Literaturberichte.
Koenen, Konstantin: Gefässkunde der vorrömischen,
römischen und fränkischen Zeit in den Rheinlanden.
154 pp. mit 590 Abbildungen auf XXI Taf.
Ronn, P. Hansrtem’s Verlag, 1895. 8°.
Dieses Buch enthält natürlich nicht das, was der Titel,
wörtlich genommen, verspricht: eine Darstellung der Kenntnisse,
welche man in vor- und frühgeschichtlicher Zeit von
Gefässen gehabt hat, sondern eine Darstellung unserer heutigen
Kenntnisse von den Gefässen jener Zeiten, Es ist aber auch
keine vollständige „Gefässkunde“ in diesem letzteren Sinne,
sonst müsste darin — wenn schon nicht gerade von den
vorkeramischen Gefässen der ja sonst mitbehandelten älteren
Steinzeit — doch wenigstens von den Bronzegefässen der
Metallperiode die Rede sein.
Der Verfasser beschränkt sich jedoch, abgesehen davon,
dass er in den Abschnitten über die vorrömische Zeit verhältnissmässig
viel über die Beschaffenheit der Fundorte,
über andere charakteristische Typen derselben und über] die
physische Qualität der Menschen, auf welcher diese zurückgehen,
beibringt, ganz auf die Thongefässe, und es wäre
zweckmässig gewesen, das schon im Titel zu sagen.
Koxnen will durch sein Buch erreichen, „dass Jedermann,
der ein Gefäss oder eine Scherbe findet, nicht blos
beurtheilen kann, ob sein Fund vorrömisch, ob er römisch
oder fränkisch ist, sondern auch, in welche speciellere Epoche
der genannten Zeiträume derselbe gehört“, Zu diesem Zwecke
xürden etwas bessere Abbildungen dienlicher sein, obwohl
die gebotenen ja eigentlich zur Noth genügen; vor Allem
ıber müssten die Tafeln übersichtlicher eingerichtet sein,
Allein keine Ueber- oder Unterschrift, kein chronologisch
geordnetes Verzeichniss der Abbildungen gibt erste Auskunft
oder erleichtert das Aufsuchen der betreffenden Textstellen.
Die Uebersicht der Perioden beginnt mit einem „aolithischen“
Zeitalter (so S. 2, 3 und 32; auf S, III heisst dasselbe
„äolitisch“ [sic]), gemeint ist wohl das „Eolithique“ G. de
Mortillet’s, welches füglich hätte wegbleiben können. Auch die
populäre Darstellung der paläolithischen Periode (S. 3—11)
hätte sich der Verfasser ersparen können oder besser gethan.
kurz zu sagen, warum die diluvialen Jägerstämme kein
Thongeschirr gekannt und was sie etwa an dessen Stelle
„esessen haben. „Ohne Gefässe,“ wie Koxyen auf S. 2 schreibt
waren sie wohl nicht. Im neolithischen Zeitalter behandelt er
hauptsächlich nach KuorrLeisch und TISCHLER als ältere Arter
die Typen der Bandkeramik und der megalithischen Gräber,
als jüngere Arten die schnurverzierten, geschweiften Becheı
und verwandte Gefässe, In der Bronzezeit werden vier, in
der Hallstatt- und La Tene-Periode je zwei Stufen mit ihren
charakteristischen Typen unterschieden, Die römische Kaiserzeit
zerfällt in eine erste, mittlere und spätere, die fränkische
Zeit in eine merovingische, eine früh- und eine spätkarolingische,
In der Behandlung der römischen Gefässe tritt, wie auch hin
und wieder in den früheren Abschnitten, wirkliche, durch
eigene Ausgrabungen erworbene Kennerschaft zu Tage; hier
hat die fleissige Arbeit selbstständigen, auch über das Rheingebiet
hinausreichenden Werth.”
