Digitized Materials

Here you will find digitized editions of anthropological journals and monographs. For more information about the digitization project, please visit [here].

Search in

Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 15=25.1895

ragender Specialisten in Butmir während der Grabungen
im August 1894, schon viele werthvolle Nachrichten
über diesen Fundort in die Oeffentlichkeit gedrungen.
Es sei hier namentlich auf die Schilderungen Szom-BATHY’S
 in diesen Mittheilungen, Bd. XXIV, Sitzgsb,
S. 206—209, hingewiesen. Aber die nunmehr vorliegende
 grosse Publication erscheint geeignet, Aufmerksamkeit
 auch in jenen Kreisen zu erwecken, welche
an den wissenschaftlichen Streitfragen der Discussion
über Butmir auf dem vorjährigen Congresse in Sarajevo
keinen unmittelbaren Antheil nahmen. Wohl nie oder
nur höchst selten hat eine Edition prähistorischer
Funde, unter Beobachtung aller Vorschriften exacter
Terrainforschung und Berichterstattung, zugleich so
viele technische Hilfsmittel aufgewendet, um volle
Naturtreue in der Wiedergabe der Objecte und volle
Deutlichkeit in der Darstellung der Umstände, unter
welchen sie in unseren Besitz gelangt sind, zu bewirken.
 In dieser Hinsicht darf der Rechenschaftsbericht
über die erste, den Butmirfunden gewidmete Grabungscampagne
 wohl als eine Musterleistung bezeichnet
werden. Unter den Textbildern befindet sich eine vom
k. u. k. militär-geogr. Institute in Farben ausgeführte
Umgebungskarte des Fundplatzes im Massstabe von
1:200.000, 8 Grundrisse und Durchschnitte einzelner
Fundstellen, 76 Abbildungen beweglicher Objecte und
7 Darstellungen von Pflanzensamen. Von den 20 Tafeln
bietet die erste eine Heliogravure mit der Ansicht der
Ausgrabungen, die übrigen zeigen 644 in Chromo-Photographie
 nach der Natur aufgenommene, auserlesene
Objecte, nämlich 151 Gegenstände aus Thon und 493
solche aus Stein. Unter den Thonfunden sind die menschlichen
 Figuren und Figurenbruchstücke Taf, II—UIII,
dann die Gefässfragmente mit Spiralornamenten Taf. V
unter den Steinfunden die Typensammlung Taf. X
lie schönen Pfeilspiten Taf. XIV und die Proben verschiedener
 Stadien der Herstellung polirter Flachbeile
Taf, XV—XVII besonderer Beachtung werth, Die ungewöhnlich
 reiche Ausstattung der Herausgabe erscheint
durch den ungewöhnlichen Charakter dieser grossen
Fundstätte vollauf gerechtfertigt. Die eingehende wissenschaftliche
 Bearbeitung des Materials, zu welcher von
verschiedenen Seiten schon Bausteine herbeigetragen
wurden, bleibt naturgemäss einem späteren, jedoch
sehr nahen Zeitpunkte vorbehalten; sie wird sich an
die Vollendung der Grabungen anschliessen, welche
1894 und 1895 mit namhaften Mitteln und Erfolgen
fortgesetzt worden sind. Es besteht die Absicht, die
Ergebnisse dieser beiden Campagnen (und eventuell
noch einer vierten) in einen zweiten, der ersten Publication
 ebenbürtigen Bericht zusammenzufassen und
dann an die abschliessende kritische Behandlung des
Fundortes und seiner Bedeutung heranzutreten.
2. Herr Dr. Michael Haberlandt spricht über
Bilder vom japanisch-chinesischen Kriegsschauplatze
und über die Zaubermuster der Orang Semang (mit
Demonstration).

[69] —
\usserordentliche Versammlung am 28, Mai 1895.
Vorsitzender: Herr Sectionschef Dr. KArı THE0oDor
V. INAMA-STERNEGG.
1. Der Vorsitzende begrüsst Ihre königl. Hoheit
Prinzessin THERESE VON BAYERN, Welche gelegentlich
‘hrer Anwesenheit in Wien die Gesellschaft mit ihrem
gdesuche auszeichnet. Er gedenkt des herzlichen Emofanges,
 der den Vertretern der Wiener Gesellschaft
vel der 25jährigen Stiftungsfeier der Münchener Anthrooologischen
 Gesellschaft in München zutheil wurde,
ınd hebt rühmend das tiefe Interesse hervor, das der
hohe Gast den anthropologischen und ethnographischen
Forschungen entgegenbringt.
2, Herr Custos Joser SzomBATHY spricht
Ueber die Tumuli von Fischau
nächst Wiener- Neustadt, mit deren Ausgrabung er
soeben beschäftigt ist. An der Hand von drei hübschen
Aquarellskizzen JoHANN VARRONE’s erläutert er die Lage
der Localität im Wallram-Liess am Fusse der durch
aine grosse prähistorische Ansiedelung ausgezeichneten,
die ganze Umgebung beherrschenden Malleiten. Die
Nekropole enthält 13 Tumuli von 1—4 Meter Höhe,
welche in der Regel je ein Grab, und zwar ein Brandzrab
 enthalten. Die Einrichtung eines solchen Brand:
zrabes besteht darin, dass die calcinirten Knochenveste
 vom Scheiterhaufen gesammelt, in einem Häufchen
auf den ebenen Boden gelegt, mit verschiedenen Beizaben
 von Bronze- und Perlenschmuck, eisernen Streitveilen
 und zahlreichen Thongefässen umgeben und
Jann mit einem Steinsatze von unbehauenen Bruchsteinen
 üÜberschichtet wurden. Durch diese Steinüberschichtung
 wurden natürlich alle Beigaben zer-Jrückt
 und müssen nun erst wieder aus ihren Trümmern
 reconstruirt werden, Die Steinsätze nehmen je
10—15 Quadratmeter Flächenraum ein und sind !/, bis
2 Meter hoch. Ueber ihnen sind dann die Tumuli aus
Erde aufgetragen. Eine ansehnliche Suite der Funde
ist ausgestellt und erregt das lebhafte Interesse der
Versammlung, Der Vortragende verbreitet sich aus-“üihrlich
 über die archäologische Stellung der Funde,
ixirt ihr Alter auf das VI. bis VII. Jahrhundert vor
Ohristi, d. i. die ältere Stufe der sogenannten Hallstatt-Periode,
 und weist nach, dass ihre typologische Verwandtschaft
 vollkommen der geographischen Lage des
7undortes entspricht, indem sie einerseits den bekannten
ärabhügelfunden von Oedenburg und anderen ungarischen
 Funden, andererseits den alten Grabhügeln an
ler Donau in Niederösterreich, hauptsächlich jenen von
3emeinlebarn zuneigt, Besonders interessant sind die
an den bronzenen Gewandnadeln (Fibeln) schon für
jene frühe Zeit nachweisbaren Einflüsse der alten
italischen Cultur auf unsere Länder.
3. Herr Dr. MıcHArL HABERLANDT hält einen Vor-Lrag
 über
Die indische Frau.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.