— 1106] —
. Bei’ der Beschränktheit der diesem Vortrage zugewiesenen
Zeit bin ich jedoch genöthigt, mich diesbezüglich
auf einige andeutende Bemerkungen zu beschränken,
und hinsichtlich des „Pinzgauer Typus“ auf
das im Werke „Das Salzburger Gebirghaus (Pinzgauer
Typus)“ von mir bereits Niedergelegte und auf die
Mustrationen dieses Werkes zu beziehen; ferners hinsichtlich
des „Vorland-Typus“ auf die hiemit neu vorliegenden
Abbildungen (Grundrisse ete. und Ansichten)
von Vorlandhäusern hinzuweisen. —
Ein Vergleich dieser Abbildungen lässt sofort
erkennen, dass die Grundrissanlage, (welche ja das
eigentlich Charakteristische eines Haustypus bildet),
in beiden Fällen die gleiche ist, wenn auch die Verwendung
der Räume einen charakteristischen Unterschied
bildet, indem der Mittelraum des Vorlandhauses
in der Regel zugleich als Küche dient.
In beiden Typen erkennen wir (wenn hier von der
Sölde abgesehen wird) den dreigetheilten Grundriss
oder einen Grundriss, welcher aus der Dreitheilung
hervorgegangen ist. Hiebei finden wir den Herd im
Vorlandhause in dem Mittelraume („Haus oder Vor.
haus“); im Pinzgauerhause dagegen in einem der Ne.
benräume (eigene „Küche“) angeordnet.
Hinsichtlich der Hofanlage kommt bei einem
Vergleiche zwischen dem Pinzgauer- und Vorland-Typus
folgendes zu bemerken:
Während in den Gebirgsgauen die „Gruppenhof:
Anlage“ die vorherrschende ist (insbesonders im oberen
Salzach-Gebiete), ist es im Vorlande jene der „ver
einigten Hofanlage“ (nach Bancalari „Einheitshaus“,
nach Dr. Fr, V, Zillner „Vereinte Bauart“), nämlich
jene Hofanlage, bei welcher in einem Hauptgebäude
Wohn- und Wirthsckhaftsräume vereinigt sind. Hiebei
finden wir jedoch diesem einem Hauptgebäude meist
noch gewisse Nebengebäude beigegeben.
Im Aeusseren liegt der Unterschied beider Haustypen
vornämlich nur im konstruktiven Ausbau der
der Dachgiebel und der Hausgänge, sowie auch in
jenem der Wirthschaftsräume.
Nach diesen einleitenden Vorbemerkungen sei hiemit
auf das eigentliche Thema, die Schilderung der
Feuerungs- Anlagen in deren verschiedenen Entwick:
lungsstufen, übergegangen und können in der diesbezüglichen
baulichen Entwicklung nachfolgende Stadien
ınterschieden werden:
I. Das Rauchhaus primitivster Art;
II. Rauchhäuser mit Herd im „Haus“ ohne jeden
Rauchschlott;
III. Rauchhäuser mit unter dem Dach endenden
Rauchschlotte ;
IV. Künstliche Rauchableitung über Dach mittels
hölzernem Schlotte;
V. Künstliche Rauchableitung über Dach mittels
gemauerter Schornsteine;
VI. Modernisirung der alten Feuerungs - Anlagen.
Bei Besprechung des Themas in der Reihenfolge
der vorstehenden Abschnitte sei es gestattet, unter
Hinweis auf die vorliegenden Zeichnungen, spezielle,
an Ort und Stelle aufgenommene Beispiele anzuführen.
IL Das Rauchhaus primitivster Art.
Als die primitivste Art der Feuerungsanlage eines
Gebäudes ist jedenfalls diejenige zu betrachten, bei
welcher in einem Hauptraume das offene Herdfeuer
brennt, wobei der Rauch ohne irgend welche künstliche
Ableitung frei entweicht.
Solche Häuser bezeichnet man im Allgemeinen als
„Rauchhäuser“ (mundartlich „Ruckhänser“).
