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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 15=25.1895

19] —

BORN den prähistorischen Studien entgegenbrachten,
hat eine Menge sehr fruchtbarer Untersuchungen veranlasst.
 1882 begannen auch die Ausgrabungen zu
Rosegg durch Baron Hauser, die Arbeiten von PAoLO
Orsı und L, v. CAampr im Trentino, von MARCHESETTI
und Professor Moser in Istrien,
Wenn wir von Galizien absehen, welches in dieser
Richtung Bedeutendes unter Initiative der Krakaueı
Akademie geleistet hat, aber. ganz selbstständig vorzegangen
 ist, so hat die 1870 von Wien ausgegangene Anregung
 auf die wichtigsten der im Reichsrathe vertretenen
Länder einen sehr bemerkbaren Einfluss schon inner.
halb der ersten zwölf Jahre ausgeübt, Unsere Gesell
schaft bildete einen geistigen Mittelpunkt für die methodische
 Forschung. Beim Durchblättern dieser Zeitschrift
werden Sie kaum einen der wichtigeren Gesichtspunkte
vermissen, welcher die europäischen Prähistoriker in
diesem Zeitraume beschäftigt hat. Die Cooperation von
FREIHERRN V. SACKEN, Welcher nach dem Ableben Rokxı-TANSKY’s
 das Präsidium 1879—1882 inne hatte, und
von Dr. Mucy, unserem wissenschaftlich und administratiy
 von 1876 bis incl. 1883 überaus thätigen
Secretär, vereinigte in seltenem Maasse die geistigen
Vorbedingungen zur Ueberführung der eifrigen
aber zum Theile ungeschulten Bestrebungen
in exactere Bahnen. In dieser Zeit vollzog sich auch
mit dem Eintritte von Orro BennDorr (1882) eine für
uns so bedeutungsvolle Annäherung der classischen
Archäologie, BENnDorF’s Vorträge, seine Theilnahme an
verschiedenen, von HocHSTETTER und WURMBRAND angeregten
 Discussionen über die Cultur der Hallstätter
Epoche haben uns vielfältig gefördert,
Unsere Thätigkeit auf dem Gebiete der physischen
Anthropologie wurde 1871 eingeleitet durch
MeEynErT (Unterschied im Gehirnbau der Menschen und
Säugethiere), durch den wichtigen Vortrag des Hofrathes
K. v. LAnGEr über Gesichtsbildung, durch die Arbeiten
und Discussionen über den Schädel von Brüx, an
welchen besonders Dr. v. LuscHAN und WoLDRIıCH betheiligt
 waren. Daran schliessen sich bald kKraniologische
 Arbeiten von Dr. Emm ZUCKERKANDL und
Dr. WEeıssBAcH. Der erstgenannte Forscher veröffentlichte
ausserdem 1875 die Beschreibung des auf der Novara-Expedition
 gesammelten Schädelmateriales, Dr. Wxır18-BACH
 hat Körpermessungen an verschiedenen Menschenrassen
 1877 in der Berliner Zeitschrift für Ethnologie
veröffentlicht, Prof, Dr. BEenzDıiKT hat in unseren Mittheilungen
 vielfach kraniometrische Fragen behandelt
(1879, 1880, 1881). Kleine Beiträge verdanken wir
Dr. FzELix LuscHAN, A, B. Meyer, Dr. WANKEL.
Für die Ethnographie waren wir anfänglich fast
gänzlich auf die überaus fruchtbare Unterstützung
FRIEDRICH MÜLLER’S angewiesen, Von 1876 an fanden
Erörterungen über die ethnographischen Verhältnisse
der Balkanhalbinsel, zunächst an der Hand der Beobachtüngen
 unseres berühmten Balkanforschers F, Kanıtz,
statt. Die Arbeiten von FLIGIER auf diesem Gebiete
sind allerdings wichtigen Einwänden begegnet, Wi
können sie nur als Anregungen auffassen zur Verfolgung
 jener Bemühungen, welche durch RösLEer (rumänische

