundstelle
 für die zahlreichen Arbeiten unseres verewigten
Mitgliedes, dessen Andenken in der Geschichte der prähistorischen
 Archäologie stets ehrenvoll fortleben wird.
Nicht minder schmerzlich berührt uns der Verlust
unseres treuen Mitarbeiters WEnzeL RApDımsKy, welcher
sich um die Erforschung des prähistorischen Gebietes
von Wies in Steiermark erfolgreich bemüht hat und
als Bahnbrecher der bosnischen Prähistorik angesehen
werden muss,
Unser correspondirendes Mitglied Prof, Lunwıa
RÜTIMEYER ist am 25. November 1895 zu Basel ver-;torben,
 Nach freundlicher Mittheilung unseres ihm
ange befreundeten Vicepräsidenten, des k. k. Hofrathes
BRUNNER V. WATTENWYL, war derselbe zu Bern am
26. Februar 1825 geboren. Er studirte anfangs Theologie,
 später Naturwissenschaften, in welchen er mit
zeognostischen Arbeiten über verschiedene Alpengebiete
debütirte, 1855 als Professor der Zoologie und vergleichenden
 Anatomie nach Basel berufen, beschäftigte
ar sich hauptsächlich mit der Entwicklungsgeschichte
der Säugethiere. Seine überaus zahlreichen Abhandlungen
 über prähistorische Thierreste (Fauna der Pfahlbauten
 in der Schweiz, Zürich 1861 u. s. w.) müssen
als eine wissenschaftliche Grundlage aller einschlägigen
Forschungen angesehen werden. Von dessen anderen
Yublicationen seien hier noch erwähnt: Art und Rasse
les zahmen europäischen Rindes, Braunschweig 1866;
Veränderungen der Thierwelt der Schweiz seit der Anwesenheit
 des Menschen, Berlin 1875; mit Prof. Wınma.
Uıs veröffentlichte er die Crania Helvetica, Basel 1864.
RÜTIMEYER war die von allen Nationen anerkannte
Autorität für die Bestimmung der Säugethierreste; sein
Tod bedeutet einen grossen Verlust für eine mit der
Prähistorik enge zusammenhängende Richtung,
Lassen Sie mich an dieser Stelle noch eines Mannes
gedenken, der zwar mit unserer Gesellschaft nicht in
angerem Verbande stand, durch seine bahnbrechende
Thätigkeit auf dem Gebiete vergleichender Rechtswissenschaft
 jedoch das Anrecht auf ein dankbares
Andenken aller Fachgenossen erworben hat. Dr. ALBERT
HERMANN Posr war geboren am 1. October 1839; er
starb als Richter am Landgericht zu Bremen am
25. August 1895. Er hat wohl als einer der Allerrsten
 das durch die grossen Fortschritte der orien-;alischen
 Disciplinen und der Völkerkunde geschaffene
Material für die Aufstellung einer ethnologischen Jurisjrudenz
 in systematischer Weise verwerthet. Das Problem
selbst war allerdings wenige Jahre früher von dem
alle Abzweigungen der Ethnologie überblickenden
BASTIAN in Angriff genommen worden. Doch bot der juri-
            
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