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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 14=24.1894

126]

sion nachzuweisen wäre. Ich erinnere an den Versuch,
 den Herr Campbell gemacht hat, in einem
zweibändigen Prachtwerke sogar die alten Hethiter an
die amerikanischen Indianer anzuschliessen, aber dieser
Versuch hat seine eigenen Landsleute zu der Aeusserung
veranlasst, Herr C. wäre zwar ein guter und ehrenwerther
Mann, aber er sollte eigentlich in ein staatliches Prytanaeum
 gebracht werden — ich erinnere an jene sehr bezeichnende
 Form von Steinhämmern, die gerade in Amerika
 so häufig sind mit einer ringsum laufenden Rille,
welche von dem gespaltenen Stiele umfasst wird!) und
bemerke, dass ich die gleiche Form von Hämmern in
Sendschirli ausgegraben habe, in der alten „hethi
tischen“ Hauptstadt, von der ich heute schon hier ge:
sprochen, aber ich bin unendlich weit entfernt davon.
etwa von dieser Uebereinstimmung aus auch meinerseits
 eine Brücke zwischen den Hethitern und den Indianern
 zu suchen — die ethnographische Brücke, von
der ich vermuthe, dass sie vielleicht Tirol mit
Amerika verbinden könnte, ist eine verhältnismässig
ganz moderne.
. Sie kennen wohl alle die sogenannten Tiroler
Gürtel, diese sehr eigenartigen Leibgurte, welche besonders
 im Anfange dieses Jahrhunderts hier in Tiro)
sehr allgemein verbreitet waren und vornehnlich auch
durch die Abbildungen von Andreas Hofer und
seinen tapferen Zeitgenossen weit über die Grenzen
dieses Landes hinaus bekannt geworden sind. Diese
Ledergürtel waren sehr häufig mit dem Namen oder
den Initialen des Besitzers und mit einer Jahreszahl
versehen, gewöhnlich in weisser oder sonst heller
Stickerei, die sich sehr gut von dem dunklen Ledergrunde
 abhob. Das Material für diese Stickerei waren
in der Regel ganz dünne Lederstreifen.
Es gibt nun aber einzelne.Gürtel — hier das Ferdinandeum
 bewahrt solche, und ich kenne auch sonst
noch einzelne solche Stücke —, bei denen als Material
für die Stickerei nicht Lederstreitchen verwendet sind,
sondern sehr harte, glänzende, blendend weisse, dünne
Streifen, welche zweifellos aus dem Schafte von langen
Vogelfedern geschnitten sind. Dies ist nun eine Technik,
 welche sonst — meines Wissens — in der ganzen
Welt nirgends weiter geübt wird, als bei gewissen amerikanischen
 Indianer-Stämmen und ihren unmittelbaren
Verwandten im nordöstlichen Asien. Hier ist nun wirklich
 eine Veranlassung, zu fragen, ist diese ganz eigenartige
 Uebereinstimmung eine zufällige oder liegt eine
wirkliche Brücke vor. Ich will die Möglichkeit eines
Zufalles durchaus nicht in Abrede stellen, aber ich
lenke, dass wir vielleicht die Brücke ermitteln können,
auf der'diese uralt amerikanische Technik nach diesem
schönen Lande Tirol gekommen sein mag. Es fällt
mir nämlich auf, dass die mit Federstreifen ausgenähten
 Tiroler Gürtel durchaus nicht etwa die älteren
sind, sondern dass ihre Jahreszahlen alle in die dreissiger
 und vierziger Jahre unseres Jahrhunderts fallen,
während die älteren Gürtel, wenigstens so weit ich sie
kenne, nur mit weniger ausgezeichneten Materialien
gestickt sind. Bei den Indianern ist dieses Verhältniss
natürlich umgekehrt; da finden wir nur die ganz alten
guten Stücke mit Federstreifen oder mit kleinen Hystrix-Stacheln
 gestickt, während heute diese vornehme Technik
 ganz verschwunden ist ıumd der Stickerei mit Leder,

1) Das Laibacher Museum besitzt einen solchen
Hammer, aber ohne bestimmte Angabe seiner Herkunft;
as ist nicht wahrscheinlich, dass er europäisch ist;
eine Gesteinsuntersachung wäre ganz ungemein erwünscht.


