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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 14=24.1894

— [177] —

Allgemeiner Verlauf

der Versammlung.

Die II. gemeinsame Versammlung in Innsbruck mit
dem Ausflug nach Meran reiht sich in Beziehung auf
ihre wissenschaftlichen Ergebnisse, auf die gebotenen,
hier zum Theil ganz eigenartigen, namentlich volkskundlichen
 Studiengelegenheiten, auf den Glanz ihrer
festlichen Veranstaltungen und die Betheiligung aller
Kreise vollwerthig der I. gemeinsamen Versammlung
in Wien an. Die kleinere Stadt, die Enge der dadurch
sich von selbst ergebenden persönlichen Beziehungen,
die sprichwörtliche Herzlichkeit und Gastfreiheit der
Tiroler, die Lieblichkeit und Grazie ihrer Frauen und
Töchter, der unwiderstehliche Zauber der Landschaft,
der trotz des sonst regnerischen Sommers stets warme
und wolkenlose Himmel, Alles stimmte zu dem Jubelfeste
 der 25jährigen Stiftung der Deutschen
anthropologischen Gesellschaft, welches wir
mit den österreichischen Kollegen gemeinsam begehen
wollten.
Unsere Festversammlung ist wunderbar gelungen:
und hier ist der Ort, um allen Denen, welche sich so
erfolgreich darum verdient gemacht haben, den wärmsten
 Dank auszusprechen. Es ist nicht möglich, hier
die Namen einzeln zu nennen, aber Jeder, zuerst die
Stadtverwaltungen von Innsbruck und Meran,
Se. Exe. der Herr Statthalter, sowie die Vertreter der
Presse, und Allen voran unser vortrefflicher Lokalgeschäftsführer
 Herr Prof. Dr. Fr. v. Wieser, welcher
unter Nichtachtung seiner Zeit und Gesundheit Alles
aufgeboten hat, um den Verlauf so vortrefflich zu gestalten
 — Allen, welche mitgeholfen zu dem schönen
Gesammterfolge, sei hier nochmals der Dank dargebracht,
 der unvergesslich in dem Herzen aller Theil.
nehmer eingeschrieben steht.
Wir brauchen hier nicht mehr zu sagen, da im
Folgenden die Dankreden selbst die Gefühle aussprechen
 sollen, welche uns Alle beseelten.
Donnerstag, den 23. August.
Die „II. gemeinsame Versammlung der Deutschen
und der Wiener anthropologischen Gesellschaft, zu:
gleich XXV. allgemeine Versammlung und Stiftungsfest
 der Deutschen anthropologischen Gesellschaft“ begann
 den 23. August 1894 mit einem Begrüssungsabend,
 der eine grosse Anzahl auswärtiger Kongress-Theilnehmer,
 sowie Herren und Damen aus Innsbruck
im grossen Stadtsaal vereinte. Von dem Gebäude
wehten die deutsche und die österreichische Fahne
und den Saal schmückten die von grünen Gewächsen
umgebenen Büsten der Kaiser der beiden Reiche. Der
Begrüssungsabend trug ganz den Charakter eines gemüthlichen
 Beisammenseins.