Wir müssen uns den praktischen Zweck. dieses Buches
or Augen halten, und es soll daher nicht als Vorwurf aus
Mitthailungen A. Anthron. Gesellsch. in Wien, Bd. XXV. 1805
gesprochen werden, dass eine eigentliche Vertiefung. in den
Gegenstand nirgends zu bemerken ist. Gerade jetzt herrscht
in Fragen, welche die älteste Keramik betreffen, eine Ideen:
bewegung, von welcher der Verfasser keine Ahnung zu haben
scheint. Die vorkeramischen Stammformen der Thongefässe,
Jie eigenthümliche historische Stellung des Thongeschirres im
orimitiven Hausrath (vgl. darüber v. d. Steinen, Unter den
Naturvölkern Central-Brasiliens, S. 215 ff), Sinn und Ge:
schichte seiner Formen und namentlich seiner Verzierungen,
jetzt so wunderbar erhellt durch die Entdeckungen der Ethnologie,
all’ das findet keine Berücksichtigung, obwohl die
ilteren rheinländischen Thongefässe durchaus nicht mit dem
Fluche geschlagen sind, blos als Material zur chronologischen
Bestimmung‘ verschiedener Fundschichten dienen zu können.
M. Hoernes.
12.
Bobrinskj, Graf Alexei: Kurgane und zufällige
archäologische Funde in der Nähe von Smela.
Zweiter Band. Die Tagebücher der Ausgrabungen
während der Jahre 1887—1889. Folio. St. Petersburg
1894. XXIII + 227 S. mit Karten, Plänen,
Holzschnitten im Text und 30 Tafeln. (Russisch.)
In den Sitzungsberichten der Gesellschaft (Nr. 4 und 5.
\pril und Mai 1889, S. 47) habe ich den ersten Band dieses
yusgezeichneten Werkes kurz angezeigt. Am Ende -des vorigen
Jahres ist nun der zweite Band erschienen, ebenso vortreffich
ausgestattet wie der erste, ebenso reichlich mit Tafeln,
Tarten und Plänen versehen, Derselbe berichtet über ‚die
\usgrabungen, die während der Jahre 1887—1889 angestellt
vorden sind; ausserdem sind in grosser Menge genaue Erörte-‚ungen
über verschiedene archäologische Fragen, zusammen-'assende
Darstellungen und Kritiken angefügt. die von hohem
'nteresse sind.
Die Ausgrabungen umfassen Kurgane im Gouvernement
<iew bei‘ Smela (Kreis Swenigorodka und Tscherkassy)
ınd in dem angrenzenden Theile des Gouvernements Poltawa
Kreis Romny). Im ersten Bande wurde über 53 Kurgane
jerichtet; im zweiten Bande über 195 Kurgane (Nr. 54
is 248). Ein Auszug aus den sehr eingehenden Detailıchilderungen
lässt sich nicht geben, wohl aber dürfte es vor
‘nteresse sein, aus der Einleitung (I—XXIll) die in ge
Jrängter und übersichtlicher Weise vom Verfasser gezogenen
Schlüsse in Kürze mitzutheilen. Der Verfasser ist auf Grund
‚einer umfassenden archäologischen Studien — geleitet von
len Ergebnissen der Ausgrabungen — mehr als wohl ein
\nderer im Stande, uns eine Schilderung der verschiedenen
Julturepochen Südrusslands zu liefern — eben auf Grundage
der Resultate der Kurgan-Untersuchungen, Der russische
Jistoriker Samen hatte nur zwei verschiedene Kurgan-Derioden
unterschieden, eine ältere und eine jüngere, Professor
3AaMoxKwaAssow, über dessen ausgedehnte Arbeiten wiederholt
‚uch in deutschen Journalen berichtet worden ist, unterıchied
in Rücksicht auf die Kurgane folgende Perioden (1889
Moskauer archäologischer Congress):
1. die kimmerische Periode bis zum VI, Jahrhundert
7. Chr. Geb.; | ;
9, die skythiscehe Periode VI bis II. Jahrhundert
v Chr. Gehi: