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Solche Bautheile sind vor allem die „Feuerungs- 10och ein starkes historisch-ethnologisches Moment im
Anlagen“; und desshalb dürfte der gegebene kurze Spiele zu sein. Denn, dass es lokale oder anthropo-Rückblick
auf die Entwicklungsgeschichte derselben ‚ogische Gründe‘ waren, welche am Niederrhein und
am Salzburgerhause nicht unberechtigt erscheinen und ‘m Salzburgischen denselben Typus entstehen liessen,
danke ich hiemit für die geneigte Aufmerksamkeit, ist wohl nicht anzunehmen. Ich glaube, Sie haben
welche die hochgeehrte Versammlung meinen Dar- hier in Oesterreich das beste Material für die Erlegungen
diese Themas zu widmen“die Güte hatte. zenntniss dieses ethnischen Elementes zur Hand, und
möchte Sie bitten, das Ländchen, das in dieser Hin-Herr
Univ.-Prof. Dr. Meringer-Wien: sicht uns kritisch werthvoll wird, recht bald in den
Das oberdeutsche Haus und sein Hausrath. Kreis der Betrachtung aufzunehmen, nämlich Sieben-.
. bürgen. Es ist eine abgeschiedene deutsche Gegend,
_ Da der Vortrag in Form einer Abhandlung in den je nach keiner Seite einen engeren nationalen An-Mittheilungen
der Wiener Anthropolog. Gesellschaft ıchluss und sich 80 in der Isolirtheit rein erhalten hat.
erscheinen wird, so folgt hier nur eine Notiz über den Nach dem Material, das mir vorliegt — es ist wesentlich
Inhalt: Jas Buch von Wolff — stimmt nun das siebenbürgische
Das „oberdeutsche“ Haus ist in Bezug auf seinen Bauernhaus auf’s genaueste mit dem fränkischen über-Yrundriss
viel einheitlicher als man erwartet hat. än, und nicht nur das Bauernhaus, sondern auch der
Ueberall finden sich die vier Elemente: Küche, Stube, of mit seiner eigenartigen Thoranlage u. s. w. Die
Kammer, Flur und nirgendwo ein anderer Raum; es Identität geht so weit, dass Wolff gewisse Einrichyibt
Häuser, die bloss aus Küche bestehen (Herdraum ungen des siebenbürgischen Hauses mit denselben
— Sennhütten), solche mit Küche und Stube, mit Norten meinte beschreiben zu müssen, die ich für das
Küche, Stube und Kammer und solche, die noch über- vänkische angewendet hatte. Das kann nicht an der
diess einen Flur haben. Stuben und Kammern können jegend, sondern nur an den Bewohnern liegen, die
im Hause auch mehrfach vorhanden sein. änst aus den Rhein- und Nahegegenden nach Sieben-Dieser
Einförmigkeit entspricht auch die Einförmig- ürgen ausgewandert sind. Von Siebenbürgen und der
keit des Hausraths. Es gibt einen oberdeutschen jortigen Natur kann diese Haus- und Hofanlage nicht
Hausrath, der ebenso (und noch mehr) tradi- ıbhängen, denn auch in Bosnien sind die Abweichungen
tionell ist, wie das Haus. Jeder Raum hat 0 gross, dass an eine Identität nicht gedacht werden
seine charakteristischenGeräthe, diese stehen ann. So kommen wir denn zu dem historischen
an ihren altererbten Plätzen und sind auch in chlusse: Im 12. Jahrhundert müssen die Vorfahren
Bezug auf ihre Form offenbar alten Tradi- jer Siebenbürger Sachsen solche Häuser und Höfe in
tionen unterworfen. hrer fränkischen Heimath gebaut haben, sie müssen
Die Frage ist, inwieweit das sächsische und nor- den Ty A haben und sind bis auf den
dische Haus anderen Hausrath haben. Es bleibt weiter ent 5en SE MIC t davon 2a Sen Beta h h
das Alter der einzelnen Stücke des oherdeutschen Haus- Aber wir werden mit une LEN strachtungen. n00
