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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 15=25.1895

— 146

zrossen Rosetten die Buchstaben N. K. und die Jahres
zahl 1798 eingeschnitten. Wenn auch der Ort (Deutsch-Schützen)
 nicht, aus dem das Rollbrett stammt, so
scheinen doch die lateinischen Buchstaben und der
magyarische Name der Frau, in deren Besitz ich
das Brett gefunden, darauf hinzuweisen, dass das
Brett von einem Magyaren angefertigt wurde. Da ich
auf meinen Ausflügen in die deutschen Dörfer der
Umgebung trotz eifrigen Forschens nach beschnitzter.
Rollbrettern lange Zeit unter der Menge von Rollbrettern,
 die mir unterkamen, kein solches fand; das
beschnitzt gewesen wäre, so war ich der Anschauung,
dass die Gepflogenheit, Rollbretter zu verzieren, sich
nur auf magyarische Gegenden beschränke. Gelegentlich
 meines Ausfluges in die Heanzerei erhielt ich
nun in dem Hause Nr. 113 der Witwe Rosina Jany
in Oberschützen, also in einem ganz deutschen Dorfe.

Fig. 232. Ein

ein Rollbrett, das, obzwar in ganz anderer Manier,
aber doch beschnitzt war. Auch dieses Rollbrett zeigt
die Zahl des Jahres, in dem es angefertigt wurde:
1780, nicht aber auch die Anfangsbuchstaben des
Namens seines ehemaligen Besitzers oder Verfertigers.
Fig. 231 gibt das Bild dieses Rollbrettes. In Hinsicht
auf die Art und Weise, in der die Schnitzerei auf
diesem Brette ausgeführt wurde, sei noch erwähnt.
dass sowohl die einfachen Schnitte (Rillen), als auch
die umrahmten Kreuze, die wahrscheinlich Blumen
vorstellen sollen, mit dem Messer vorgeschnitten und
dann jedenfalls mit einem glühenden Eisen ausgebrannt
 wurden. Ob der Hahn, der in der unteren
Hälfte des Brettes eingeschnitzt ist, nicht etwa eine
sympathetische oder andere Bedeutung habe, vermochte
ich durch die Frau, die mir das Rollbrett zum Geschenke
 machte, nicht zu erfahren.
Ein weiteres Rollbrett, das unter Fig. 232 abgebildet
 ist, kam mir erst kürzlich durch Vermittlung
meines Freundes, Lehrer M. Gross aus Stoob, alsc
wieder aus einem rein deutschen Dorfe zu. Die beschnitzte
 Seite dieses Rollbrettes weist in seiner
abersten Theile. dem Stiel gegenüber, die Jahres

zahl 1751 auf. In der Kehrseite ist der Name „5enß
Rebbel“ eingeschnitten. Träger des Familiennamens
Xöppel (so wird der Name heute geschrieben) gibt
as in Stoob auch jetzt noch. Der mit deutschen
‘'gothischen) Buchstaben geschriebene deutsche Name
ınd der Umstand, dass das Rollbrett aus einem rein
Jeutschen Orte ist, beweist, dass sich auch Deutsche
nit der Anfertigung beschnitzter Rollbretter befassten.
Der beste Beweis aber, dass sich die Gepflogenheit,
Rollbretter zu beschnitzen, nicht, wie ich anfangs
irrthümlich annahm, nur auf ungarische Gegenden
beschränkt, sondern dass sie auch von den Deutschen
in Westungarn geübt wird, ward mir erst vor ganz
kurzer Zeit in Harkau (bei Oedenburg), wo ich einen
Mann fand, der es auch heute noch versteht, die
Rollbretter in der jedenfalls althergebrachten Manier
zu verzieren. Ob nun die Gepflogenheit des Be-Rollbrett

 (1 : 6).

schnitzens von Rollbrettern mittelst des Kerbschnittes
oder, im Allgemeinen genommen, der Kerbschnitt
eher von den Magyaren oder von den Deutschen geübt
 wurde, lässt sich heute, bei dem geringen vorliegenden
 Materiale und bei der Unsicherheit in der
Feststellung, aus welcher Gegend ältere Objecte stammen,
 noch nicht beurtheilen.
Bezüglich der Motive, welche der Schnitzerei
auf dem Rollbrette, das ich unter Fig. 230 wiederyab,
 zu Grunde liegen, verweise ich darauf, dass die
yrössere der beiden Rosetten eine Erweiterung jener
ist, die ich auf dem Durchzugsbaum im Hause
Nr. 113 in Oberschützen fand und oben Fig. 204
zbbildete. Die kleinere der beiden grossen Rosetten
and die beiden kleinen rechts und links von der
Jahreszahl, dann die beiden anderen in den oberen
ücken desselben Brettes gleichen der schönen Rosette
auf dem Durchzugsbalken im Hause Nr. 98 in Oberschützen
 (oben unter Fig. 205), nur sind die Schnitte
Jort krummlinig, während sie in den Rosetten auf
lem Rollbrette geradlinig sind. Auf dem in Rede
stehenden Rollbrette kommt ferner die Herzform
zsiebenmal ale Verzierungsmotiv vor. Aus sechs dieser
            
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