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Schliesslich muss ich noch eines 30 X 13 mm grossen Bruch
stückes von einem Gelbgussgegenstande erwähnen, dessen
Legirung aber eine hellere und mehr gelbe Farbe hat unc
auch härter als Bronze ist. Auf der Rückseite ist es spiegel.
glatt, oben aber mit erhabenen und unregelmässigen Streifen,
die sich kreuzen, verziert. Es macht den Eindruck, als wenn
es von einem Fehlgusse herrühren würde, Dasselbe ist 2 mm
stark, rührt von einem ovalen Gegenstande her und scheint
römischen oder La Tene-Ursprunges zu sein.
Nachdem uns nun verbürgte Funde von dieseı
Burgstätte vorliegen, handelt es sich um die Zeitbestimmung
derselben, Ich habe bereits im Jahre 1885
in meinen Schutz- und Wehrbauten diese Frage berührt,
aber aus Mangel an verlässlichem Materiale
dieselbe keiner genaueren Untersuchung unterziehen
können. Seit der Zeit sind mehrere Jahre verstrichen.
ohne dass über die Schlackenwälle etwas Bedeutenderes
ausgeforscht worden wäre, indem denselben
verhältnissmässig wenig Aufmerksamkeit gewidmet
wurde; nichtsdestoweniger ist die Sache
doch etwas vorgerückt und man kann schon wenigstens
einer Vermuthung Raum geben, welcher gemäss
für die Benützung und möglicherweise auch für
die Errichtung der oder jener Schlackenwälle eine
bestimmte Zeit anberaumt werden dürfte. Mit Vorbehalt
und ohne das letzte Wort gesagt zu haben,
will ich es versuchen, eine bestimmte Zeit für diese
und auch einige andere Wallburgen Böhmens anzu:
geben, wobei ich die Richtigkeit meiner Forschungs-‚esultate
weiteren Prüfungen überlasse.
Wenn wir uns in anderen Wallburgen umsehen,
wo Schlackenwälle vorkommen und auf welchen
Nachgrabungen veranstaltet wurden, begegnen wiı
Resultaten, welche mit unseren, auf der Burgstätte
von Hostim gemachten ziemlich im Einklange stehen.
Prof. Dr. Jon. N. WoLnpticH stellte in Wort und
Bild einige Scherben von Thongefässen dar, welche
auf dem Hradist& bei Strakonic gefunden
wurden !). Dieselben sind sehr roh, schwach gebrannt,
tragen aber die dem Burgwalltypus eigenthümlichen
Wellen- und Ringfurchen, welche mittelst eines
mehrkantigen Werkzeuges eingedrückt wurden.
Prof. Jos. StrxaD in Pilsen erwähnt auch einiger,
bei der Durchforschung der Burgstätte von Bukovec
(Erdwälle mit Gräben und theilweise Verschlackung) *)
gemachter Funde und führt unter denselben nebst
eisernen Messern und Pfeilspitzen mit Widerhaken auch
Knochenwerkzeuge, wie Ahlen und Stecher, an, von
Thonobjecten Wirtel und namentlich Scherben vor
1) Mitth. der Anthropol. Ges, in Wien, 1875, II, Bericht
2) Mitth. der k. k. Central-Commission. 1890. 8. 233.
Gefässen, welche häufig auf der Aussenseite mit
einem rothen!) oder schwarzen Anstrich versehen
und mit eingedrückten Wellenlinien, Ringfurchen und
Punkten verziert sind. Derselbe weist sie dem Burgwalltypus
zu und macht dabei auch die Wahrnehmung,
dass unter den daselbst gefundenen Gefässscherben
keine Henkel vorkommen. Es unterliegt
in Folge dieser beiden Berichte keinem Zweifel,
dass die auf diesen Burgstätten gefundenen keramischen
Objecte dem älteren Burgwalltypus angehören?).
An diese systematischen Durchforschungen verdienen
angereiht zu werden: Der Bericht des k. k.
Conservators Morıtz Lüssxer über eine Verschlackung,
welche unterhalb der alten Wälle der Burg zu
Ohrudim entdeckt wurde ®). Unterhalb dieser Verschlackung,
welche, mit Erde bedeckt, sich weiter
hinzog, stiess man in der Tiefe von 2 Klaftern
3:6 m) auf eine Aschenlage, in welcher Scherben
‚on Urnen, angebrannte Knochen und das Bruchstück
eines Steinbeiles aus Schiefer gefunden wurden.
Jemzufolge wurde offenbar der Schlackenwall später
>»berhalb dieser Aschenlage errichtet. Auf dem Hradıste
ei Lipno (nordwestlich von Pilsen), wo sich eben-“alls
ein Schlackenwall befindet, wurden Scherben
von Gefässen alter und jüngerer Keramik gefunden,
welch’ letztere Lup. ScHNEIDER ‘) als mittelalterlich
vezeichnet. Auch in Olmütz stiess man bei der
Renovirung der St. Wenzelskirche auf eine Verschlackung,
leider wird aber nicht gesagt, in welcher
von den daselbst befindlichen Culturschichten (ob
nn der vorgeschichtlichen oder in der mittelalterichen)
dieselbe sich befunden hat’). — Das
1äufige Auftreten der beiden erwähnten Arten von
Keramik auf den meisten Burgstätten Mitteleuropas
zerursacht immer grosse Schwierigkeiten beim Studium
Jerselben; denn die Objecte, die auf solchen Stätten
iiberhaupt nicht intact, noch in grosser Zahl gefunden
werden, pflegen gewöhnlich durch die imimerwährende
Erdbewegung von Wald- und Feldarbeiten
untereinander gemischt zu liegen und man ist angewiesen,
anderweitige Nachforschungen vorzunehmen,
um doch einigermassen verlässliche Resultate zu
1) Vgl. weiter unten bei „Kotys“ ähnliche Scherben.
2) Vgl. über dieses Thema meine Abhandlung: Die
Funde zu Slup in Prag (in „Mitth. der Anthropol. Ges. in
Wien“, Bd. XX, 58. 145 ff.). .
8) Pamätky Archaelogick6, Bd, IV, 1, S. 90.
4) Pocätkove prfedhistor. mistopisu. Pardubic 1891, S. 73.
5) J. Havenga, O staroZitnostech etc. (in „Casopis Mus.
spol. Olomüc.“. Jahre. 1884, 8. 29).