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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 15=25.1895

— 129 —

Bratspiess der Länge nach so durch das Thier ge
schoben, dass er zugleich auch durch das Loch der
„Seele“ kam. Auf diese Weise wurde das Geflügel
in gewünschter Weise am Spiesse festgehalten, und
die „Seele“ bildete jetzt wirklich die Seele ‘des
Thieres.
Ueber die Verwendbarkeit des von mir unter
Fig. 192 abgebildeten Feuerrosses möchte ich ‚noch
eine Bemerkung machen. Dadurch, dass die Haken
an diesem Feuerrosse eine seitliche Stellung haben.
dass sie senkrecht zur Längenachse des Rosses stehen,
scheint es möglich, dass dieses Ross zum Träger
eines Bratspieses verwendet werden konnte, ohne ein
zweites Ross, einen Spiessständer oder eine andere
Unterlage zu gebrauchen, wie dies auch bei einem
von MaerınGer, Bd. XXI, S. 163, aus Plain bei Salzburg
 abgebildeten Feuerrosse, an dem die Hörner
des einen Bügels senkrecht zur Achse stehen und
das am zweiten Bügel ein Loch in der Richtung der
Längenachse hat, möglich wäre. Beim Braten eines
Bratens auf dem Spiesse ist es aber eine Hauptbedingung,
 dass der Braten fortwährend mit Fett
übergossen werde. Das abfliessende Fett wird durch
eine flache Pfanne, die Bratpfanne, aufgefangen. Ist
nun aber das Feuerross zugleich Träger der brennenden
 Holzscheiter, so müsste das abtropfende Fett,
das auf die Scheiter fallen würde, verloren gehen.
Auch würde das Feuer, meiner Ansicht nach, wenn
nicht sehr lange Scheiter in Verwendung wären, den.
Braten zu nahe sein; denn, wie auch MErinGEr be
merkt, darf der Braten nicht vom Feuer direct.
sondern nur von der Hitze gebraten werden. Eine
Verwendung des in Rede stehenden Feuerrosses in
der Weise, wie sie mir Herr Fabrikant Sroye geschildert,
 sowie auch das Gebrauchen des erwähnten
Feuerrosses aus Plain als alleinigen Träger des
Spiesses scheint mir nach dem Gesagten nicht gut
möglich, selbst auch für den Fall nicht, als ein
zweites Ross als Träger der Scheiter in Anwendung
käme, da dann ein Theil des abtropfenden Fettes
vom wagrechten Balken des Rosses aufgefangen
werden würde.
Ich bin in der angenehmen Lage, auch über den von
Merınger, Bd. XXI, S. 106, erwähnten „Prat’lpräta‘“
Näheres mittheilen zu können. So wie er nach
Merıncer in der Gegend von Aussee vorkam, so
stand er unter dem gleichen Namen auch in. der
Gegend von .Oedenburg in Gebrauch. Ich war so
glücklich, noch zwei Exemplare dieses interessanten
Geräthes in Oedenburg selbst aufzufinden. Das eine
Mittheilungen d. Anthrop. Gesellsch. in Wien. Bd. XXV. 1895

steht bei Herrn Gore Sroyr: und das andere bei
Herrn Axrox Sroyr. Beide sind von verschiedener
Ainrichtung. Das ältere Exemplar ist wohl das des
Herrn Anron Stoye, Es wird durch ein Gewicht in
3Zewegung gesetzt. Fig. 194 bildet es ab. Dieser
‚Prat’lpräta‘“ hat als Hauptbestandtheile ausser dem
äsernen Gestell zwei Holzwalzen und mehrere Zahn-‚äder..
 An die Enden der verlängerten Achsen der
deiden grossen Zahnräder und der oberen Walze
vurden die Bratspiesse gesteckt. Ein Seil, das zum
Theil an der oberen Walze aufgewickelt war, lief
über die untere Walze und von dort schräg hinauf
zur Decke der Küche, dort über eine Rolle wagrecht
zu einer der Küchenwände und an dieser wieder
über eine Rolle an der Wand herab. Unten hing am

Fig. 194. Ein „Prat’loräta“ (1:14)

Iinde des Seiles das Gewicht. Dieses musste am
\pparate mittelst einer Kurbel wieder aufgezogen
werden, wenn es dem Boden bereits nahe war. Herr
5TOYE sagte mir, dass man, um das ofte Aufziehen
zu ersparen, wenn es die Anlage des Herdes erlaubte,
las Seil bis hoch in den Schornstein hinaufführte
ınd ausserdem in dem Boden der Küche eine Verjefung
 herstellte, in welche sich das Gewicht senken
zonnte. Auf solche Weise wurde der Weg, den das
xewicht zu durchlaufen hatte, ein möglichst langer.
Jamit das schwere Gewicht den ganzen Bratelbrater
vom Herde nicht in die Höhe ziehe, konnte die
Maschine an der Herdsohle befestigt werden. In dem
untersten wagrechten Theile jedes der vier Beine
waren längliche Schlitze angebracht. In diese passten
rier eiserne durchbohrte Dornen, die in den Herd
aingemauert waren und aus der Oberfläche desselben
ıervorragten. Standen die Dornen in den Schlitzen
            
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