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Laie auf den ersten Blick beim Vergleiche mit einem
arhaltenen Knochen. Dass der Knochen eröffnet wurde,
so lange er noch frisch war, dafür sprechen die
kleinen Splitter, welche sich an jenen Ausschnitten
srhalten haben und welche sich nur erhalten konnten,
wenn die Eröffnung am frischen, mit Beinhaut versehenen
und der animalischen (bindenden) Substanzen
noch nicht entbehrenden Knochen ausgeführt wurde.
Am oberen wie am unteren Ende bemerken wir eine
bräunliche, vom Feuer herrührende Verfärbung.
Die auf der Tafel gelieferten Abbildungen veranschaulichen
die Art und Weise des Zerschlagens
ınd Eröffnens der Knochen. Ein Blick auf die Knochen
selbst überzeugt uns auch von der Absichtlichkeit
dieser Handlung.
In der Ueberzeugung, dass in dieser Angelegenheit
das Wort eines Sachverständigen, eines Gerichtsarztes,
entscheidend ist, erlaubte ich mir, die Knochen
dem Herrn Dr. J. Remssure, Professor für gerichtliche
Mediein an der böhmischen Universität, vorzulegen,
welcher sie (besonders die Tibla aus der
Grube Nr. 21) ebenfalls für absichtlich zerschlagen
and eröffnet anerkannte.
Endlich zeugt für unsere Ansicht auch der Umstand,
dass in einer einzelnen Grube nicht
Knochen einer einzigen Person gefunden
wurden, sondern solche von zwei, drei und
vielleicht auch vier Personen (Nr. 32, 33
and 44), aber immer nur in Bruchstücken
von unbedeutender Anzahl.
Aus dem Angeführten können folgende Schlüsse
gezogen werden: In der prähistorischen Ansiedlung
von Knovize aus der Bronzezeit (Hallstatt-Periode?)
wurde Anthropophagie geübt. Aus dem Umstande.
dass beinahe alle Knochen im Funde vertreten sind.
können wir schliessen, dass es sich hier nicht um
eine rituelle oder symbolische Anthropophagie gehandelt
hat, bei der nur gewisse Körpertheile genossen
werden, sondern um wahre Menschenfresserei
aus Leckerei. Denn die grosse Zahl der Thierknochen
(besonders der grossen Säugethiere und Hausthiere),
wie sie gerade in jenen Gruben constatirt wurde, wo
Theile menschlicher Skelette sich vorfanden *), beweist,
dass nicht Noth die Bewohner dieser Ansiedlung
zur Anthropophagie trieb, sondern dass sie
Genäschigkeit dazu bewog; für diese zeugt auch der
Umstand, dass man dem Fleische junger Personen
und Kinder den Vorzug gab, wie wir aus der grösseren
Anzahl der Knochen dieser schliessen können. Danach
ı) Nach Angabe des Herrn Directors J. FELCMAN.
cheint es auch, dass nicht blos die Leichen der
Feinde, sondern vielleicht auch die der Verwandten
lieser Sitte zum Opfer fielen.
Es scheint, dass die prähistorischen Menschen-Fresser
von Knovize sich vor Allem das Gehirn
schmecken liessen (nach dem reichlichen Schädel-'ragmenten
zu schliessen), weiter das Mark der
3öhrenknochen und vielleicht den Handteller und
Jie Fusssohle, wie wir aus der grösseren Zahl der
Iand- und Fussknöchelchen schliessen könnten.
Indlich wurde sicher auch das Fleisch des Rumpfes
ınd der Gliedmassen genossen; das Fleisch wurde ge-»raten,
vielleicht auch gekocht. Die langen Röhrenznochen
wurden über das Feuer gehalten, damit
Jas Mark besser herausgenommen werden könne.
Vgl. Worsaa®, Congrös Copenhague, str. 88.) Wie
weit gewisse Eingeweide (Herz, Auge) als besondere
L,eckerbissen galten und welcher Aberglauben mit der
Anthropophagie in der Vorzeit verbunden war, davon
können wir uns allerdings keine Vorstellung machen.
Dass einstens in Böhmen Anthropophagie auszeübt
wurde, ist nicht auffallend, wenn wir erwägen,
Jass schon für beinahe ganz Europa in der prähistorischen
Zeit dieselbe nachgewiesen oder wenigtens
wahrscheinlich gemacht worden ist. Wir haben
Jafür Beweise dreierlei Art: vor Allem das
Zeugniss der alten Schriftsteller, für's Zweite bis
jetzt erhaltene Sagen, Aberglauben und Märchen, die
zon Menschenfresserei handeln, und endlich zahlreiche
Jafür zeugende archäologische Funde. Ausserdem
spricht dafür auch folgende Erwägung: Von allen
Erdtheilen ist Europa einzig und allein frei von
Völkern, die der Menschenfresserei ergeben sind.
was wir jedoch aus dem Umstande uns erklären,
lass es ausser Europa keinen Erdtheil gibt, der nicht
auf der tiefsten Stufe der Bildung stehende Völker
jeherbergte. Denn mit einer höheren Bildung verliert
sich dieser Brauch überall und verlor sich bei unseren
auropäischen Vorfahren, bei den Völkern Asiens, und
‚elbst bei Wilden, auch ohne Zuthun der europäischen
%ultur und des Christenthums; so z. B. auf Tahiti,
Hawaii, in Mikronesien, wo früher Anthropophagie
zeübt wurde, wie wir aus gewissen Zeichen mit
3icherheit schliessen können, wo sie aber schon von
den ersten weissen Entdeckern nicht mehr vorgefunden
wurde. Natürlich ist der Fortschritt seit der Ent-Jeckung
ein viel grösserer und schnellerer. Es ist
aber sehr unwahrscheinlich. dass Europa einzig