nit Bindfäden aller Art und mit Perlen Platz gemacht
aat. Halten wir aber daran fest, dass diese Technik
ın Tirol erst nach 1830 aufzutreten scheint, so liegt
as nahe, sie in Zusammenhang mit den tirolischen
Bergleuten zu bringen, welche um diese Zeit sehr
zahlreich aus Amerika in die alte Heimath zurückzehrten.
 Auch mein eigener Grossvater!) kam damals
nit Frau und Kindern, aber auch mit einer grossen
\nzahl früher von ihm angeworbener Tiroler Landsgute
 nach Europa zurück, und verschiedene Stücke
nit indianischer Feder-Stickerei haben sich noch heute
zus seinem Nachlasse erhalten. Ich denke nun an die
Möglichkeit, dass solche Stücke, die sicher mehrfach
nach Tirol gelangt sind, den Anlass gegeben haben,
auch die Tiroler Gürtel in derselben Technik und mit
lemselben ausgezeichneten und unverwüstlichen Majerial
 zu besticken, und würde also in einem solchen
Zusammenhange eine wirkliche „Brücke“ nachgewiesen
naben. Ich thue das aber nur ganz andeutungsweise,
‚ein nur, um die hier in Tirol einheimischen Gelehrten
zu bitten, die Sache weiter zu verfolgen. Es wäre ja
vielleicht sehr schön, in Tirol ein völlig unabhängiges,
zanz insulares Auftreten einer sonst ausschliesslich nur
zus Amerika und Nordost-Asien bekannten Technik zu
zennen, aber es wäre wissenschaftlich ebenso dankenswerth,
 mit Bestimmtheit irgend eine Art der Ueber-‚ragung
 nachweisen zu können.
Vielleicht nimmt jemand aus Ihnen, hochgeehrte
Anwesende, die hier angeregte Untersuchung auf; es
sind ja kaum zwei Menschenalter seit der von mir erwähnten
 Zeit vorbei gegangen und alte Leute müssen
sich noch persönlich an sie erinnern. Inzwischen formulire
 ich die Frage ganz kurz: Brücke oder Insel?
Jehbertragung oder Völkergedanke?

Herr M, Much:
Im nordwestlichen Viertel von Niederösterreich
inden sich ausschliesslich im Gebiete des Granits auf
len Tausenden herumliegender Blöcke zuweilen Veräefungen
 mit meist senkrechter Begrenzung, welche
on Mehreren, die sich auch mit urgeschichtlichen
Jntersuchungen beschäftigen, als „Schalensteine“ erzlärt
 wurden, und die man unklarer Weise einerseits
n die Steinzeit hinaufzurücken, andererseits als gernanische
 Opfersteine zu erweisen bemüht war. Kine
zeschäftige Phantasie fand in einzelnen dieser Steine
lie der menschlichen Gestalt angepasste Vertiefung,
'n welche der Mensch zur Schlachtung hineingelegt
rurde, und die Blutrinnen; an anderen ersah man die
4estalt der Holla oder ihres Lieblingsthieres, der Katze;
n den Höhlungen, die durch übereinander liegende
3löcke gebildet werden, sollen ihre Priesterinnen gewohnt
 haben, und was dergleichen Wahrnehmungen
nehr sind.
Als nun vor zwei Jahren eine grosse Zahl dieser
sewaltigen Granitblöcke nach Prag geführt wurde, um
‚ur Wiederherstellung der eingestürzten Pfeiler der
lortigen Brücke Verwendung zu erhalten, wurde die
Zentral -Kommission und die Regierung in den Versretungskörpern
 auf das Heftiyste angegriffen, dass sie

1) J. C. Hocheder, geb. 1800 zu Zell im Zillerchale,
 war späterhin im österreichischen Montanministerium
 thätig und theilt sich mit seinem Vetter Heidinger
 und dem Grafen Breuner in den Ruhm, 1849 an
der Gründung der Wiener geologischen Reichsanstalt
betheiligt gewesen zu sein, der ältesten Anstalt dieser
Art auf dem Continente, der z. B. in Berlin erst 1873
ain ähnliches Institut gefolet ist.
            
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