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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 16=26.1896

— 106

angeordnet und zwischen den Oeffnungen dieses
Gitters raucht es in den Dachraum hinein. Auf dem
Gitter stehen die Garben „auf dem Kopfe“, enge
aneinander gerückt, zur Räucherung bereit.
Von dieser Anordnung zum engen Schlotte, welcher
das Haus im Inneren durchsetzt, gab es eine Reihe
eine aus der anderen sich entwickelnder Zwischenstufen.
 Zuerst musste der grosse Hohlraum im Hause
bedenklich scheinen. Das war Raumverschwendung,
Was man am Querschnitt desselben ersparte, wurde
Raumgewinn für das Obergeschoss.
Da man den Rauch im Bodenraume nicht missen
wollte, blieb es bei der bisherigen Einrichtung der
Hauptsache nach, aber man verkleinerte den Querschnitt
 des Hohlraumes vom Fussboden des Obergeschosses
 an. So finden wir (Eıcı, „Charakteristik“
S. 19 ff.) in der noch erkennbaren früheren Einrichtung
 des Dielbauerngutes (bei Koppl) eine solche
Verkleinerung. Die vordere Hälfte des „Hauses“, an
der Giebelwand, ist mit einem „Söller“ oder „Sojer“
(Solarium) bedeckt und dieser ehemalige Besonnungsraum
 ist gegen den Hohlraum des Gebäudes rauchdicht
 abgeschlossen. Der Söller ist so breit, dass
er Raum für die Treppe und die Zugänge zu den
beiderseitigen Wohnräumen bietet.
Es scheint mir sehr wahrscheinlich, dass die in
fast ganz Mitteleuropa häufige, in manchen Gegenden
geradezu typische Abtheilung des ehemaligen Hauptraumes
 in einen eigentlichen Flur, ein Vorhaus (nächst
der Hausthüre) und eine kleine Küche rückwärts
aus einer weiteren Zwischenstufe der Bodenräucherung
entstanden sei. Sehr häufig ist hiebei die Theilung
blos durch einen gemauerten Bogen, eine Gewölbsgurte
 angedeutet, wie bei fast allen Bauernhäusern
zwischen Adelsberg und Präwald am Birnbaumerwalde
 (Herzogthum Krain) u. s. w. O. Gruner in
seinem dankenswerthen Büchlein „Beiträge zur
Erforschung volksthümlicher Bauweise in
Sachsen und Nordböhmen“ (Leipzig 1893).
3. 40 ff., erklärt diese Gurten als Auflager des Schornsteinmantels
 und Schornsteines. Nun blieb das „Vorhaus“
 ziemlich rauchfrei und nur der Raum unmittelbar
 oberhalb der „Küche“ leitete den Rauch und
ging für das Obergeschoss verloren 1.

ı) Solche abgetrennte Küchen habe ich allerdings nur
am Hinterende solcher Hausfluren getroffen, welche quer durch
das Gebäude liefen, also von einer Traufenseite zugänglich
sind. Bei Wohnhäusern, welche auf der Längsachse entwickelt
sind, deren Eingang daher in der Giebelfront liegt, führt
dieses zumeist zu dem angehängten Wirthschaftstracte (natür-Eine

 weitere Stufe der Rauchbahnverengung läge
n den mächtigen Schlotten— wahre Rauchcabinete! —,
welche GLADBACH in einigen Schweizertypen nachzewiesen
 hat, und in den Schlottungethümen im
3mälander Hause, dessen MonTeLius in seinem Vor-;rage
 über die Entwicklung des nordischen Hauses
5eim Innsbrucker Congresse (1894) Erwähnung gethan.
Jier ist ein ziemlich grosser Raum durch einen
pyramidenförmigen Öbertheil und dieser durch eine
\rt Mundstück mit Klappe, mit verschliessbarem
Sharnierdeckel, abgeschlossen.
Das Wallnerhaus (Waldprechting) Eıc1’s, (a. a. O.,
5.36, Taf. IX) hat einen im Dachraume endenden
Schlott, dessen obere Mündung 1 m lang, 70 cm
»reit ist, also weit grösser im Lichten, als irgend
ın moderner Rauchfang, von den blechernen „russiichen“
 Rauchrohren zu schweigen. Aehnliches findet
m Salzburger Vorlande häufig statt. Ich habe es bei
Mattsee beobachtet, wo es neben einem modernen
Schlotte belassen war. Bemerkenswerth ist, dass,
ı\ach Er, in allen Häusern, dessen Schlott im Inneren
les Bodenraumes mit einem bretternen Stumpfe endet,
ler Herd im Flur („Haus“) und niemals in einem
Seitengemache, dass er also stets in dem urtypischen
Herdraume geblieben ist. Oberhalb des Herdes oder
ınfern der Rauchquelle befindet sich jene rechteckige
Deffnung von wechselnder, aber stets bedeutender
ärösse, welche den Rauch mittelst des beschriebenen
Janales unter das Dach leitet, wo er die Vorräthe
‚sojert“.
In Piecolein, im Enneberg’schen, gab es unlängst
noch solche Bodenräucherer; in den Häusern längs
der Schio-Asiagostrasse, oberhalb Cogollo, also im
Zereiche einer der Sette Communi, hat man mir die-;elbe
 für unsere modernen Gewohnheiten so befremdiche
 Eigenthümlichkeit gezeigt. Der Schlottstumpf
oleibe nur deshalb innerhalb des Daches, weil ein
herausragender den Winterstürmen nicht widerstehen
zönnte und auch der Rauch nicht heraus könnte.
Es bedarf keiner weiteren Nachweisung, dass diese

ich, wenn es sich um ein Einheitshaus handelt). In diesem
Falle kann kein Theil des Flures abgetrennt werden, weil
ıledurch jene Verbindung unterbrochen würde, sondern die
Küche weicht dann links oder rechts aus und birgt sich in
nem Seitenraume:; es scheint, in der Mehrzahl der Fälle
inks und rückwärts im Sinne des Eintretenden genommen;
ıber offenbar herrscht hierin kein festes, typisches Gesetz,
veder im Ganzen noch auch in einem kleineren Bereiche,
\uch bei den Bauten, welche MzrınGer „Durchgangshäuser“
1ennt, muss der Herdraum, wenn er nicht im „Hanse“ hleibt.
1eltwärts answeichen.
            
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