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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 15=25.1895

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bildet, und Sterzkreuze, wie sie Dr. Mermosr unter
Fig. 54 und 56 in Bd. XXIII d. M. aus Spital am
Semmering wiedergibt, habe ich in der Heanzerei
and auch in der Gegend von Oedenburg keine gefunden.

Strudel und Niegel werden auf dem „Transchia’“-preid’1“
 ganz auf den Tisch gebracht und hier vom
Hausvater in so viele Stücke zertheilt, als Personen
am Tische sitzen. Jedem wird also sein „Thäal“
(Theil) zugemessen. Er kann von dem Betreffenden
auch mitgenommen, aufgehoben und zu beliebiger Zeit
gegessen werden.
Von Esszeug werden nur Löffel und ein Messer
auf den Tisch gebracht. Das Messer dient zum Brot
schneiden und zum Zertheilen der Mehlspeisen. Baueı
und Bäuerin haben häufig ihre eigenen Löffel, Dienstboten
 und Kinder jedoch nicht ‘). Teller werden keine
auf den Tisch gegeben. Alle essen mit dem Löffel
aus einer Schüssel. Die Gabel wird nur bei fest
lichen Essen, an denen Gäste theilnehmen, verwendet.
„Mit ta‘ Gäp’l is‘ an Eha‘, mit’n L&iff’l kriagt ma
meha‘.“ Mehlspeisen, welche in die Hand genommen
werden können, wie „Schifft’lIn, Sch&iba‘ln und
Strud’In“, werden aus der Hand gegessen. Die Löffel
werden nur Samstags, oder wenn damit fäasti (fette)
Speisen genossen wurden, abgewaschen, sonst nu
mit dem Tischtuche abgewischt *).
Heute sind bereits überall in den heanzischen
Bauernhäusern Löffel aus Metall in Verwendung
Früher gebrauchte man Löffel aus Holz. Der Landmann
 Tobias Posch in Oberschützen machte miı
einen solchen hölzernen Löffel, den er von seinen
Vorfahren überkommen hat und der wohl schon seine
200 Jahre alt sein dürfte, zum Geschenk. Er ist am
Stielende durch ein liegendes Kreuz und zwei wagrechte
 Striche (römische XII?) gemerkt. Die Mulde
des Löffels ist fast kreisrund und sehr flach. Ich
bilde den Löffel unter Fig. 170 ab. Die gute alte
Posch’n-MaAam ?). Mutter des Tohias, theilte mir mit

1) Von einem Bauern aus Oberschützen wurde mir erzählt,
 dass er seinen Löffel stets bei sich trug. Kam er einmal
 in ein benachbartes Haus, hatte seinen Löffel nicht bei
sich und wurde zum Essen geladen, so ass er nur, wenn man
ihm seinen Löffel holen liess,
?) Merıxoer berichtet dasselbe Bd. XXI, S. 111, in einer
Anmerkung aus Alt-Aussee.
3) Alle älteren Frauen werden in der Heanzerei mit
„Mäam“ (Muhme), ältere Männer mit „Veida”“ (Vetter) angesprochen.
 Früher wurden auch der Bauer und die Bäuerin
von den Dienstboten so angeredet, jetzt sagen sie Herr und
Frau.

Jjass früher die Hausfrauen im Stiele ihres hölzernen
Löffels ein Pfeifchen hatten, mit dem sie das Gesinde
zum Essen „zusammenpfiffen“.
Zum Schlusse meiner Mittheilungen über das
Arbeiten und Essen füge ich nun wieder einige Sprichwörter
 an, Es sind die mir bekannten heanzischen
Sprichwörter, welche auf das Essen Bezug haben.
„Wön Goutt wüll ta‘quick’n, t&in lässt ea‘ nit
ta‘stickn. — Svöick und Prät mächt Wängan räth.

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Fig. 170. Alter Esslöffel aus Holz (1 : 3).

- Kneid’l und Kraut füll’n in Paua'n t’ Haut. —
Saifı Kräg’n is waita‘ wia ta‘ Mäg’n. — A Vülfräss
wiat nit gepäaln (geboren), sundan gezoug’n. —
Wänn t’ Veig’l vullg’fr&iss’n saif, äft (dann) singan 8’.
_— Wea® nit kimp‘ (kommt) za rechta‘ Zait, tea
muiss wäaat’n. wäs ibaplaip‘“.“

F. Die einzelnen Räume des heanzischen Bauernhauses,

Wie ich oben schon zu wiederholten Malen erwähnt,
 trägt das Wohnhaus der Heanzen — ich verstehe
 damit nur die Räume, die dem Menschen zur
Wohnung dienen — ganz dasselbe Gepräge an sich,
wie das Wohnhaus des Bauern in der Gegend von
Oedenburg. Es ist der oberdeutsche Typus, der uns
auch hier entgegentritt. Die Räume zergliedern sich
auf die beiden Stuben, die durch die Küche und den
Vorraum (Vorhaus oder „Lab’m“ = Laube) von einander
 getrennt sind. Mrrıncer nennt diese niedere
Stufe in der Entwicklung des oberdeutschen Hauses
das „Mittelküchenflurhaus“ (vgl. Bd. XXIII, S. 178).
Ist also in der Hauptsache, in der Anordnung
der Wohnräume zwischen dem heanzischen Hause und
dem Bauernhause um Oedenburg kein Unterschied
aufzustellen, so fällt schon beim Eintritt in das’ Vorhaus
 dem forschenden Auge ein unterscheidendes
Merkmal‘ zwischen beiden Häusern auf. Dieses Merkmal
 bildet die Eingangsthüre, „di Lab’mthia‘“. Die
Thüre des Vorhauses vom Bauernhause in der
Gegend von Oedenburg habe ich Bd. XXIV, 5. 121,
beschrieben. Es sind dort eigentlich zwei Thüren
angebracht. Eine ist aus starken Brettern oder Eisenblech,
 die andere aus Latten gefertigt. Letztere wehrt,
wann die arstarea offen ist das Federvieh ab und lässt
            
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