raths zu erforschen. etwas weiter zurückgreifen dürfen. Das wichtigste
3lied, das uns für die historische Erforschung der
Herr Prof. Dr. R. Henning-Strassburg i/E.: zermanischen Hausstile immer noch fehlt, ist England,
Ueber das deutsche Haus Wenn uns von daher Material gebracht würde, könn:
) ‚en wir einen bedeutsamen Schritt vorwärts machen,
Ich glaube, dass unsere Ansichten über das deutsche ja den wichtigsten, der noch nöthig ist. Soweit ich
Haus nicht ganz vollständig zum Ausdruck kommen las Material beurtheilen kann, glaube ich, dass die
würden, wenn ich mir hier nicht erlaubte, neben der Jntersuchung auch dort auf ethnographische Verschiereichlichen
Zustimmung, die ich allen Vorrednern zolle, lenheiten führen wird. Die dürftigen Angaben, die
auch einige dissentirende Ansichten vorzubringen. Zu- nir für die irischen und schottischen Inseln vorliegen,
nächst fühle ich mich selbst etwas schuld an dieser ‚cheinen auf etwas anderes zu führen als dasjenige,
Debatte. Ich würde heute nicht mehr so leichtsinnig vas mir bis jetzt von englischen Häusern bekannt ist.
zein, das Buch zu schreiben, das ich vor 12 Jahren Tur die letzteren sind an die festländischen deutschen
schrieb. Nachdem es inzwischen genug Gutes gewirkt "ypen anzuknüpfen, wenn wir vorläufig auch davon
hat, mag es zu Grunde gehen, wenigstens in seiner „‚bsehen müssen, die Zusammenhänge genauer zu bejetzigen
Form. Aber dennoch scheint mir etwas darin ıtimmen. In der alten Heimath der Angelsachsen, die
zu sein, was neben der anthropologischen Betrachtung inst aus den Meeresküstengegenden Deutschlands nach
von Dr. Montelius noch mehr betont werden darf. Ingland hinüberkamen, müssen diejenigen Anfänge
[ch meine, dass wir das Ethnographische und Historische iegen, an welche die spätere Entwicklung ansetzt.
immer mit berücksichtigen müssen, und dass wir da- \uch das englische Haus dürfte bis in die Zeit zurückmit
ein ausserordentlich werthvolles Mittel gewinnen, ‚eichen, wo die Angelsachsen die Heimath verliessen.
in die Vorzeit zurückzudringen. Es ist interessant, dass 7ielleicht können unsere skandinavischen Herren nach
unser grosser Streckenforscher auf 5000— 6000 km den Ingland etwas kräftiger herüberwirken, um unsere
Typus des fränkisch - oberdeutschen Hauses überall Xenntniss des Materials zu erweitern.
wieder erkannt hat. Für mich war das Leitmotiv für Die Karte, auf der Herr Dr. Montelius uns so
die Benennung dieses Typus die Sprache, denn genau innenfällig die Entwicklung des menschlichen Wohnin
derselben Verbreitung vom Niederrhein bis zur ‘1auses vorführt, bedarf wohl einiger ethnographischer
Schweiz und ostwärts soweit die deutsche Zunge klingt, Zestriktionen. Wir dürfen im Norden aus einer behaben
wir in älterer Zeit diejenige Sprache, welche kannten Zeit in eine ältere unbekannte zurückgehen
wir aus grammatischen Gründen die „fränkisch-ober- und können für die älteste vorhistorische Periode,
deutsche“ nennen. Wenn in diesem weiten Gebiete, die für uns sprachlich in Betracht kommt, sagen: dawelches
grammatisch-sprachlich zweifellos enger zu- mals, d. h. etwa um 300 nach Christus, haben dort
sammenhägt, auch die Hausform sich unterscheidet Häuser existirt, wie sie die Grundrisse des Herrn Dr.
ron allen übrigen germanischen, so scheint mir dabei Montelius von Fig. 17 bis Fig. 24 darstellen. Denn
Mittheilungen d. Anthrop. Gesellsch. in Wien. Bd. XXITV. 1894. Sitzungsberichte.