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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 15=25.1895

— 140 —

Besitzstand. Er wollte mir genaue Auskunft ertheilen,
setzte sich hinter den Tisch, holte einen Schlüsse!
hervor, steckte ihn in ein Loch in der Zarge und
schob hierauf die Tischplatte über der Zarge von
sich. Ich wurde nun gewahr, dass sich unter deı
Tischplatte ein geräumiges Fach ‚vorfand, das die
ganze Zarge ausfüllte und durch einen Boden von
der Tischlade getrennt war.. In die Tischlade sind
Fugen eingelassen, die über zwei hineinpassende.
schwalbenschwanzförmige Leisten hinlaufen. Die Platte
kann also nicht abgehoben, wohl aber zur Versicherung
 noch mit einem Schlüssel, wie bereits erwähnt,
 gesperrt werden. Dieser Raum, der keine
eigentliche Bezeichnung führt — man sagt einfach
„ob’m in Tisch“ — ist sozusagen die Schatzkammer
des Bauern. Er verwahrt hier sein Geld, seine Papiere.
Sparcassebücher, sein Petschaft etc. Weiss man dies,
so kann man sich auch denken, weshalb der Tisch
var so massıv gearbeitet ist.

ler Bestandtheile des Bettgestelles („Peittstätt“) sind
in der Heanzerei die folgenden: „pain Hap’m“ wird
jas Kopfende, „pain Fiass’n“ das Fussende genannt.
Die beiden Längstheile heissen die „Päittschwänga‘“!).
 Zum Schutze gegen die Feuchtigkeit
in der Wand wird ein auf zwei Füssen stehender
‚Peittläd’n“ zwischen das Bett und die Wand gegeben.
Das Bett selbst („’s Päi‘g’wänd“) liegt auf den
‚Pei‘pr&id’ln“, Die Beine des Bettes werden „Pöitt-;chinga‘“
 genannt. Die Betten sind zumeist sehr
jreit. Es kommt nämlich bei Familien, die viele
Slieder zählen, durchaus nicht selten vor, dass drei
Xinder in einem Bette schlafen müssen. Damit im
Schlafe nicht eines durch das andere aus den Betten
zedrängt werden kann, werden zwischen den vorderen
 Längstheil des Bettes und den Strohsack Bettscheren
 („Peittscha‘“) gesteckt. Man verwendet davon
gewöhnlich zwei von der unter Fig. 220 oder nur
eine von der unter Fig. 221 abgebildeten Form. Die

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Fig. 220. Einfache Bettscheere.

In die Tischlade kommen das Tischtuch, die
Löffel, das Brotmesser und das Brot.
Nehmen mehrere Personen am Mahle um den
Tisch Platz, so sitzen sie in der Regel nicht auf
Stühlen, sondern auf Bänken, die an den Tisch gebracht
 werden. Die Stühle stehen auch in der Heanzerei
nicht um den Tisch, sondern in einer Reihe den
Betten entlang.
Die Betten, meist zwei in einem Zimmer, haben
in der Heanzerei fast überall keinen „Himmel“ mehr.
Findet man wirklich in einem Hause noch ein
Himmelbett, so steht es gewöhnlich in dem dritten,
neben der Einfahrt gelegenen, durch den Ausbau des
Hauses gewonnenen einfensterigen Zimmer, das selten
betreten wird. Diesem Zimmer sieht man es auf den
ersten Blick an, dass es eine Neuerung bildet, mit
der der Bauer nichts anzufangen weiss *). Es ist meist
spärlich möblirt. Alle Ausstattung besteht gewöhnlich
aus dem, weil nicht mehr modern, beiseite geräumten
Himmelbett und ein paar alten Truhen. Die Namen
a 1) In Oberschützen speciell wird das dritte Zimmer von
den Bauern häufig an Schüler der dortigen Schulanstalten
(Unterrealschule, Untergymnasium und Lehrerbildungsanstalt.
die Besitzthum der Gemeinde sind) vermiethet.

Fie. 221.

—noatzte Bettscheere.

Bettscheren werden tagsüber am Kopfende in’s Bett
velegt.
Das Bett selbst bereitet‘ die Bäuerin auf folgende
Weise. Auf die Bettbretter kommen vier „Scha‘“
Schauben) Stroh, und zwar so, dass die Köpfe
zweier gegen das Kopfende und die Köpfe der
anderen beiden gegen das Fussende gerichtet sind.
Dann werden die Strohbänder gelöst und die Halme
3o geordnet, dass sie eine gleichmässig dichte Unterlage
 bilden. Auf diese kommt dann der Strohsack,
zefüllt mit „Rittsträh“. Man nimmt dazu zwei
Schauben, vorgezogen werden jedoch zum Füllen des
Strohsackes die Deckblätter vom Kolben des Kukuruz
‘„Gugariz-Feida‘'n“). Auf den Strohsack kommt
dann das Leintuch („Peittui‘“) in der Gegend von
Oedenburg auch „Laila‘“ geheissen. Auf diesem liegt
sp im Anlaute ist in der heanzischen Mundart (Gegend
von Öhberschützen) in schw verwandelt, man spricht also
„schwül'n, schinna’, Schwiez“ (mas.), statt „spielen, spinnen,
Spitze“ und unter „Peittschwänga’“ sind also Bettspangen
zu verstehen.
            
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