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welche unsere Nekropole geliefert hat. Ebenso verhält üngeres, die sich nahe an die korrespondirenden itaa8
sich in Karfreit und im nahen Krain zum Unter- ischen Epochen anschliessen.
schiede von dem, was man in Bologna und Este be- Es entspricht allen gerechten Erwartungen, dass
obachtet hat.“ Der Fehler liegt darin, dass M. alle sich die Trennung zweier Phasen unserer ersten Kisen-Fibeln
einer grossen Klasse als einheitliche Masse be- zeit, welche um Bologna an ein historisches Ereigniss
trachtet und z. B. den grossen Unterschied übersieht — die Festsetzung der Etrusker in Oberitalien — anzwischen
den wirklich alten, häufig in Eisen ausge- (nüpft, dessen Ausgangspunkt vielleicht an der Tiber,
führten Kreisbogenfibeln mit Fussschleife und der jün- mn der Erstarkung der jungen römischen Macht zu
geren (bloss alterthümlichen) einschleifigen „Sta. Lucia- ‚uchen ist, nicht nur in Este, sondern auch in Sta. Lu-Fibel“.
Beide sind ihm bloss „fibule ad arco simplice“, ia wiederfindet. Aber allerdings erscheint die Wirand
da er dann natürlich diesen Typus mit allen an- ung des Ereignisses mehr und mehr verdunkelt, der
deren vergesellschaftet findet, läugnet er die führende Anstoss abgeschwächt — die Wellenringe verflachen
Geltung der Fibeltypen in der Frage der Zeitbestim- ‚ich und verlaufen in unmerkliche Schwingungen. Wir
mung. Hätte er die Halbkreisfibeln richtig auf die werden daher leichter Zustimmung finden, wenn wir
beiden Stufen vertheilt oder auch ganz bei Seite ge- ste II und III mit Sta. Lucia 1 und II, als wenn wir
lassen und die Probe mit einem andern Typus ange- :twa Bologna mit Hallstatt vergleichen. Auch hiebei
stellt, so wäre er gewiss zu ganz entgegengeset.ten werden wir Este III und Sta. Lucia II einander ähn-Resultaten
gekommen. Wie nahe er durch seine Be- icher finden, als Este II und Sta. Lucia I. Die Stufen
obachtungen an die letzteren herangeführt wurde, be- 3enacci I und Este I, d. h. die ältere Villanovastufe,
weist der Umstand, dass laut seinen eigenen Berichten ’ehlt in den Ostalpen, und was wir ihr chronologisch
das Gemenge älterer und jüngerer Gräber keineswegs ıtwa gleichstellen können, bildet wenigstens keine
än gleichmässiges ist, dass vielmehr in langen Reihen nterabtheilung der Hallstattperiode. KEste II zeigt
ainmal die älteren und dann wieder die jüngeren lagegen schon innere Verwandtschaft mit Sta. Lucia 1;
Gräber vorherrschen. Er schreibt l. c., Anm. 2: „So aber die Verschiedenheiten sind doch so gross, dass
begegnen uns z. B. im westlichen Theile vorwiegend wir eine direkte und ausschliessliche Abhängigkeit der
ainfache Bogenfibeln und Brillenfibeln, im östlichen etzteren von der ersteren Stufe nicht annehmen dür-Schlangen-
und Certosafibeln.“ Da der neuesten Publi- en, Dagegen zeigen Este III und Sta. Lucia IL so
kation kein Plan der gegrabenen Flächen beigegeben riele Uebereinstimmungen, dass, abgesehen von dem
ist, können wir nicht sagen, wieweit etwa auch die Fortwirken älterer Traditionen die letztere als eine
Forderung räumlich getrennter älterer und jüngerer us der ersteren direkt abgeleitete Stufe angesehen
jräbergruppen thatsächlich schon erfüllt ist. werden kann >
In St. Lucia liegen die Verhältnisse, dank dem Die Stufe Sta. Lucia I mag man (wie Benacci II)
unermüdlichen Eifer Marchesetti’'s, viel klarer vor ım 650 beginnen und etwa 200 Jahre währen lassen;
uns, als z. B. in Hallstatt. Sie sind aber auch sonst die Stufe II würde dann um 450 beginnen und etwa
leichter zu durchblicken. Auf dem Salzberge bei Hall- 100 bis 150 Jahre oder noch länger dauern. Vor allem
statt sind zuverlässigen Schätzungen zufolge von ver- st aber festzuhalten, dass die Stufen I und II durch
schiedenen Seiten ungefähr 3000 Gräber geöffnet wor- eine Kluft geschieden sind, wie sie sich theilweise um
den, also fast genau ebensoviele, als allein Marche- 3ologna bemerkbar macht. Kein Abbruch früherer
setti in Sta. Lucia erschlossen und in seinen beiden Beziehungen hat stattgefunden, von keinem Wechsel
Berichten beschrieben hat. Die von Ramsauer geöff- der Zuwachs der Bevölkerung kann die Rede sein.
