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pen: halbkreisförmige, Kahnfibeln (im engeren und
weitesten Sinne, einschliesslich der Blechband-, Rauten-,
Jertosa- und Paukenfibeln) und Schlangenfibeln. Das
häufige Vorkommen der erstgenannten Form erklärt
sich durch eine lokale Moderichtung ähnlich derjenigen,
unter deren Einfluss wir auch in Jezerine plumpe, ganz
eigenthümliche, halbkreisförmige Bogenfibeln in relativ
sehr jungen Gräbern antreffen. Die Gruppe der
Kahnfibeln vollendet die schon in der älteren Stufe
angebahnte Entwicklung und verästelt sich in eine
Reihe der verschiedensten Varietäten. Die der Schlangenfibeln
bringt etwas für unser Lokal völlig Neues
und wir erkennen hier deutlich die späte Uebertragung
eines Typus, dessen Stammformen nur in
[talien zu finden sind. Auch die Varietäten der Kahnfibel
scheinen ihren Ursprung in Italien zu haben und
der Norden nimmt daran nur insoferne Antheil, als
Importstücke und lokale Nachbildungen eine weite
Verbreitung finden. Bei den letzteren sind die Dimensionen
und die Arbeit sehr verschieden; doch haftet
den lokalen Arbeiten immer etwas Rohes, Flüchtiges
oder Schwerfälliges an, wenn es sich nicht um Drahtwindungen,
sondern um feste Gussstücke handelt.
Seit 400 etwa, also gleichzeitig mit dem Beginn
der Früh-La Töne-Stufe in anderen Gebieten, erscheinen
Thierkopffibeln mit oder ohne Armbrustspirale und
andere T-Fibeln, die in Italien selten sind, auch „Zweirollenfibeln“
und solche mit Schlingenkranz hinter der
einfachen oder doppelten Rolle. Es ist kein blosser
Zufall, dass die alpinen Lokalformen, sowohl in der
älteren, als in der jüngeren Hallstattperiode sich von
den Stammformen durch Hinzufügung von Drahtspiralschleifen
unterscheiden. Diese Neigung erscheint am
stärksten ausgeprägt in den Doppel T-Fibeln von Prozor
und Jezerine, von welcher ostillyrischen Barbarei unsere
Veneter im Isonzothale frei geblieben sind. Auch die
Thierkopffibeln mit crista-artig über die Bernsteinaufsätze
des Bügels herablaufendem Drahtschlingenkranz,
wie sie Idria in grösster Nähe von Sta. Lucia geliefert
hat, — auch diese Geschmacklosigkeit, die in der anzedeuteten
Richtung liegt, hat in St. Lucia nicht mehr
Eingang gefunden.
Die Betrachtung der ganzen Fibelentwicklung
drängt uns zu dem Schlusse, in der Drahtfibel,
welcher das Streben nach symmetrischer Bildung innewohnt,
ein altes oder alterthümliches oder aber barbarisches,
in der einem anderen Schönheitsgesetz folzenden
gegossenen Fibel ein klassisches Produkt
zu erblicken. Mit der Drahtfibel beginnt die ganze
Entwicklung, zur Drahtfibel kehrt sie in der Bauernarbeit,
die noch heute in den Ostalpen stellenweise
getragen wird, zurück, und die Armbrust-Spiralfibel ist
nur eine Rückfalls- Erscheinung , hervorgerufen durch
die Ausbreitung des gallischen Elementes. Aber der
einmal gemachte, technische und ästhetische Fortschritt
lässt sich nicht auf die Dauer unterdrücken,
Die La Tene-Periode ist nur ein kurzes Mittelalter, und
aus dem Rückfall selbst entwickelt sich eine neue
klassische Reihe, die der römischen Fibeln. In der
bekannten Art, wie diese die Armbrustspirale entweder
durch ein Charnier ersetzen, mit einem Kopfbalken
bedecken oder in eine Hülse einschliessen, verräth sich
fort und fort der alte Gegensatz zwischen der barbarischen
Drahtwindung und dem klassischen Gussstück,
Wir übergehen die minder bedeutungsvollen ebenfalls
zum Theil mit Funden aus den Certosagräbern
und Este III übereinstimmenden Formen der Anhängsel
und Ringe, sowie der jetzt zuerst auftretenden Pinsetten
und anderen kleinen Toilettegeräthe, die ihren
‚üngeren italischen Ursprung nicht verläugnen können,
ınd sagen nun noch ein Wort über
5. Gürtelhaken. Metallbeschläge über den ganzen
Jürtel wie in Hallstatt fehlen, ebenso die elliptischen
ınd rautenförmigen Gürtelschliessplatten, wie in Este.