Von unseren bäuerlichen Bauten können jedenfalls
lie Almhütten und Schermen, sowie die Holzknechthütten
als die primitivste Art der Rauchaäuser
bezeichnet werden.
Die am Boden des Hauptraumes hergestellte Feuer-‚tätte
besteht oft nur aus einem mit Steinen ausgelegten
oder wohl auch nur mit Lehm ausgestampften
Feuerboden, der durch einen Holzkranz oder eine Ummauerung
umschlossen ist.
Bei den eigentlichen Almhütten ist hiebei der
Herd in einer solidereren Weise aufgemauert, und mit
nem Kesselhengst versehen.
Der Herdrauch sucht sich hiebei stets seinen Ausweg
durch die wenigen Wandöffnungen der Hütte und
lurch die Dachritzem.
Rauchhäuser solcher Art zeigen beispielsweise die
vorliegenden Darstellungen einer Almhütte und eines
Schermes aus dem Schmidtenthale in Pinzgau. (Diese
Beispiele waren in dem Werke „Salzburger Gebirgshaus“
entnommene Tafeln vorgewiesen.)
II. Rauchhäuser mit Herd im „Hause“, ohne
jedem Rauchschlotte.
Der „Herd im Hause“ (d. i. im Mittelraume) ist
ain charakteristisches Merkmal des Vorlandhauses, nnd
änden sich derarsige Bauernhäuser aus alter Zeit noch
mehrfach erhalten, und zwar nicht nur Kleinhäuser
zondern auch Bauernhäuser, welche einem beträchtıichen
Besitzumfange entsprechen. Solche Häuser besitzen
demnach auch bereits eine Feuerungsanlage,
welche kombinirt ist: „aus dem Feuerboden für
Sfenes Herdfeuer, einen mit einbezogenen Sechtelofen,
anschliessenden Stubenofen und wohl auch Backofen,
zoferne Sechtelofen und Backofen nicht ausserhalb des
Tauses, im separaten Nebengebäude bestehen.
Ueber dem Herd breitet sich ein feuersicher verzleideter
Rauchmantel aus, an dem sich die vom Feuer
wa aufliegenden Funken löschen.
Der Rauch steigt, unter dem Kranze dieses Rauchmantels
hervortretend, gegen die Decke des Vorhauses
ampor, deren rückwärts gelegener Theil bei obiger
Aattung von Rauchhäusern eine derartige Konstruktion
jesitzt, dass der Rauch — zwar nicht direkt — wohl
ıber indirekt durch die Decke (den „Rauchboden“)
lindurch in den Dachbodenraum gelangen
zann, dort die auf dem Rauchboden aufgestellten
*etreidegarben durchziehend („durchsojernd“), sich im
Jachboden ausbreitend, durch kleine Ritzen iu der
Jacheindeckung und vornehmlich durch Oeffnungen
ler Gisbelverschalung endlich in’s Freie entweichend.
Der Rauchboden kann hiebei zweierlei Kon-;truktionsarten
aufweisen. Die erste ist die
änes gewöhnlichen Pfostenbodens, in welchem einige
Jeffnungen ausgeschnitten sind, die mit kleinen Queraölzern
und darauf ruhenden Brettern überdeckt werlen,
oder auch mit Holzdeckeln, die nach zwei
Jnterseiten Leisten angenagelt haben. Die zweite
Konstruktionsart besteht darin, dass die Pfosten des
3Zodens nicht dicht aneinander gereiht sind, so dass
sich Längsspalten zwischen denselben befinden, welche
lann gleicherweise wie die Oeffnungen bei erster Konstruktionsart
mit Querhölzern und darauf gelegten
Pfosten überdeckt werden.
Stets befindet sich der Rauchboden im rückwärwärtigen
Theile des Vorhauses und zwar im Niveau
les Dachbodens, während die Decke des vorderen
Vorhaustheiles durch den Fussboden der „Soler“ genıldet
ist.