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olossgelegt: Auf einer Stelle in der Aschenschichte
wurde eine Menge von Scherben von den verschiedensten
Gefässen gefunden; dann etwas weiter
ein grosses, kesselförmiges Gefäss, innen rauchgeschwärzt
und mit Asche gefüllt, und wieder um
einige Meter weiter in der Tiefe von etwa */, m
(wie ich in meinem Protokoll verzeichnet finde)
„die Hälfte eines Kindesschädels. Der Schädel ist
in sagittaler Richtung gespalten; die rechte
Hälfte ist erhalten, während die linke nicht gefunden
werden konnte, ebensowenig andere Knochen.
noch sonst etwas Anderes (obzwar jedes kleine
Bruchstück aufbewahrt wurde). Die Spaltung ist
eine derartige, dass sie von dem linken äusseren
Orbitalrande schief nach hinten hinter den rechten
/itzenfortsatz geht, so dass die rechte Schädelhälfte
erhalten blieb (das rechte Schläfen- und Scheitelbein,
der grössere Theil des Stirnbeines), dann das rechte
Jochbein, ein Theil des rechten Oberkiefers und die
rechte, sowie theilweise die linke Unterkieferhälfte
Der Schädel gehört einem 7—B8jährigen Kinde an
wie ich aus dem Gebisse schliesse. Allem Anscheine
nach wurde er mittelst eines scharfen Instrumentes
durch einen Schlag gespalten, sei es durch Zufall, sei
es in Folge irgend einer abergläubischen Vorstellung,
Wo sind die übrigen Knochen hingekommen? An
Anthropophagie habe ich damals bei meiner Unkenntniss
der betreffenden Literatur nicht gedacht
Bei näherer Untersuchung des Schädels erkannte
ich, dass das Instrument, das bei der Spaltung des
Schädels verwendet wurde, denselben wohl am Stirnbein
traf. Der Schädel war, wie hauptsächlich die
Innenseite zeigt, Feuer oder glühender Asche ausgesetzt
gewesen. Obzwar etwa 2!/,—3 m von dieser
Stelle das Grab eines Mädchens mit Buckelringen
und einem La Tene-Gürtel gefunden wurde, halte
ich doch dafür, dass der erstere Fund zu den Funden
aus der älteren Periode gehört.
Auf dem bekannten Fundorte aus der Hallstatt-Periode
in der Ziegelei des Herrn NesesKy bei Brozanky
fand ich in einer Grube, die nur als Wohnungsrest
angesehen werde konnte, ausser Scherben und Thierknochen
ein vereinzeltes menschliches Scheitelbein.
Nach diesen Angaben ist sicherlich die Ansicht
berechtigt, dass auch in Böhmen in der Neolithund
Bronze-Periode Anthropophagie ausgeübt
wurde. Nach den in Knovize gemachten Funden
wird diese Ansicht sehr wahrscheinlich gemacht.
Zum Verständniss des Ursprunges und der verschiedenen
Formen, unter denen die Anthropophagie
ın den vorhistorischen Zeiten auftrat, verhilft uns
am besten die Ethnographie. Ich verweise auf die
ron diesem Standpunkt aus die Anthropophagie behanlelnde
Fachliteratur ') und führe in Folgendem nur so
ziel an, als archäologischen Zwecken dienlich sein kann.
Was die Ursachen und den Ursprung dieser
Sitte betrifft, so ist es wahrscheinlich, dass:
1. vorerst die Noth den primitiven Menschen
lahingebracht hat, das Fleich seines Nächsten zur
Nahrung zu verwenden. Dies geschieht noch heutzutage
je1ı den Wilden, wenn ihnen die nöthige Nahrung
ausgeht, und dies geschah auch bei Europäern selbst
Us in die letzte Zeit — freilich selten — bei veranglückten
Expeditionen, auf gescheiterten Schiffen,
jei Städtebelagerungen u. s. w. Es ist daher erklärlich,
warum die Menschenfresserei auf den Inseln
ınd Inselchen der Südsee am verbreitetsten ist und
warum sie sich daselbst am längsten erhält; gerade
auf ihnen entsteht am leichtesten Nahrungsmangel
ınd gerade diese weisen nur eine kleine Zahl grosser
Säugethiere *) auf,
2. Nachdem die Noth den Menschen von der
Jnschädlichkeit, ja von einer gewissen Schmackhaftigkeit
des Menschenfleisches überzeugt hatte -
ınd nach dem Zeugnisse einiger Kenner und den
\ussagen der Anthropophagen schmeckt es nicht
viderlich °) —-, kann es nicht auffallen, wenn sich
ıe und da die Anthropophagie aus Genäschigkeit
einbürgerte, wenn Menschenfleisch gerade so wie
andere Nahrungsmittel genossen und mit ihm Handel
getrieben wurde. So sah der Missionär Prıdny 9). wie
1) H. Schaarrınausen, Die Menschenfresserei u. d. Menschenopfer,
Arch, f. Anth., IV, 245, R, Anores, Die Anthropophagie,
Leipzig 1887. Nanaınıac, L’Anthropophagie et les sacrifices
humaines, Revue des deux Mondes 1884. V. H. HENKENIUS,
Entstehung u, Verbreitung der Anthropophagie, Deutsche Rund-;chau
f. Geog. u. Stat., XV, 1893, mit Mappe. Dr. P. BerorwANN,
Die Verbreitung der Anthropophagie, Bunzlau 1893.
Diese Arbeit, sowie die Arbeit Van&rx’s, Anthropophagie u.
Menschenopfer in den Kvöty (XV, 1893, 222), ferner jene von
Dr. R. 5. Steinmetz in diesen Mittheilungen, Bd. XXVI, 8. 1 ff.
erschienen erst nach Beendigung dieses Artikels. ;
?) Einer Anzahl Südsee-Inseln fehlten Säugethiere zur Zeit
ihrer Entdeckung ganz. Anmerkung der Redaction.
3) Nach Juvenar (Satyr. XV, 11 u. 87) schmeckt Menschenleisch
wie Schweinefleisch. Die Battas und die Melanesier
uf den Neuen Hebriden und den Fidschi-Inseln loben (nach
Wınkes) das Menschenfleisch als sehr schmackhaft; andere
Völker, bei denen sich die Anthropophagie aus anderen
Ursachen, besonders aus Aberglauben, erhält, schildern seinen
Geschmack als widerwärtig, betäubend.
*) Zeitschrift „African“ vom 5. April 1860, in Freetown
orscheinend