Jagegen herrschten als eine lokale Mode gegossene
tarke Gürtelplatten, länglich viereckig mit mittlerem
‚ängsgrat, aus dem der auffallend lange Haken her-‚orgeht.
Aehnliche Gürtelplatten erscheinen in Watsch
zus Eisen. Sie sind sicher lokales Fabrikat. —
Wieder müssen wir hier, wo der Raum nicht ge-;tattet,
unsere Beweismittel vorzuführen, an die
Specialkenntnisse Derjenigen appelliren, welchen die
neisten oben angeführten Formen aus anderen Fund-»lätzen
als junghallstättische bekannt sind, Statt
änzelner Anführungen sei hier nur im Allgemeinen
zuf Prosdocimi’s Publikation der Nekropolen von Este
ınd Zannoni’s grosse Arbeit über die Gräber der Cer-‚osa
hingewiesen.
Nach den Stufen I und IT dürften wir in Sta. Lucia
ine Stufe III erwarten, entsprechend Marzabotto bei
3ologna, Este IV, ldria II, St. Michael IL, Nassen-‘ass
u. s. w., kurz eine Stufe mit ausgesprochenen Mittelund
Spät-La Tene-Formen. Die ersten La Tene-Sachen
erscheinen aber in Sta. Lucia nur zerztreut, ausserhalb
der Gräber. Das Fehlen einer Gräberstufe, die wir
mit III bezeichnen könnten — wenn sie nicht etwa
noch in einem besonderen Theile der Nekropole nachsewiesen
wird —, scheint zu zeigen, dass der venesche
Stamm um Sta. Lucia zuletzt andere Schicksale
rfahren hat, wie seine Verwandten im Niederlande.
Ton diesen wissen wir durch Schriftstellerzeugnisse,
‘ass sie (was die Funde um Este bestätigen), keltische
Xultur annahmen, obwohl sie den keltischen Waffen
viderstanden und durch ihre drohende Haltung im
Zücken der oberitalischen Kelten selbst die Anschläge
Jer letzteren auf Mittelitalien zu nichte machten. Das
Bindringen keltischer Kultur in Venetien erfolgte wohl
auf demselben Wege, wie früher die Fortpflanzung
atruskischer und noch früher umbrischer Formen, d. h,
vom transpadanischen Gebiet, von den Boiern um Bononia,
nicht von den Alpenkelten. Dieser Einfluss
reichte aber nicht mehr ins Gebirge. Andererseits
;cheinen die zerstreuten Alpenkelten solchen Einfluss,
rie ihn die mächtigeren Flachlandkelten auf die Ve-1eter
Oberitaliens geübt, auf die illyrischen Stämme
m Gebirge nicht ausgeübt zu haben. Stationen der
llyrier wie bei St. Lucia und der Kelten beim nahen
'dria werden geraume Zeit neben einander bestanden
1aben, bis das von den Kelten umlagerte und bejrängte,
friedfertige illyrische Element zusammenıchmolz,
sich mit den Zuwanderern vermengte oder
sonstwie aus der Reihe der Ääusserlich sichtbaren Erscheinungen
wich und verschwand. Wie lange dies
Jjauerte, wird Niemand sagen können, — auch mitten
im Verlauf des Prozesses würde wohl Niemand den
Zeitpunkt haben bestimmen können. Es war eben
kein historisches Ereigniss im engeren Sinne, sondern
ine Uebergangs- oder Entwicklungsphase, welche die
Kultur unserer Heimath zuletzt so gestaltete, wie sie
von den Römern angetroffen wurde.
Herr Dr. Felix v. Luschan-Berlin:
Ueber orientalische Fibeln,
Auf unserer Versammlung in Ulm hat Herr Virshow
vor zwei Jahren in so warmen Worten der Auszrabungen
in Sendschirli gedacht, dass ich es jetzt,
aach Ablauf einer neuen Campagne, nicht nur als
Zecht. sondern als Pflicht empfinde. gerade an dieser