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nehmen wird, dass es künstlich hergestellte Schalen
nicht gibt. Es gibt z. B. an verschiedenen Orten in
Schleswig - Holstein ausgezeichnete Schalensteine, an
deren künstlicher Herstellung niemand zweifeln wird.
Ich denke, es obwaltet ein Missverständniss
insofern, als keiner der Redner allgemein
eine Negation der Schalensteine bezwecken
wollte.
Herr Dr. H, Hildebrand, Reichsantiquar, Stockholm:
(Manusecript nicht eingelaufen.)
Herr R. Virchow-Berlin:
Ich glaube, dem Herrn Reichsantiquar unseren
ganz besonderen Dank aussprechen zu dürfen dafür,
dass er uns die neuere Geschichte der Alterthumsforschung
in seinem Vaterlande einmal in einem zu:
3aammenhängenden Bilde vorgeführt hat. Ich war erst
vor 14 Tagen in der Lage, unter seiner persönlichen
Führung sowohl das Reichsmuseum zu besuchen, als
auch eine Fahrt nach Gotland zu machen, und ich
kann nur sagen, dass ich in höchstem Masse entzückt
und voll neuen Lernstoffes heimgekehrt bin. Ich kann
nur dringend empfehlen, die Reise zu machen; Sie
werden kein zweites Museum in Europa finden, welches
die gleiche Vollständigkeit und Reichhaltigkeit aufweist.
Namentlich die Vikinger- Periode, die für uns
ein fast ganz fremdes Gebiet darstellt, ist ausserordentlich
lehrreich für die gesammte Entwickelung der
jüngeren Eisenzeit.
Herr Professor Dr. Löbisch-Innsbruck:
Die Ernährungsfrage in ihrer anthropologischen und
ethnologischen Bedeutung.
Die Anthropologie lehrt uns die Ernährung als
einen, die kulturelle und somatische Entwicklung des
Menschen in bedeutendem Masse beeinflussenden Faktor
kennen. Einen grossen Theil der Geschichte des prähistorischen
Menschen vom Höhlenbewohner bis zum
Bewohner der Pfahlbauten studiren wir an den Ueberresten
seiner Mahlzeiten. Aus diesen Ueberresten kon.
struiren wir uns die Fauna und Flora seiner Umgebung
und weiter die geologische Zeitepoche, in der er lebte.
Die ersten Waffen bereitet sich der Mensch, um
seine Nahrung zu erjagen, und aus den Knochen der
von ihm verzehrten Thiere bereitet er die ersten Werkzeuge
der Hausindustrie. Kochtöpfe aus Lehm sinc
die ersten Proben seiner bildenden Kunst, deren Erinnerung
sich so tief in das Bewusstsein der Völker
einprägt, dass sie die Bildung des Menschen aus Lehm
in die Symbolik der religiösen Anschauung aufnehmen.
Ebenso zeigen uns die ersten historischen Nachrichten,
wie innig die kulturelle Entwicklung des Menschen
mit der Art der Erfüllung seines Nahrungsbedürfnisses
zusammenhängt. Der Jäger und alleinige Viehzüchter
bleibt lange Zeit Nomade, während die ackerbautreibenden
Völker bald sich zu den höheren Formen des
gesellschaftlichen Zusammenlebens, deren Blüthe der
Staat bildet, emporarbeiten. Zugleich lehrt uns die
Geschichte, dass ebenso an jenen Orten, wo es unmöglich
wird, wegen der isolirten Lage des Wohnortes
und der Unwirthbarkeit des Bodens dem Nahrungsbedürfniss
naturgemäss zu genügen, sowie an jenen
Orten, wo die Natur alles in solchem Ueberflusse
spendet, dass dem Menschen die Nahrung ohne irgend
welche Anstrengung im vollsten Masse zu Gebote steht,
die Menschen auf einer niedrigen Kulturstufe stehen
bleiben.
Sehen wir nun einerseits die knlturelle Entwickung
der ganzen Menschengattung im Allgemeinen an
lie Möglichkeit und an die Art seiner Ernährung geznüpft,
so betrachtet die Anthropologie anderseits
ıuch die Einwirkung der Nahrung auf die somatische
Entwicklung des Menschen. Die Resultate der
Forschungen der Ernährungs-Physiologie, welche über
len täglichen Bedarf des Menschen an Nahrung und
iber die Art seiner Ernährung unter verschiedenen
Xlimaten, über den Einfluss der Nahrung auf die
zörperliche Entwicklung des Menschen und das Vorzommen
von Kümmerformen des Menschen bei unzu-"eichender
Nahrung uns belehren, gehen alsobald in
len Besitzstand der Anthropologie über, welche jeden
Tortschritt auf diesem Gebiete der Forschung als einen
Zeitrag zur Lehre von der Natur des Menschen und
zon den Einflüssen, welche auf seine körperliche Entwicklung
eingreifend mitwirken, sorgsam zu verwerthen
bestrebt ist.
Von diesen Thatsachen ausgehend, nehme ich mir
lie Freiheit, einige Ergebnisse der neueren Forschungen
ler Ernährungslehre in Kürze darzulegen, um daraus
neue Aufgaben für die anthronologische Forschung abzuleiten.,
Eine der wichtigsten Fragen der Ernährungslehre
bildet die nach dem täglichen Belarf
des Menschen an den Nährstoffen, Eiweiss, Fett
und Kohlenhydrate, die er in der Nahrung aufnimmt.
Bekanntlich haben, um nur die Vertreter der Mün-»hener
Schule zu nennen, Bischoff, Pettenkofer,
ianke und Voit sowohl durch direkte Messung der
Ausscheidungen des auf seinem körperlichen Bestande
bleibenden Menschen, als durch Ermittlung des Nahungsbedarfes
kräftiger, unter verschiedenen Bedingungen
lebender Menschen auf statistischem Wege
(Olgendes Bedürfniss an Nährstoffen als Mittelzahl für
lie deutsche Bevölkerung gewonnen.
Bedürfniss an Nährstoffen nach Voit:
es Kohlen-Eiweiss
Fett hydrate
l. Erhaltungsdiät . . . . 35g 230g 300 g
(67 Kilo schwer)
2. bei mittlerer Arbeit. . 118g 56 g 500 g
3. bei angestrengter Arbeit 145g 100g 447g
An diese Zahlen, deren hohes Ansehen und praktische
Bedeutung schon daraus erhellt, dass die Kostrationen
der Heere aller Kulturstaaten im Kriege wie
im Frieden bestrebt sind, den durch dieselben geforlerten
Mengen an Nährstoffen zu entsprechen, an diese
Zahlen knüpft sich eine grosse Anzahl wissenschafticher
Fragen und Controversen, deren Lösung und
\ustragung für den Anthropologen von grösster Beleutung
ist. Wir fragen zunächst:
1. Ist dieses Nährstoffbedürfniss für den erwachjenen
Menschen aller Klimaten ein gleiches oder
wechselt es je nach der Kälte oder Wärme der Erdstriche,
die der Mensch bewohnt?
2. Entspricht dieses Nährstoff bedürfniss im Ganzen
wirklich dem Bedarf des Menschen oder sind einzelne
Theile desselben, z. B. der Bedarf an Eiweiss oder an
Fett zu hoch oder zu niedrig. gegriffen ?
3, Wird dieses Nährstoffbedürfniss von den Menschen
zumeist in Form von thierischer oder vflanz-.icher
Nahrung gedeckt?
4, Welches ist jene Combination von Nahrungsnitteln,
durch welche das Bedürfniss an Nährstoffen
.n der einfachsten compendiosesten und billigsten Form
zedeckt werden kann?