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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 15=25.1895

„117

Auch das „Prönng’schlädara “ (was beim Branntweinbrennen
 als Rest im Kessel bleibt) und die
„Trestara‘“ (die ausgepressten Obstreste) werden den
Kühen gerne in’s „Luida‘“ gegeben.
Ist mittlerweile das Mittagmahl gar geworden,
so werden die Kinder, „’s G’suriweri‘ (das Gesurrwerk)
 äg’fuidat“, oft nur im Hofe, denn wenn die
Arbeit viel ist, so kann man nicht lange Umstände
machen. Die Frau eilt nun mit dem Essen in einem
Korbe auf dem Kopfe wieder auf’s Feld. Nachdem
eine Stunde Mittagsrast gehalten worden war, arbeitet
sie wieder mit bis zur Zeit des Jausnens um 5 Uhr.
Um diese Zeit ruft sie ihre Pflicht wieder in’s Haus
Die Anderen arbeiten fort und wenn sie um 8 oder
1/9 Uhr nach Hause kommen, wartet ihrer bereits
das fertige Nachtmahl. Wenn die Anderen schon
das Bett aufgesucht haben, steht die Frau noch in
der Küche beim „Ä’wäschschaff’1“. Das ist der Tageslauf
 einer Bäuerin im Sommer. .
Kann sie sich im Herbste und Winter Morgens
etwas länger Ruhe gönnen, so kommt sie dafür Abends
später in’s Bett. Im Herbste lösen sich „’s Gugarizä‘haitn,
 ’s Puagunt’nschnaid’n, ’s Ruib’mä’ schnaid’n
und ’s Mouststess’n“ als Abendarbeiten ab. Oft helfen
dabei Junge Leute aus den Nachbarhäusern mit und
bei Scherz und Sang erleichtert man sich die Arbeit,
die oft bis gegen Mitternacht währt, gegenseitig.
Die Fremden werden für ihre Mithilfe vor dem
Schlafengehen mit Brot und Aepfeln oder Schnaps
bewirthet. Im Winter wird Abends gesponnen und
bei jeder Gelegenheit muss die Frau am fleissigsten
sein und am längsten ausdauern, so dass ihr Leben
das ganze Jahr hindurch nichts weiter als eine
Kette von „viel Müh’ und Arbeit“ ist.
Von besonderen Arbeiten, welche im bäuerlichen
Haushalte ausschliesslich der Frau zugehören, will
ich nur zweier noch gedenken, und zwar hauptsächlich
 deshalb, weil. mir dabei Gelegenheit wird,
einzelne Geräthe aus dem heanzischen Hause und
die mundartliche Bezeichnung derselben bekannt zu
machen. Die beiden Arbeiten sind das Wäschewaschen
 und das Brotbacken.
Gewaschen wird im Hofe oder in der „Lab’n“.
„Gesechtet“ wird in der Küche. Dies geschieht in
folgender Weise: Man gebraucht dazu ein hohes,
bottichähnliches Schaff von runder oder ovaler Form.
das „Sechtschaffl“. Dieses wird auf einen ziemlich
hohen drei- oder vierbeinigen Schragen, den „Söchtschräg’n“.
 gestellt. Im Boden des Schaffes befindet

sich nahe der Wand ein rundes Loch, das durch
3@inen runden, stabartigen Stöpsel, der bis an den
Rand des Schaffes emporreicht, geschlossen wird. In
Jieses Schaff wird „’sG’wänt“ (Gewand == die Wäsche),
nachdem es aus lauwarmem Wasser, in dem es eine
Zeit lang geweicht, oberflächlich herausgewaschen
ınd nachher tüchtig eingeseift worden war, sorgsam
;n Schichten eingelegt. Wenn das Schaff mit Wäsche
yefüllt ist, so legt man ein grosses, grobes Tuch
Jarüber, dessen Enden über den Rand des Schaffes
aerabhängen. Dies ist das „Äschtui‘“ (Aschentuch).
\uf das Aschentuch setzt man die „Zäa“, die Zarge
aines Siebes. Sie wird mit Asche gefüllt. Die Asche
in der Zarge wird nun mit dem siedenden Wasser,
das mit einem „Söchter“ (kleines Kübelchen mit
ainer Handhabe) aus dem „Söchköss’l“ genommen
wird, so lange übergossen, bis sich das Schaff mit
Wasser füllt. Das Wasser wird hierauf durch das
Loch im Boden des Schaffes in’s „Inta’s@itzschaff’l“
Untersetzschaff) abgelassen. Das Uebergiessen der
Wäsche wiederholt sich etwa 10—15mal. Dies ist
Jas „Söcht’n“ der Wäsche, worunter man also das
Auslaugen derselben zu verstehen hat.
Hierauf erfolgt das eigentliche Waschen der Wäsche.
Sie wird jetzt „tichti“ aussag’ripp’lt“ und „f@ist ausz’wundt'n“.
 Zum Waschen bedient man sich in
ıeuerer Zeit der bekannten einfachen Waschmaschine
Wellblech in einem hölzernen Rahmen), der „Wäschrump’l“,
 die kurzweg auch „t’ Rumpl“ geheissen
wird, Dann muss die Wäsche noch in reinem, kaltem
Wasser gespült, „g’schwemmt“ werden. Dies geschieht
 im Bache. Jedes Stück Wäsche wird, wenn
as gespült ist, wieder tüchtig ausgewunden und dann
ıuf einer kurzen Bank, der „Wäschpänk“ mit dem
„Wäschpracka “ (Wäschebracker; bracken = schlagen)
kräftig „aus’prackt“. Im Winter stehen die Mädchen
and Frauen bei dieser Arbeit mit aufgeschürzten
Kleidern in leeren Schäffern im seichten Bache. In
warmem Wasser, das in einem Topfe bereitsteht.
wärmen sie sich von Zeit zu Zeit die Hände.
Ueber das Brotbacken, eigentlich über das
\nmachen des Brotteiges, liess ich mir in der Heanzerei
 Folgendes erzählen: Früher bediente man sich
zum Anmachen des Teiges des Sauerteiges, der in
der Heanzerei „Ura“ genannt wird. Ein faustgrosses
Stück Teig wurde von einem Backen zum anderen,
in der Regel von einer Woche zur anderen in einen
Topf, den „Urah&ifn“ gelegt und ging während dieser
Zeit in Gährung über. Der Sauerteig wurde mit
Wasser verdünnt. mıt dem grossen hölzernen „Ura-
            
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