jauen der österreichisch-ungarischen Monarchie. Sie
ind herbeigeeilt, um uns zu helfen, die Jubelfeier der
Deutschen anthropologischen Gesellschaft festlich zu
begehen. Sie sind gekommen, um mit Fachgenossen
ın persönlichen Kontakt zu treten, alte Bekanntschaften
zu erneuern und in unmittelbarem Gedankenaustausch
wissenschaftliche Anregungen zu geben und zu emfangen.
 Wir können Ihnen allerdings, was das äussere
Arrangement anbelangt, nur sehr wenig bieten. Sowohl
 in Bezug auf rauschende Festlichkeiten, als auf
yissenschaftliche Sammlungen kann Innsbruck selbst-‚erständlich
 die Konkurrenz nicht aushalten mit den
zrossen Centren, in denen die Deutsche Gesellschaft
hre Versammlungen bisher abgehalten hat, namentich
 nicht konkurriren mit der österreichischen Metro-»ole,
 wo vor 5 Jahren der erste gemeinsame Kongress
stattfand. Eines aber werden Sie nirgends in höherem
Irade gefunden haben, als hier in Innsbruck, das ist die
Terzlichkeit, Aufrichtigkeit und Freudigkeit des Em-»fanges.
 (Bravo!) Die Stadt Innsbruck weiss die Ehre
vohl zu schätzen, dass die deutschen Anthropologen ihr
rubiläum in ihren Mauern feiern wollen und ich kann
-ersichern, als die Nachricht sich verbreitete, dass dieses
7est hier stattfinden werde, ging eine freudige Auf-'‚egung
 durch alle Schichten der Bevölkerung. Dass
lie Bevölkerung Ihnen lebhafte Sympathie entgegen-»ringt,
 mag der zahlreiche Besuch bei diesem unserem
ırsten Beisammensein beweisen. So sage ıch noch
xnmal, Willkommen, meine Damen und Herren, und
lreimal Willkommen! Lassen Sie sich’s behagen und
zefallen auf Tiroler Boden. Es ist eine warme Freunleshand,
 die sich Ihnen zum Willkommgrusse entzegenstreckt.
 Ich erhebe mein Glas und leere dasjelbe
 auf das Gelingen des Kongresses und auf das
Wohl unserer liebwerthen Gäste.
Herr Geheimrath Prof. Dr. Waldeyer-Berlin, stell-‚ertretender
 Vorsitzender der Deutschen anthropolozischen
 Gesellschaft, antwortete darauf:
Meine Damen und Herren! Da die beiden Herren
Vorsitzenden nicht mehr anwesend sein konnten, so fällt
mir die Ehre zu, auf die herzlichen Worte, die zur Besrüssung
 hier gesprochen wurden, Einiges zu erwidern,
ch glaube wohl ein gewisses Recht auf meiner Seite zu
ı1aben, wenn ich hier spreche: ich war vor 25 Jahren,
‚869, in Innsbruck anwesend bei der Begründung der
Jeutschen anthropologischen Gesellschaft, die sich heute
nit der Wiener anthropologischen Gesellschaft ver-»inigt
 hat, das Fest des 25jährigen Bestehens der
Jeutschen anthropologischen Gesellschaft zu feiern.
Damals hm brachte ich von Innsbruck die angez
 N . ıehmsten Erinnerungen mit nach Hause und ich kann
Herr Prof. Dr. Fr. Y. Wieser begrüsste in fol- aus eigener Vielfacher Erfahrung bezeugen, wie richgender
 Rede die auswärtigen Gäste: üg Herr Dr. von Wieser in seimer Begrüssungsrede
Meine Damen und Herren! Als Lokalgeschäfts- ıagte, dass wir herzlich in Innsbruck empfangen werführer
 der gemeinsamen Anthropologen - Versammlung en. Den Eindruck habe ich schon vor 25 Jahren mithabe
 ich die Ehre, die Versammlung auf’s Herzlichste zenommen und nicht vergessen, und als ich jetzt auf
willkommen zu heissen. Ich begrüsse in erster Linie ner beinahe dreiwöchentlichen Reise durch die Tiroler
die Herren der Deutschen anthropologischen Gesell- 3erge bald dahin, bald dorthin gekommen bin, fand
schaft, welche uns die grosse Freude gemacht haben, ch, dass das Tiroler Volk seine alte treue Herzlichhier
 ihre Jubelfeier zu begehen, an jener Stelle, von zeit bewahrt hat, die wir von jeher, seit Jahrhunderten
welcher die Anregung zur Gründung der Gesellschaft ın ihm schätzen, Dies ist uns heute Abend wieder
zusgegangen ist. Ich begrüsse die werthen Gäste, die um Bewusstsein gebracht worden, nicht nur in Worıus
 dem Auslande auf weiter Reise zu uns gekommen en, sondern auch in Thaten durch das zahlreiche Ersind,
 ich begrüsse endlich — last not least — alle scheinen der Innsbrucker Herren und Damen am heu-Freunde
 und Fachgenossen aus den verschiedenen tigen Abend; wir sehen daraus, dass Innsbruck sich
Mittheilungen a. Anthron. Gesellsch. in Wien. Bd. XXIV. 1894. Sitzungsberichte- ‘
            
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