 Studien 1871), durch HunrAnıvy und SOHWICKER
rom historischen Standpunkte aus unternommen, von
MIKLOSICH, GEITLER, TOMASCHEK Mit den Mitteln exacter
Sprachforschung weitergeführt wurden. Die Lösung der
frage über den Ursprung und die Vertheilung der Rumänen
oildet einen Angelpunkt der Ethnographie Osteuropas.
jegen das Ende der 1870er Jahre stellten sich Beiträge
von Custos HrGEer, Hofrath A. B. Meyer, Dr. RıcHARD
ANDREE u. Ss. w. in sehr willkommener Weise ein.
Unsere collective Thätigkeit in jener Epoche äusserte
sich ausserdem in der Betheiligung an der retrospectiven
\usstellung im Trocadero, gelegentlich der Pariser Ausstellung
 1878, ferner in den von uns veranstalteten
Wanderversammlungen in Laibach 1879, in Salzburg
1881; an der letzteren Versammlung haben die deutschen
Anthropologen, dem Beispiele RuDoLF VıircHow’s folgend,
zu unserer Befriedigung sich lebhaft betheiligt.
Im Jahre 1882 geschah ein weiterer erfolgreicher
Schritt. Wir fassten den Beschluss, einen Fond für
»raktische Arbeiten zu schaffen, Da wir damals nur
170 Mitglieder zählten, konnten wir nur auf ausserordentliche
 Zuflüsse für diesen Zweck rechnen, Durch
lie Gnade Seiner Majestät des Kaisers wurde uns neben
ziner regelmässigen Jahressubvention ein weiterer namıafter
 Betrag aus Allerhöchst dessen Privatcasse bewilligt.
 Diese hochherzige Initiative hat. die Ungunst
ınserer materiellen Verhältnisse einigermassen ausgeglichen.
 Sie versetzte uns in die Lage, die für
3äine Erfahrungswissenschaft unerlässliche Beschaffung
les Materiales in etwas rascherem Tempo zu betreiben,
\n diesem festlichen Tage sei hiefür unserem erhabenen
Monarchen unser unauslöschlicher und ehrfurchtsvollster
Dank dargebracht. Das hohe k. k. Unterrichtsministerium
hat uns wiederholt für bestimmte. Aufgaben Extralotationen
 bewilligt und uns zu tiefem Danke veroflichtet.
 Viele Private schlossen sich diesem Beispiele
ın; so spendeten uns WıLHELM R. v, GUTMANN, Fürst
FERDINAND KInNsKY, BARON KÖniGSWARTER, BARON KÜBECK,
ärRAF WiLoczEK, GrAFr WurMmBRAnND, Fürst WiınDIiscH-3rÄTZ,
 MiLLER v. AIcHHOLZ, Wiener v. WeLTEn, Herr
?, v. ZwıigLiTz, Fräulein ANNA GROHMANN, I, SPÖTTL,
TÜRST SCHWARZENBERG, FÜRST CLArRY im Laufe der Jahre
namhafte Beiträge zu diesen Zwecken. Wir werden die
Namen dieser uneigennützigen Förderer der Wissenschaft
in Ehren halten.
Diese günstigen Verhältnisse kamen allerdings in
ırster Linie der Urgeschichte zugute. Nur das Wichjgste
 hervorhebend, erinnere ich an die von Custos
), SzomBATHY und V. RapDımsKy ausgeführten Auszrabungen
 bei Wies (1882, 1883), an die Arbeiten der
JTerren A, B. MEvEr, SzomBATHy, M. Hoxrnes auf der
Jurina (1884—1887), an die Grabungen des Professors
7r. v. Wırser in Hötting bei Innsbruck (1883), an
die Untersuchungen SzomBATEY’S in Gemeinlebarn, in
Zosegg (1884), an jene von Dr. M. Hozrexss in St,
Michael (1886), Oedenburg und Istrien (1890—1892).
1892, 1893 und 1894 hat Herr SzomsBATHY die prähistorische
 Forschung nach Dalmatien und in die Bukowina
 mit Hilfe dieses Fonds getragen und somit eine
der wichtigsten Aufgaben der Gesellschaft, die Anregung
            
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