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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 15=25.1895

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nannte, in das Zimmer und. in den Schlot hinauf
befördern zu können. Bei Tobias Posch fand ich
noch einen solchen Kienleuchtenbesen und unter
Fig. 213 gebe ich das Bild davon.
Früher hatte man in jedem Hause OÜberschützens
eine Kienleuchte, jetzt bestehen deren im ganzen
Orte meines Wissens nur mehr vier, aber auch von
diesen ist seit etwa 10 Jahren keine mehr im Gebrauch.
 Tobias Posch, ein recht tüchtiger Landwirth
mit praktischem Sinne, lässt seine Kienleuchte noch
bestehen, weil sie ihm einen trefflichen Ventilator
abgibt. Als die Kienleuchten bereits in der Abnahme
waren, versammelten sich die Mädchen während der

In unmittelbarer Nähe der Kienleuchte befindet
sich in den heanzischen Stuben an der Fensterseite
les Durchzugsbaumes die „Pialstöll’n“ (das Bücherzestell)
 angebracht. Sie hat, so viel ich in der Heanzerei
,eobachtete, überall dieselbe Form. Fig. 214 zeigt
las Bild des Büchergestelles aus dem Hause der
Rosina Jany, Nr. 113, in Oberschützen. In Agendorf
fand ich in der Kammer des Bauern Leopold Lostorfer
lie einzige zweietagige „Pialstöll’n“, welche mir bis
jetzt unterkam. Sie war, wie ich bereits oben erwähnt
 habe, schon ausser Gebrauch gesetzt.
An den beiden Wänden, welche die Ecke bilden,
ın der der Tisch steht. ist oben nahe der Zimmer-7



Fig, 213. Ein „Kienleuchtenstangel“ (1 : 50).

decke die „Schiss’lstäl’n“ angebracht. Ich bilde eine
solche unter Fig. 215 ab. Ich habe sie im Hause
Nr. 113 in Oberschützen skizzirt. Sie zeigt Aehnlichkeit
 mit der von Dr. Msrıneer, Bd, XXI, S. 115,
Fig. 125, abgebildeten „Stell“ aus Alt-Aussee. Während
die Ausseer „Stell“, wie ich nach der Zeichnung
urtheile, nur zum Aufhängen von Geschirren dient,
können an der Oberschützener oder hasser heanzischen

Fig. 212. „Kienleuchtenrost“ aus dem Hause Nr. 113 in
Oberschützen (1 : 10).

Winterabende mit ihren Spinnrädern mit Vorliebe
besonders in solchen Häusern zur „Spinnstube“, in
welchen noch bei dem hellen Lichte der Kienleuchte
gesponnen werden konnte ?}.

1) Dr. Meringer erwähnt Bd. XXI, S. 109, dass er in
Stuben von Bauernhäusern in Alt-Aussee an der Decke Holzklappen
 gesehen habe, die dazu gedient haben, die warme
Luft des Zimmers in den „Mauf“ oder auch in die „obenaufige
 Kammer“ hinaufströmen zu lassen. Ob die Oeffnung,
welche die Klappe verschliesst, ehedem nicht etwa die Oeffnung
für den Schlauch einer Kienleuchte gewesen sein mag? Ich
erinnere mich ganz gut, dass ich in Kärnten als Knabe in
den Küchen der Bauernhäuser habe Spanlicht brennen
sehen, auch in der „Lab’n“, doch nie in einer Stube. Man
Mittheilungen d. Anthrov. Gesellsch. in Wien. Bd. XXV. 1895

Fig. 214. Fine „Bücherstell’n“ (1:10)

„St&El’n“ nicht nur Krüge und Flaschen aufgehängt
werden, man kann auch Teller und Schüsseln auf
las Tragbrett derselben stellen. In der Gegend von
Jedenburg hat dieses Object ganz dieselbe Form.
nicht aber auch den gleichen Namen.
Dr. Mermocer macht zur Bezeichnung „Schüssel-:em“,
 Bd. XXIII, S. 164, folgende Anmerkung: „In
Niederösterreich und an der ungarischen Grenze habe
ich „Zimmasn“ gehört. In Payerbach versicherte mir

>rauchte zur Beleuchtung das Oellämpchen. Bevor dies in
zebrauch kam, wird man dort wohl auch eine Kienleuchte
zehabt haben. ebenso in der Gegend von Aussee. Gesehen
1abe ich zwar in Kärnten keine mehr.
            
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