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Cechischen Hause sich fände. Ich glaube an kein slavisches
Haus mehr.
. Aber der Fehler lag doch wohl an mir. Müssen
Cechen und Deutsche, weil die Sprachen so verschieden
sind, auch verschiedene Hauscultur haben? Die Unterschiede
der Sprachen gehen weit zurück, Vor sehr vielen
Jahrtausenden haben sich die Germanen und Slaven
vom indogermanischen Grundvolke sprachlich gelöst,
aber damals entwickelten sie wohl noch keine nationale
Bauart. Das „germanische“, „slavische“ Haus scheint
ein Traum zu sein. Viele Jahrtausende später, nicht
allzu weit vom Beginne der christlichen Aera, dürfte
sich bei den Indogermanen Central-Europas eine Hauscultur
entwickelt haben, die sich rasch verbreitete.
Was der Eine dem Anderen dankt, wer erkühnt sich,
das zu entscheiden?
Warten wir, was neue Ausstellungen und Forschungen
aus slavischen Ländern und Ungarn bringen.
Warten wir auch auf die weitere Entwicklung unserer
Hausforschung, Vielleicht lernen wir besser und schärfer
sehen und lernen schärfer jene Unterschiede zwischen
heutiger deutscher und slavischer Art zu bauen erkennen,
die sich jetzt mehr dem künstlerisch geschulten Auge
offenbaren als der zerlegenden Kritik.
Eines bleibt, das Cechische Haus zeigt keine andere
Cultur als das deutsche Bauernhaus; es ist dieselbe.
kaum eine andere Entwicklungsstufe derselben Cultur.
Wann diese Cechische Hauscultur sich von einer anderen
(als welche man nicht ohneweiters die deutsche nennen
kann, sondern wo man vorsichtigerweise vorläufig von
einer europäischen Cultur sprechen möchte) abgespaltet
hat, entzieht sich bisher der Erkenntniss. Ebensowenig
ist zu sehen, welche Art älterer Hauscultur von dieser
jüngeren bei den Cechen verdrängt wurde.
Eine neue Invasion modernster Culturproducte allgemein
europäischer Fabrikate zeigten viele der im ethnographischen
Palaste ausgestellten Stubeneinrichtungen,
Herr Secretär F. Heger hält einen Vortrag über:
Die Ethnographie auf der Ausstellung in Prag (mit
Ausnahme des Hauses und dessen Einrichtung).
las nationale oder, wissenschaftlicher ausgedrückt,
las ethnographische nennen. Es wird im Wesentichen
durch die Gleichheit der Sprache bedingt. Wir
sprechen z, B. von einem GCecho-slavischen Volksstamme
und rechnen zu diesem alle Völker, deren Muttersprache
das Cecho-slavische Idiom in weiterem Sinne ist,
Das zweite dieser Elemente ist das culturelle.
Während man früher — und häufig auch noch jetzt —
eide mit einander vermengte, ja ‚sogar identificirte,
zam man zu dem nicht ganz präcisen Begriffe einer
nationalen Cultur. Man übersah dabei, dass das
»thnographische Element sich mit dem culturellen nicht
‚mmer deckt. Und das ist begreiflich. Die Sprache ist
zn lebender Organismus, dessen Entwicklung nach: bestimmten,
nur zum Theile von historischen und socialen
Verhältnissen abhängigen Gesetzen erfolgt. Anders sind
lie Gesetze, nach denen sich die Cultur entwickelt.
Die grossen Culturströmungen kennen keine Sprachgrenze
und kannten eine solche nie, Sie gingen oft
wie eine gewaltige Fluthwelle über eine Anzahl von
Völkern hinweg, dieselben mehr oder weniger intensiv
in den Kreis ihres Einflusses ziehend. Andere solche
Strömungen blieben auf einen kleineren Kreis beschränkt.
Endlich kommt man auf solche Culturströmungen, welche
sich in der Regel für eine gewisse Zeit nur innerhalb
sinzelner Völker bemerkbar machen. Aber auch diesen
Begriff muss man in mitunter ziemlich enge zeitliche
Grenzen fassen. Man kann also von einer nationalen
Sultur strenge genommen nur in dem ganz beschränkten
Sinne reden als von dem Culturzustande, in dem sich
ain bestimmtes Volk zu einer bestimmten Zeit befindet.
Geht man aber historisch vor, so zerfällt dieser Begriff
von selbst. Die Culturgeschichte kennt wohl Völker,
sie kennt aber keine Völkergrenzen. Als historischer
Organismus kann sie nicht dem ethnischen parallel
zestellt werden. Das darf man nie vergessen. Ich kann
diese Ausführungen hier nicht weiter vertiefen und
muss mich mit diesen mehr cursorischen Andeutungen
begnügen, Ich will aber in Folgendem Gelegenheit
nehmen, ihnen dieselben an einzelnen Beispielen zu
illustriren.
Was ich ihnen vorzuführen habe, war in der Ausstellung
im Wesentlichen auf die westliche Hälfte des
grossen ethnographischen Palastes beschränkt. Hier
fand sich all’ das vereint, was der Gecho-slavische
Volksstamm heute noch an Eigenthümlichkeiten in Bezug
auf Tracht und Schmuck, auf Sitte und Brauch bietet.
Das Centrum dieses Flügels wurde von der Ausstellung
der Stickereien eingenommen. Im Westen und Osten
schlossen sich daran die Abtheilungen, welche Sitte
und Brauch darstellen sollten, Im Norden und Süden
von diesem centralen Theile waren die sogenannten
Regional-Ausstellungen untergebracht, welche,
zeographisch und ethnographisch gegliedert, die Eigenthümlichkeiten
der einzelnen Gegenden und Volksgruppen
zur Anschauung bringen sollten,
Ich will mit der vollständigsten und wissenschaftlich
am besten aufgestellten Abtheilung beginnen, in
welcher sich die Ausstellung der Stickereien befand.
Dieselbe gehörte zu dem Bedeutendsten, was die Aus-Hochverehrte
Anwesende!
Es wird mir nicht leicht, nach den so interessanten
Ausführungen meines geehrten Herrn Vorredners ihre
Aufmerksamkeit noch für eine kurze Zeit in Anspruch
zu nehmen. Ich will es aber dennoch versuchen, ihnen
in gedrängten Zügen ein übersichtliches Bild dessen
zu geben, was die Prager Ausstellung an eigentlich
ethnographischem Material dem Besucher bot. Wesentlich
erleichtert wird mir diese Aufgabe dadurch, dass
ich über all’ das, was Herr Professor MERINGER über
das Haus und dessen Geräthe sagte, zum grössten
Theile mit Stillschweigen hinweggehen kann.
Bevor ich meine Schilderung beginne, muss ich
ihnen vorher in wenigen Worten meinen Standpunkt
klarlegen, in welcher Weise ich den Begriff des Volksthümlichen
auffasse. Dieser Begriff setzt sich aus zwei
Elementen zusammen. Das erste derselben möchte ich