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schwinden wird. Sein Hauptzweck ist ein technologischer;
es ist hauptsächlich ein architektonisches
Werk, aber es bietet auch als Nebenausbeute reiche
hauskundliche Belehrung und nach meiner Ansicht
ein nachahmenswerthes Muster für die eingehende Behandlung
einzelner Typenbezirke; 20--30 solche Bände
könnten das gesammte Material der europäischen Hauskunde
bereit legen und dadurch eine sichere Grundlage
schaffen für eine Theorie des volksthümlichen
Wohnhauses, welche heute noch fehlt.
Bezirksarzt Baer hat in der Zeitschrift des Brezenzer
Museums in kleinerem Rahmen Aehnliches für
Vorarlberg geboten und Ramsdorfer im Organ der
Wiener Anthropologischen Gesellschaft für die Bukowina.
Beide haben ihren Zweck mit viel bescheideneren
zeichnerischen Hülfsmitteln erreicht, als Glad.
bach und Eigl, was für manchen Hausforscher tröstlich
sein mag, weil eine so schöne Darstellung nicht
jedermanns Sache ist. Allerdings erkennt man aus
den Darstellungen beider die Wichtigkeit und Unentbehrlichkeit
technisch-korrekter Darstellung, welche
ihnen im vollsten Masse eigen ist.
Ich muss hier auch den Dr. Zillner und den hervorragenden
Kenner des ländlichen Salzburger Hauses
Dr. Prinzinger sen. (beide in Salzburg) erwähnen.
Professor Mehringer hat ferner den Hausrath und
die Lebensgewohnheiten der Bewohner eingehend berücksichtigt.
Seine Hausschilderungen sind dadurch
lebendiger und anregender, als viele andere.
Lehrer J. R. Bünker (Oedenburg) hat uns eine
sehr anregende Arbeit über die Häuser des westlichen
Ungarns geschenkt.
Mehrere eingehende Arbeiten über ländliche Typen
sind in czechischer und polnischer Sprache erschienen.
Es wäre erwünscht, wenn sie durch Uebersetzung allyemein
nutzbar würden.
Die Wiener Anthropologische Gesellschaft hat lebhaft
für die Ausbreitung der Hausforschung gewirkt,
eine Schrift „technische Vorkenntnisse der Hausforschung“
(von Reimann) und eine andere „Voryang
der Hausforschung“ (von mir) herausgegeben,
Es wurden Vorträge zu diesem Zwecke gehalten und
ein Ausflug der Sache gewidmet. Fragebogen versendet
u. 8. W. .
Wenn gleichwohl die Sache noch immer nicht genug
in Fluss kommen will, wenn besonders die Aufforderungen
an alpine und Photographenvereine vorerst
noch kein nennenswerthes Ergebniss liefern wollen,
so liegt dies zumeist in dem Umstande, den Professor
Bendorff nach einem Vortrage im philologisch-archäologischen
Vereine in Wien hervorgehoben hat: „Die
Hauptsache bei der Hausforschung ist das
technische Verständniss“, also eine Fachkenntniss,
welche vielen, ja den meisten bisherigen Hausforschern,
ihrem Bildungsgange gemäss, fehlt, und
möchte ich beifügen, in der Gabe zeichnender Darstellung.
Das Haus, sei es nun ein hochentwickelter Kunstbau
oder die Hütte eines Naturvolkes, ist nun einmal
aäne technische Hervorbringung. Der Mensch, der sich
seine Behausung bereitet, und sei sie noch so ursprünglich
und einfach, ist im selben Augenblick ein Techniker,
und mit einem nestbauenden Thiere nicht zu
vergleichen. Es ist bei aller Baugewohnheit, bei aller
Bauüberlieferung viel Ueberlegung und Zweckbewusstsein
im menschlichen Hausbau und bloss ein Bauverständiger
vermag den technischen Grundlagen der
Typen, ihren natürlichen Bedingungen, ihren Erfah-‚ungseinrichtungen,
wie ich das logische Element
Jes Hausbau’s benannt habe, erfolgreich nachzuspüren.
