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£inzelserien mehr weniger verschieben. Mit einem Worte,
wir. werden die absolut exacte Definition des Normalen
und Abnormen, des Typischen und Atypischen für uns
Menschen als unerreichbar halten müssen und deshalb
auf eine etwaige Discussion derselben fortan nicht
einmal eingehen. Inmitten dieser Beschränktheit unseres
Könnens und Wissens werden wir aber umsomehr streng
an das Prineip der Dreitheilung jeglicher speciellen
Variationen der Schädelformen halten müssen, um überhaupt
eine Ordnung und ein einheitliches System bei
den Vergleichungen der einzelnen Schädel oder Schädel:
gruppen ermöglichen zu können. Wie gesagt, wir werden
jedwedes kraniometrische Merkmal (sei dies der Maass:
werth selbst oder seine Verhältnisszahl) in drei Gruppen
oder Typen eintheilen, so dass die regelrechte Gruppeneintheilung
fürderhin nicht mehr den Gegenstand einer
Discussion bilden kann; denn hiezu zwingt uns sowohl
die Logik, wie auch die Mathematik. Wir wissen z. B..
dass es 19 Jahre gedauert hat, bis man die Nothwendigkeit
der Einschaltung einer Mesocephalie (zwischen
Dolicho- und Brachycephalie) eingesehen hat, und wir
zind heutzutage Zeugen der Discussion: ob es nicht
zweckmässig wäre, ausser den beiden bisherigen Gruppen
(Typen) des Gesichtes, nämlich zwischen der (nach
zweierlei Richtung inco:rect genannten)!) Chamae- und
Leptoprosopie auch noch die Mesoprosopie in die
Charakteristik der Schädelformen aufzunehmen? — Und
nota bene! auf diese Frage ist man erst gekommen
nachdem man die Charakteristik des Gesichtes sei!
bereits mehr als 10 Jahren in die Kraniometrie all.
gemein aufgenommen hat, Vom Standpunkte der Logik
müssen wir doch einsehen, dass, wenn es zwei extreme
Stufen gibt, es unbedingt auch eine Mittelstufe der
Vergleichung geben muss. Vom Standpunkte der Mathematik,
nämlich der (auf die Theorie der kleinsten Quadrate
sich stützenden) Wahrscheinlichkeitsrechnung
müssen wir der Mittelstufe == Centralgruppe geradezu
die grösste Wichtigkeit beimessen, da wir wissen: dass.
wenn in der That Dasjenige, was wir heute Chamaeprosopie
und Leptoprosopie nennen, wirklich die endstehenden
(extremen) Gruppen der Gesichtsformvariationen
ausdrückt, die Mesoprosopie unbedingt eine
grössere Anzahl der Einzelfälle der Variationen der
Gesichtsform in sich schliessen muss, als die Leptooder
die Chamaeprosopie. Es kann nicht dem geringsten
Zweifel unterliegen, dass die Mehrheit der gesammten
Menschen eine mesoprosope Gesichtsform haben muss,
was aber nicht im geringsten Widerspruche zu dem ist,
dass bei den einzelnen Menschengruppen bald die
Chamae-, bald die Leptoprosopie überwiegt, Und wenn
wir die Schädelform als eine „zufällige Erscheinung“
hetrachten. so werden wir die Thatsache: dass bei der
ı) Wie Sie schon in Ihrem an Prof, Szercı gerichteten
Antwortschreiben richtig bemerkten, ist die griechische Benennung
des niedrigen Gesichtes = „Chamaeprosopie“
sinnlos, weil das griechische Wort yapoal — parterre = auf
der Erde bedeutet; aber auch die Logik dieser beiden Benennungen
.ist falsch,. denn diese beiden Gesichtstypen können
zu einander nur im gegensätzlichen Sinne aufgefasst werden:
der logische Gegensatz vom „Niedrigen“ ist aber nur das
Hohe“ und nicht das „Schmale“ = Aentoe.
verschiedenen Menschengruppen ganz launenhaft bald
Jie eine, bald die andere der drei Vergleichungsstufen
= Typen (Dolicho-, Meso-, Brachycephalie, Lepto-, Meso-,
Chamaecephalie, Pro-, Meso-, Orthognathie etc.) überwiegt,
als eine ganz natürliche auffassen, wenn ‘wir
auch nicht die näheren Ursachen dieser uns jetzt noch
'aunenhaft erscheinenden Thatsachen kennen, Es wäre
aben eine der Hauptaufgaben der vergleichenden Kranio-‘ogie,
alle uns zugänglichen Momente der Schädelformation
in Bezug auf die inneren und äusseren Fac-:oren
(Abstammung, Kreuzung, Klima, Nahrung, physische
und psychische Momente, Beschäftigung ete.) einer
;ystematischen Analyse zu unterziehen, um die Ursachen
der specifischen Schädelformen der einzelnen
Menschengruppen näher kennen zu lernen; denn nur
zuf diese Weise wird es möglich sein, die Schädelformen
innerhalb eines natürlichen Systemes sicher
„Jassificiren zu können. Wie ausserordentlich weit wir
aber noch von dieser Aufgabe sind, beweist am besten
Jas bisherige Verfahren der Charakteristik der Typenvestimmung
und der Typeneintheilung der Schädel-“ormen.
Behufs der Charakteristik beschränkten wir uns
nämlich auf nur einzelne zusammenhanglose Maasse;
wir besorgten die Bearbeitung dieser Maasse nur bis
zur Berechnung der arithmetischen Mittelzahl, sowie
der Procente, und aus den rohen Ergebnissen dieser
Berechnungen stellten wir die Typen auf und theilten
Jie Schädelformen der Menschengruppen in gewisse
Kategorien ein, und auf Grundlage dieser Manipulation
xählten wir dann die Musterschädel für die einzelnen
Schädelgruppen aus, was Alles höchst leicht und bequem
st. Wir vermeinten, dass es in der Natur constante
Typen gibt, dass nämlich dieses oder jenes charakte-‚istische
Merkmal immer mit diesen oder jenen
ınderen. charakteristischen Merkmalen verbunden sein
muss. Auf diese Meinung hin stellten wir dann die Gesetzmässigkeit
der Correlation in der Schädelform auf,
ınd wenn unsere aprioristische Speculation mit den
-.hatsächlichen Beobachtungen am Schädel nicht in
Binklang gebracht werden konnte, so dachten wir sofort
ıuf irgend eine Störung in der vermeintlichen Gesetzmässigkeit(„,
Anomalie“ oder auf „Blutmischung“ u. dgl.),
ohne den geringsten Nachweis liefern zu können:
warum unsere Speculation schon über alle Zweifel
;jchtig sein müsste und warum die unseren Specula-‘jonen
widerspenstigen Beobachtungen gerade nur auf
Störungen des normalen, des typischen Zustandes der
Schädelform zurückgeführt werden müssten. — Bei dieser
inseitigen Auffassung des Typus, sowie Bestimmung
der Charakteristik der Schädelform vermeinten wir,
solche Schädelformen als mustergiltige Exemplare des
;harakteristischen Typus ausfindig machen zu können,
Jie diesen Typus nach jeder Richtung gleichmässig
zusgeprägt aufweisen. — Und Keiner bedenkt, dass
solche Musterschädel innerhalb unserer höchst beschränkten
Beobachtungsreihen überhaupt nicht vorkommen
können, was wir schon vermöge des Begriffes
aäiner wahren Centralform der Schädelformvariationen
einsehen müssen und was ich hier durch einfache —+
zu jeder Zeit cantrolirbare — Thatsachen der Forschung