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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 15=25.1895

142 —

auch fehlen sie ganz. Die Thüre, welche in den
Kitting führt, ist fast immer aus starkem Eisenblech
Das Innere des Kittings ist durch eine Trambalkendecke
 in zwei Theile getheilt. Der untere Theil ist
der eigentliche Kitting und der obere, zu dem eine
Stiege emporführt, wird Kittingboden genannt. Unmittelbar
 auf dem Gewölbe des Kittings ruht das
Dach. Um das Gesagte zu veranschaulichen, bringe
ich in Fig. 223 den Durchschnitt eines Kittings.
Dem Heanzen ist der Kitting das, was dem
Bauern in der Gegend Oedenburgs der Schüttkasten
ist. Ist im Herbste das Getreide gedroschen, so wird
die „Frucht“, so lange sie noch „zach“ (zähe) ist,
auf den Boden im Kitting ausgebreitet. Ist sie „tia‘“
dürr. trocken) geworden, so kommt sie in Fässer. Es

Fig. 224. Ein „Stihi“. geschlossen (1 : 2

stehen davon vier oder fünf im Kitting. Ein weiteres
grösseres Fass von besonderem Aussehen und zu besonderem
 Zwecke führt einen eigenen Namen. Es
ist dies der „Stibi“. Der Stibi fasst gewöhnlich 7 oder
8 Metzen, oft auch 10 oder 11. Er dient zur Aufnahme
 des „Träad“ (Korn, Roggen). Während Weizen,
Gerste und Heiden (Buchweizen) in Säcken zur
Mühle kommen, - wird der Roggen im Stibi dorthin
gebracht,
Der Stibi hat die Form eines gewöhnlichen
Fasses, nur ragen vier Dauben, wovon sich je zwei
gegenüber befinden, über den Rand des Fasses empor.
Die vorstehenden Enden dieser Dauben sind durchbohrt.
 Die Eigenart, in welcher der Stibi gefüllt
und geschlossen wird, rechtfertigt ein näheres Eingehen
 darauf. Das Fass wird vorerst bis etwa zur
Hälfte gefüllt, dann kommt der „Stibisäck“ in das
Fass. Der Stibisack ist so weit wie das Fass und

ıat keinen Boden. Das obere Ende des Sackes wird
iber den Rand des Fasses umgeschlagen und der
Stibi dann „gegupft“ (gefüllt). Den Sack bindet man
ıun so knapp als möglich zu. Auf den zugeknüpften
Sack kommt jetzt die „Stibihüll’“. Es ist dies ein
zreisrunder, aus Stroh geflochtener Deckel, Ueber
jem Deckel werden die „Stibiprig’l“ durch die
Löcher der vorstehenden Dauben geschoben. Ueber
lie „Stibiläata‘“ (Stibileiter) wird schliesslich der
Stibi auf den Wagen gerollt, um in. die Mühle
zebracht zu werden.
Das Mehl wird auf dieselbe Weise wieder in den
Stibi gefüllt, nur muss es, da es sonst nicht unterzebracht
 werden könnte, in den Stibi getreten
werden. Im Stibi bleibt das Kornmehl verwahrt,
bis es aufgebraucht ist. Fig. 224 zeigt einen
geschlossenen Stibi.
Das Weizenmehl steht auf drei oder vier Bänken
‘ Mehlpönk“) in 12-—15 Strohkörhen auf dem Kitting-Fig,

 2925.

Ein Mehlkorh (Strohgeflecht: 1:8\

ooden. Fig. 225 gibt das Bild eines Mehlkorbes.
Die Mehlkörbe haben die Form der Brotkörbe
‘„Simpa’1“), sind jedoch viel grösser als diese. Bevor
las Mehl in den Korb kommt, muss. es mit dem
‚Mehlsieba‘l tua‘g’faht“ (gesiebt) werden. „Paund’l“
Bohnen), „Äa‘was“ (Erbsen), „’s Linsat“ (Leinsamen)
ınd „’s hintarı Träad“ (Ausschuss) werden in eigenartig
 geformten Körben („zuitip’lti') Kea’p“) aufjewahrt.
 Fig. 226 gibt das Bild eines kleinen Korbes
dieser Form. Die Form dieser Körbe erinnert lebhaft
an die Form von Graburnen, wie sie gerade auch in
ınserer. Gegend. (Burgstall bei Oedenburg) gefunden
werden, und man ist beim Vergleiche dieser Formen
’ast gezwungen, an eine Tradition derselben zu denken.
Man macht Körbe von einem Metzen Inhalt, und
mein College S. Pauss in Harkau versichert mich,
lass man in seinem Heimatsorte Jormannsdorf bei
Oberschützen selbst auch den Stibi anf dieselbe

1) Tip’l wird eine Beüle genannt. Ein „zuitip'lta‘“ Korb
ist also ein solcher, der dadurch, dass er sich nach oben
zerenegt. „tip’l1“- oder beulenförmige Gestalt erhält
            
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