neten 993 Gräber, circa ein Drittel der Gesammtzahl, in und dasselbe friedliche Volk hat iu ruhiger Entlieferten
nach Sacken (Grabfeld S. 60) über 400 Brillen- wicklung die Früchte seiner Thätigkeit und der Lage
fbeln, d. h. genau dreimal so viele, als sämmtliche einer Wohnsitze geerndtet. In allmählicher Steigerung
2950 Gräber Marchesetti’s. Demnach scheint die st unter dem Fortwirken älterer Traditionen der süd-Brillenfibel
in Hallstatt circa neunmal so häufig ge- iche Einfluss stärker hervorgetreten. Diesen begünwesen
zu sein, als in St. Lucia. Sie ist nach einer stigte vielleicht noch mehr die Stammesverwandtapproximativen
Berechnung in Hallstatt um mehr als schaft der alten Bewohner des Isonzothales mit denen
lie Hälfte stärker vertreten, als alle anderen Fibel- des reicheren Niederlandes, als die geographische Stelformen
zusammengenommen, während sie in Sta. Lucia lung des Gebietes, wie vortheilhaft dieselbe auch genur
!/ıs sämmtlicher Fibeln bildet. Diese Zahlen illu- wesen ist. Denn Sta. Lucia ist von Este mehr als dreistriren
ein wenig den rascheren Wechsel der Kultur mal so weit entternt, als von Laibach, und dennoch
an dem Südrand der Alpenzone gegenüber dem Nord- steht es auf seiner 1L. Stufe der alten Kultursphäre
zehänge derselben oder mit anderen Worten die Zähig- von Este sozusagen dreimal näher, als den Kulturkeit,
mit welcher sich alterthümliche Formen im Nor. stätten an der Save. Wenn auch nahe dem Tiefland,
den behauptet haben. Hier wird man zu anderen Mit- wohnte dieser Stamm doch mitten im Gebirge unter
teln greifen müssen, um Zeitunterschiede zu statulren, ihnlichen Natureinflüssen, wie mancher andere, den
Wenn man an der Hand der Fibeln, welche deut- ber kein engeres Band mit den Niederländern verlich
zwei Stufen der ersten Eisenzeit erkennen lassen, x<nüpfte. Der direkte Nordweg von Este führt ja nicht
das gesammte Material der Gräber von Sta. Lucia in ns Thal des Isonzo, sondern in das der KEtsch, wo
ain Kulturgut älterer und ein solches jüngerer Zeit ber im Gebirg ein anderer Volksstamm wohnte.
zerlegt, so findet man die aufgewendete Mühe reich- So muss die Trennung zweier Kulturstufen in
lich belohnt. Denn, wie bei Bologna zwei scharf be- St. Lucia aufgefasst werden, welche in Wirklichkeit
grenzte Perioden auf einander folgen: Benacci II. nicht so scharf war, wie wir sie in der Theorie er-(oder
Arnoaldi, die Endstufe der Villanova-Kultur, ıcheinen lassen müssen, um nur überhaupt ein „Früher“
5a. 650— 550 oder 500) und Certosa (die etruskische ınd ein „Später“ zu erkennen und mit diesen Merk-Kulturstufe
Oberitaliens, ca. 550 oder 500— 400), wie zeichen die Richtung des Fortschrittes abzustecken.
um Este die Perioden II und III ein ähnliches Bild Der beschränkte Umfang dieser vorläufßgen Mittheilung
gewähren, — so unterscheiden wir auch in Sta. Lucia gestattet mir ebenso wenig, die Gräberreihen anzuzwei
geschlossene Kulturbilder, ein älteres und ein geben, welche ich der I. und der Il. Stufe zurechne,
Mittheilungen d. Anthrop. Gesellsch. in Wien. Bd. XXTV. 1894. Sitzungsherichte