Ihne diese technische Anschauung läuft der Hausoorscher
Gefahr, in irreführende Lehrmeinungen zu verallen.
Er wird etwa ethnographische Merkmale in
Bautheilen suchen, welche einzig und allein das techıische
Denken der Begründer und Erbauer, also die
Umstände so gemacht haben, wie sie sind. Gestatten
Sie einige Beispiele.
In Kärnthen und Ostkrain gibt es ein Trockenyerüste,
die sog. „Harfe“, für Feldfrüchte, weil diese
vermöge des starken Thaues, auf der Erde liegend,
nicht trocknen würden. Andererseits verdanke ich dem
Vaturforscher Reischek die Zeichnung eines altartisven
Aaltrockenhauses der Maoris, welches mit der
Jarfe nahezu übereinstimmt. Aehnliche Zwecke, ähnliches
Material und — technisches Denken haben da
zleiche Formen geschaffen, wobei an Ueberlieferung
oder gegenseitige Beeinflussung nicht zu denken ist.
Runde Bauformen sind nicht etwa keltisch oder
altgermanisch u. s. w., sondern Flechtwerkwände führen
äberhaupt leicht zu abgerundeten Ecken, weil scharfe
Zecken schwer zu flechten sind, Freilich können runde
Bauten auch auf anderer technischer Grundlage he-‚uhen,
Sanft geböschte Dächer sind nicht etwa bajuwasch
oder alemanisch, sondern sie wurden entweder
jurch starke Stürme aufgezwungen, oder sie wurden
nit lose aufgelegtem Deckmateriale gedeckt. Ich fand
‚893 in Solnhofen, wo die sog. Kelheimerplatten ge-)rochen
werden, „Schweizerhäuser“, d. h. Häuser mit
ianft geböschten Dächern, und ich glaube, Ansiedler
eder Nation, jeder Rasse würden dort ihre etwa gevohnten
und mitgebrachten Steildächer ehestens fahren
'assen, Schieferplatten auflegen und zu diesem Zwecke
hre Dächer abändern. Jene „Schweizerhaus-Insel“ ist
zenau SO gross, als der Bereich des Plattenbruch -Vorkommens.
In gewissen holz- und steinarmen Gegenden Frankreichs
gibt es kein Obergeschoss: weil das gebrauchte
Pise&mauerwerk ein Obergeschoss nicht tragen würde.
Ebenso auf den ungarischen Steppen.
Man hat einmal behauptet: Steinbau sei romanisch,
Tolzbau germanisch. Nun war aber z. B. das Amphiheater
von Pola, wie längst festgesetzt ist, nur in der
Jmfassungsmauer von Stein, alles andere von Holz.
\ndererseits kenne ich eine Forstordnung des Salzurger
Erzbisthums vom Anfang des 18. Jahrhunderts,
vorin den Leuten aufgetragen wird, Steinhäuser zu
jauen, weil der verschwenderische Holzbezug aus den
jtaatswäldern diese schädige. Im allgemeinen scheint
ler Holzbau überall geherrscht zu haben, wo Holzfülle
rorhanden war. Genau nach Mass der Lichtung tritt
Steinbau auf.
Man hat im Fachwerk und im Blockbau KEigen-2eiten
verschiedener Völker oder Stämme finden wollen.
Yun ist Blockbau an geradstämmiges, astfreies, in
zrosser Länge gleich dickes — also an Nadelholz geyunden.
Aus Eichen und Buchen kann man nur sehr
ichwer Blockbauten machen. Fachwerk ist auch in
Buchen-, Eichen- oder Birkengegend möglich, Nun
var wirklich in Thüringen, dem Hauptherde des Fachjaues,
einstens wenig Nadelholz. Andererseits habe
ch 1870 in Rouen Fachbauten aus krummen und .un-‚egelmässigen
Holzscheiten gesehen, aus welchen man
bei bestem Willen keine Blockbauten hätte machen
rönnen.