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ichen Berichten. Die Opfer werden manchmal besonders
gefüttert, nach bestimmten Regeln getödtet,
zerhackt, getheilt und das Fleisch auf verschiedene
Art zubereitet. Pıcarerra erzählt nach der Angabe
les Portugiesen E. Lorsz, dass die Anziquas (in
Centralafrika) ihre Sclaven besonders füttern;
Ihre Läden sind voll von Menschenfleisch. Aehnlich
“ütterten die Mexikaner ihre Gefangenen in besonderen
Käfigen, bevor sie sie opferten und verzehrten.
Die Tödtung der Opfer geschieht unter verschiedenem
Ceremoniell oder man reisst ihnen schon
zu Lebzeiten das Fleisch vom Körper.
Bei den Melanesiern (im Bismarck-Archipel) hat
(nach Powz..) ') jeder Häuptling zwei ständige Minister,
den. einen (Sprecher), der die entsprechenden
Reden führt, und den zweiten (Fleischer), der die
Opfer tödtet und zerhackt. Aehnlich wie die Wilden
zerhackten auch die vorhistorischen Anthropophagen
die Leichname und verschleppten die einzelnen Theile
in ihre Hütten.
Die Zubereitung des Fleisches geschieht bei den
Wilden auf verschiedene Art: das Fleisch wird entweder
gekocht oder gebraten oder es wird roh mit verschiedenem
Gewürz verzehrt. Auf den Fidschi-Inseln?)
wird. der Körper gewaschen und vom Fleischer regelrecht
zerhackt. Die einzelnen Theile werden in Blätter
gewickelt und auf harte Steine gelegt. Manchmal
wird der Körper im Ganzen (und zwar hockend) gebraten;
wird das Fleisch gekocht, so entledigt man
3s früher der Knochen. Am Carpentaria-Golf wird
lie Leiche in einer grossen Grube im Ganzen gekocht
*). Auf den Südsee-Inseln werden zur Zubereitung
der Leichname besondere Oefen gebaut. CAMERON erzählt,
dass die Bewohner von Manyema (Afrika) alle
m Kriege gefallenen und die an Krankheiten gestorbenen
Personen verzehren. Die Leichen werden
in fliessendem Wasser macerirt, bis das Fleisch fault
und dann ohne Zugaben verzehrt.
Endlich wird Menschenfleisch auch getrocknet
der geselcht: die Cobeu am Uaupeflusse räuchern
am Feuer, was sie nicht frisch aufessen *): Aehnliches
1) Unter den Kannibalen von Neu-Britannien, Leipzig
1884. Vgl. die Beschreibung der Institutionen des ägyptischen
Königs Onnos. ;
?) Tm Wıinnrams, Fidji and the Fidjians. London 1858.
I, 147.
3) E. Paımer, Notes on some Australian tribes (Journ.
of the Anth. Inst., XII, 282,
*) A. R. WaArLace, Amazon and Rio Negro, London 1853,
498. — v. Marrtıvs, Beiträge zur Ethnographie Amerikas.
+. 600.
für Anthropophagie aus Rache sind nach ScmHaArr-HAUSEN
folgende: Im Jahre 1617 wurde die Leiche
des Marschalls p’Axcrs geviertheilt und die Lungen
und Leber gegessen; im Jahre 1672 wurde das Herz
op Wır's gegessen, als er als Feind der Oranier beim
Aufstande getödtet wurde; bei der letzten Belagerung
Messinas geschahen fürchterliche Greuelthaten:
einige Soldaten wurden getödtet, lebend in Stücke
zerhackt und ihr Fleisch auf einem öffentlichen
Platze ‚gebraten und verkauft (das Fleisch der
Schweizer theuerer als das der Neapolitaner !).
Vom Genusse menschlicher Körpertheile oder
ihrer äusserlichen Anwendung aus verschiedenem Aberglauben
besitzen wir Zeugnisse aus der letzten Zeit ?).
Anthropophagie aus anderen Ursachen findet sich
bei Geisteskranken und besonders bei Verbrechern,
Bei dieser Menschenclasse, welche, wie LACASSAGNE *),
LoMmsroso *) und Andere treffend zeigten, eine grosse
Aehnlichkeit auch in anderen Richtungen (Tätowiren,
Diebssprache und Zeichenschrift, Ansichten
und Gefühle) mit dem ‚primitiven Menschen aufweist,
finden wir die Anthropophagie aus Rache.
Aberglauben und Genäschigkeit in verschiedenen
Formen (Genuss rohen oder zubereiteten Fleisches,
Aussaugen von Blut u. s. w.)*‘). Wie weit sich hierin
ein Zeichen einer Geisteskrankheit, wie einige Gerichtsärzte
annehmen, oder blos ein niedriger Stand
der Gefühle und Bildung offenbart, ist schwer zu
entscheiden. Die Verbreitung der Anthropophagie
bei Wilden und auch bei Völkern, die auf einer
höheren Stufe der Bildung standen (Incareich), spricht
eher für eine eigenthümliche Perversion der Ansichten
und Gefühle, die freilich nicht scharf von Geisteskrankheit
getrennt ist. — A. v. Humsorpr‘) entschuldigt
auch die Anthropophagie der Wilden in
der Art, dass die Vorwürfe eines KEuropäers auf den
Indianer denselben Eindruck machen, den auf uns
der Vorwurf eines Brahminen vom Ganges machen
würde, dass wir Thierfleisch, das ihm heilig und
ınantastbar ist, geniessen.
Was die Ausführung der Anthropophagie
oetrifft, so begegnen wir häufig geradezu unglaub-1)
Auch in Apotheken werden am Lande noch immer
Präparate von menschlichen Körpertheilen (Menschenfett ete.)
erlangt.
2?) L’homme criminel compare & l’homme primitif. Lyon
1883.
9) Der Verbrecher, Hamburg 1887.
*) Beispiele vgl. Lomzsroso, Der Verbrecher, pag. 326
327. 492, 508, und die Handbücher der gerichtlichen Medicin
5) Nach SchHaArraausen, 1. c.. Arch. f. Anth.. IV. 253.